Tellington TTouch (TTT) bei Querschnittlähmung

Eine Querschnittlähmung kann eine Reihe von Komplikationen und Begleiterkrankungen mit sich bringen, die für den Betroffenen teilweise eine erhebliche Minderung der Lebensqualität bedeuten. Die an die Feldenkrais-Methode angelehnte Tellington TTouch-Behandlung kann u. a. bei Schmerzen und Dekubitus eingesetzt werden.

Die Feldenkrais-Methode (siehe: Feldenkrais bei neurologischen Störungen) ist eine Bewegungsschulung, die davon ausgeht, dass das zentrale Nervensystem die Möglichkeit hat, seine Funktionen zu verändern. Die Tellington TTouch-Methode wurde entwickelt aus einer Kombination von Feldenkraistherapie, sowie Erfahrungen mit Behandlung von verletzen Tieren. Es ist eine Körpertherapie bei der mit Hilfe von Berührungen über nonverbale Kommunikation von „Körperzelle-zu Körperzelle“ Ebene gearbeitet wird. Die nach ihrer Begründerin Dr. h.c. Linda Tellington-Jones benannte Methode ist eine sanfte manuelle Technik, die an Menschen wie auch an Tieren eingesetzt wird und ein breites Spektrum an Impulsen zur Heilung und Harmonisierung vermitteln kann.

Die Methode beinhaltet kreisenden, streichende und hebende Berührungen, die auf körperlicher, mentaler und emotionaler Ebene wirken. Durch die Touches werden die Zellen der Patient*innen an ihr Potential, an ihre ursprüngliche Funktion erinnert. So bekommt das Nervensystem taktile Informationen übermittelt, die die Zelltätigkeit anregen und die Selbstheilungskräfte des Körpers fördern sollen.

Mögliche Indikationen

Tellington TTouch kann bei Querschnittlähmung und einer Reihe von Komplikationen und Begleiterkrankungen sinnvoll sein, z. B. bei:

  • Allgemein und neuropathische Schmerzen
  • Angst/Depression
  • Stressbewältigung
  • Motorische und sensorische Störungen
  • Vegetative Störungen
  • Wunden

Die wohltuende Wirkung beruht u. a. auf der Aktivierung der Selbstheilungskräfte, die allen Menschen innewohnen sollen. Viele Maßnahmen der physikalischen Therapie, zu der die Tellington TTouch-Methode gehört, können diese Selbstheilungsmechanismen unterstützen und die körpereigenen Ressourcen zur Genesung erhöhen. In der Rehabilitationsphase nach Eintritt der Querschnittlähmung wird die physikalische Therapie eingesetzt, um chirurgische, medikamentöse und psychotherapeutische Behandlungen sinnvoll zu ergänzen (Zäch/Koch, 2006).

Anwendung der Tellington TTouch-Methode im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ)

Regula Kurmann-Stanga ist Physiotherapeutin und Leiterin der Gruppe Sport- und Physikalische Therapie im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Notwill. Hier wird die Methode seit einigen Jahren erfolgreich angewendet. Sie erzählt:

„Tellington TTouch ist eine Körpertherapiebei der die Therapeut*in auf dem Körper der Patient*innen eineinviertel Kreise in verschiedenen Geschwindigkeiten, Druckststärken und Endungen ausführt.  Bei der Behandlung  ist es wichtig die neun Elemente der Tellington TTouch Methode (Bsp: Verbindung des Touches, Intention der Therapeut*in, Feedback der Patient*in..) zu beachten.

Mit sanften Berührungen werden Durchblutung und Selbstheilungskräfte aktiviert

„Abhängig vom Befund kann die TTT Behandlung mit wenig oder erhöhtem Druck ausgeführt werden. Zum Beispiel wird bei einem konservativen behandeltem Dekubitus am Gesäß (Grad 1) TTT mit dem Ziel angewendet die Durchblutung zu fördern. Die TTT Berührungen werden mit wenig Druck ausgeführt. Mit der Therapie wird bei der Schulter und Rumpf gestartet mit der Idee die angrenzenden Bereiche in Behandlung zu integrieren. Im Verlauf wird das Gesäß inklusive Dekubitus behandelt. Besonders wichtig ist bei der TTT Therapie ein häufiges Feedback für die Behandlung einzuholen. Die Anwendung soll angenehm sein. Die Patienten geben uns das Okay für die weitere TTT Behandlung.“

„Die Methode trägt maßgeblich zu einer Stressreduktion bei “, so Kurmann-Stanga weiter. „Es wird ein Zustand der Entspannung herbeigeführt, dadurch wird das Immunsystem in seine Funktionen unterstützt , die Durchblutung verbessert und die Selbstheilungskräfte des Körpers angeregt. „

Erfahrungen aus der Praxis

Über die Erfolge, die sie mit der Methode in der Praxis erreichen kann, berichtet Kurmann-Stanga: „Ein Erstrehabpatient inkompletter Tetraplegiker C5 klagte über störende Schmerzen und unangenehme verminderte Sensibilität im rechten oberen Rücken, wenn er sich auf die Rückenlage legen wollte. Nach drei TTT Behandlungen waren die Schmerzen nicht mehr vorhanden und das Areal der verminderten Sensibilität hatte sich verkleinert. Drei Monate später bestätigte mir der Patient, dass die Schmerzen nicht mehr zurückgekommen sind.“

„Eine andere Patientin – eine inkomplett gelähmte Fußgängerin mit einer Läsionshöhe von C4 – hatte Bewegungseinschränkungen und starke Schmerzen im linken Ellbogen. Nach sechs Behandlungen mit TTT – bei denen Kopf, Rücken, Schulter und der Arm bis hin zu den Fingerspitzen miteinbezogen wurden – waren die Schmerzen deutlich vermindert und die Beweglichkeit des Ellbogens verbessert.“

Kurmann-Stanga ist davon überzeugt, dass Tellington TTouch eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Therapien bei Querschnittlähmung sein kann. „Im SPZ bieten wir eine große Palette von physikalischen Therapien an. Der Gründer des SPZ Dr. Guido A. Zäch hat die komplementären Behandlungsmethoden in der Physikalischen Therapie im SPZ von Beginn an gefördert.“

Wo wird die Methode angewendet?

„In Notwill bieten wir die Tellington TTouch-Methode unseren stationären Patienten als Teil der physikalischen Therapie an. Wer einen Anbieter in seiner Nähe sucht, kann sich in Deutschland z. B. an das Barin College in Kirchseelten index (barin.college) wenden, in Österreich z. B. an den Tellington TTcouch Verein TELLINGTON TTOUCH TRAINING oder an den Interessen- und Berufsverband Tellington TTouch in der Schweiz Home – Tellington TTouch Verband Schweiz e.V. (tellington-ttouch.ch).“


Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte, Therapien oder Mittel stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und ersetzen in keinem Fall eine Beratung oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch Fachspezialisten wie z. B. Ärzte oder Apotheker.