Neuer Ansatz in der Stammzelltherapie zur Behandlung von Querschnittlähmung

Eine Forscherteam der University of Manitoba in Kanada hat eine stammzellbasierte Therapie entwickelt, die die Erfolge eine Stammzellentherapie bei der Behandlungen von Menschen mit Rückenmarksverletzungen verbessern könnten.

Dr. Soheila Karimi, Professorin für Physiologie und Pathophysiologie am Max Rady College of Medicine in Manitoba, und ihre Kollegen haben im Tiermodell eine Behandlung entwickelt, die die Ergebnisse der neuralen Stammzellentransplantation deutlich optimieren und Funktionsausfälle nach Eintritt einer Querschnittlähmung positiv beeinflussen kann.

Probleme der Stammzellentherapie

Die Transplantation neuronaler Stammzellen bietet ein enormes Potenzial für die Gewebereparatur nach Rückenmarksverletzungen, sagt Karimi. (Siehe z. B.: Fallstudie: Mit Stammzellen einen Schritt weiter zur Verbesserung der motorischen und sensorischen Fähigkeiten bei Querschnittlähmung.) Das Problem: Transplantierte Stammzellen haben eine relativ geringe Überlebensrate und geschädigte Rückenmarkszellen werden nicht effizient genug ersetzt. Ihr Erfolg in der klinischen Anwendung ist dadurch in Frage gestellt.

Hemmende Moleküle im Rückenmark unterdrücken

„Wir haben entdeckt, dass bestimmte hemmende Molekülen im verletzten Rückenmark den Erfolg der Stammzellentransplantation stark einschränkt“, so Karimi. „Als wir beim Einbringen der Stammzellen diese Moleküle blockierten, führte dies zu einer höheren Überlebensrate der Stammzellen und zur Bildung geeigneter Nervenzellen an der Läsionsstelle. Dies war ja die große Herausforderung bei den bisherigen Ansätzen der Stammzelltherapie. Unser Ansatz führte zu einer erheblichen Verbesserung der Motorik der verwendeten Ratten.“

Diese Forschungsarbeit biete, laut Karimi, eine große Chance bei der Behandlung von Querschnittlähmung, da man mit der Methode transplantierte neurale Stammzellen gezielt dazu bringen könne, genau die Zelltypen zu bilden, die für die Wiederherstellung des geschädigten Rückenmarks entscheidend seien. Zudem unterstütze sie das langfristige Überleben und die funktionelle Integration der neu gebildeten Zellen in das verletzte Rückenmark, was für den Erfolg der Stammzellentherapie entscheidend sei.

Weitere Forschung notwendig

Karimis Team wird nun weiter untersuchen, wie sich Stammzellen im verletzten Rückenmark über einen längeren Zeitraum verhalten und welchen Beitrag sie zur Genesung leisten. Auch wird das Team die Wirksamkeit dieser Behandlung in verschiedenen Stadien der Rehabilitation nach Eintritt einer Rückenmarksverletzung und bei unterschiedlicher Behandlungsdauer betrachten. Danach würde, laut Karimi, entschieden werden, ob man eine Erprobung der Behandlungsstrategie in klinischen Versuchen in Betracht ziehen könne. Wann und ob dies der Fall sein wird ist derzeit offen.

Die bisherigen Ergebnisse wurden im Februar 2022 unter dem Titel Suppressing CSPG/LAR/PTPσ Axis Facilitates Neuronal Replacement and Synaptogenesis by Human Neural Precursor Grafts and Improves Recovery after Spinal Cord Injury | Journal of Neuroscience (jneurosci.org) im Journal of Neuroscience veröffentlicht.


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