Fünf Strategien wie Menschen mit Querschnittlähmung ihre Lebensqualität verbessern können

Nach Eintritt einer Querschnittlähmung ändern sich die Lebensumstände von Betroffenen oft grundlegend. Was sich nicht ändert, ist der Umstand, dass dieses Leben nach wie vor lebenswert ist.

Wie Menschen mit Querschnittlähmung ihre Lebensqualität bewerten, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einfluss können z. B. Mobilität, Schmerzempfinden und finanzielle Situation haben.

Um die Lebensqualität wirksam zu verbessern, sollten sich die Betroffenen nicht nur auf die körperlichen Auswirkungen ihrer Rückenmarkverletzung konzentrieren, sondern auch auf die sozialen Folgen. Gemeinhin geht man davon aus, dass sich jene Frischverletzte gut an das Leben nach Eintritt einer Querschnittlähmung anpassen, die in der Lage sind, ihre Werte neu zu definieren und Freude im Neuen zu finden.

Im Folgenden werden einige Faktoren genannt, die dazu beitragen können, die Lebensqualität von Menschen mit Querschnittlähmung nach Eintritt der Rückenmarksverletzung zu verbessern.

1. Hilfsmittel

Zunächst mag es kein angenehmer Gedanke sein, auf Hilfsmittel angewiesen zu sein, doch sie sind es, die Menschen mit Querschnittlähmung ein mobiles, unabhängiges, produktives Leben ermöglichen. Betroffene sollten sich jenseits von Rollstuhl und Co. nicht scheuen Hilfsmittel auch in anderen Situationen zu benutzen. Sollte z. B. eine eingeschränkte Handfunktion vorliegen, kann adaptives Besteck den Unterschied machen, ob man selbständig essen kann oder nicht. Dies gilt auch fürs Kochen oder für die Körperpflege.

Auch die Anpassungen im Auto tragen maßgeblich zur Mobilität von Menschen mit Querschnittlähmung bei. Selbst wenn die Lähmung nur inkomplett ist, sollten sich Betroffene über die Möglichkeiten des Fahrzeugumbaus informieren, da Anpassungen die Sicherheit erhöhen und im Hinblick auf Versicherungen relevant sein können.

Angepasste Hilfsmittel in vielen Bereichen des Lebens helfen dabei, Aufgaben auszuführen, die andernfalls evtl. nicht zu selbstständig bewältigen wären. Jeder Aspekt der Selbständigkeit kann dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern, indem das Selbstvertrauen gestärkt und Betroffene (vor allem, wenn der Eintritt der Rückenmarkverletzung noch nicht lange zurück liegt) ermutigt werden, mehr Dinge auf eigene Faust zu unternehmen.

2. Ergo- und Physiotherapie

Eine konsequente Teilnahme an Trainingsstunden der Physio- und Ergotherapie soll und kann die Lebensqualität nach einer Rückenmarksverletzung erheblich verbessern. Das Training konzentrieren sich auf die Verbesserung von Kraft, Mobilität und der funktionellen Selbständigkeit.

Ein Physiotherapeut wird die verbleibenden Fähigkeiten von Menschen mit Querschnittlähmung beurteilen und einen individuellen Trainingsplan erstellen, um Kraft und motorische Kontrolle zu verbessern.  Der beste Weg, die Mobilität nach einer Rückenmarksverletzung zu verbessern, besteht darin, sich so viel wie möglich zu bewegen. Konsequente, aufgabenspezifische Wiederholungen können dazu beitragen, dass Gehirn, Rückenmark und Muskeln so gut wie möglich zusammenarbeiten.

Aufgabe der Ergotherapie ist es Betroffenen zu helfen, die Unabhängigkeit im Alltag zu verbessern. Dazu gehört in der Regel das Üben von Aktivitäten des täglichen Lebens wie Essen, Kochen, Körperpflege, Anziehen und der Umgang mit Hilfsmitteln für das Blasen- und Darmmanagement. Ein Ergotherapeut hilft auch bei der Vorbereitung auf den Alltag außerhalb der Rehabilitationsklinik und übt Aktivitäten wie Einkaufen oder Bahn fahren und erörtert die Notwendigkeit von Umbauten im Haus oder am Arbeitsplatz. 

3. Selbsthilfegruppe

So verständnisvoll Angehörige und Freunde auf den Betroffenen eingehen mögen – wenn sie selbst nicht querschnittgelähmt sind, werden sie die seine Gefühle nicht vollständig nachvollziehen und verstehen können. Deshalb kann es nach einem traumatischen Ereignis sinnvoll sein, sich mit Menschen auszutauschen, die in einer vergleichbaren Situation sind.

Die meisten Querschnittszentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden Kontakte zu Selbsthilfegruppen herstellen können oder verfügen über ein Peer-Programm, bei dem Menschen, die schon länger einer Querschnittlähmung haben Frischverletzte mit ihrer Erfahrung helfen können. Der Austausch über Sorgen und (vielleicht falschen) Annahmen zum Leben mit Querschnittlähmung kann einfach und unkompliziert von Betroffenem zu Betroffenem stattfinden und Ressourcen, Hilfsmittel und Tipps und Tricks können vermittelt werden.

4. An die Situation angepasste Ernährung

Die Nahrung, die man zu sich nimmt, kann sich auf die allgemeine Gesundheit, Hautzustand, Stimmung, Energieniveau, Konzentration und sogar den Schlaf auswirken – vor allem aber lässt sich durch eine ausgewogene, angepasste Ernährung das Darmmanagement bei Querschnittlähmung beeinflussen. 

Ein funktionierendes Darmmanagement-Schema, dass so wenig Zeit wie möglich in Anspruch nimmt und hilft Komplikationen wie Verstopfung, Durchfall und/oder Blähungen zu vermeiden, kann ungemein zu Lebensqualität bei Querschnittlähmung beitragen.

Für mehr zum Thema siehe: Basiswissen Darm – Der-Querschnitt.de

5. Aktive Freizeitgestaltung

Hobbys, die man vor Eintritt der Querschnittlähmung hatte, kann man u. U. auch danach ausüben. Auch wenn sich die körperlichen Gegebenheiten von Betroffenen z. T. erheblich verändert haben können, gibt es viele Möglichkeiten, auch mit Querschnittlähmung körperlich aktiv zu sein: Sportarten können als Para-Sport ausgeübt werden (siehe: Kategorie Sport). Auch das Suchen und Finden neuer Hobbys, wie z. B. Malen, Drechseln oder Perlendrehen, kann helfen, neue Leidenschaften zu finden und die Lebensqualität zu steigern.

Auch bei hoher Tetraplegie, gibt es viele Möglichkeiten, die Freizeit aufregend zu gestalten. Etwa das Geocaching (z. B. im Geländerollstuhl) oder das Spielen von Virtual-Reality-Spielen steht Menschen jeder Lähmungshöhe offen.


Siehe auch: Sieben Strategien, die bei der Bewältigung einer traumatischen Querschnittlähmung helfen können


Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte, Therapien oder Mittel stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und ersetzen in keinem Fall eine Beratung oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch Fachspezialisten wie z. B. Ärzte oder Apotheker.