Schmerztherapie bei Querschnittlähmung

Chronische neuropathische Schmerzen stellen ein komplexes Krankheitsbild dar und bedürfen einer zentral ausgerichteten Behandlung. Ein integratives Programm muss unter Einbezug von Ärzten, Pflegekräften, Psychologen, physikalischen Therapeuten und Sozialdiensten auf den Betroffenen und seine individuellen Bedürfnisse zugeschnitten werden.

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Neben der Förderung der allgemeinen Gesundheit und Abschwächung bzw. Vermeidung schmerzhafter Faktoren, umfasst die Schmerztherapie drei Aspekte:

1. Medikamentöse, nicht invasive Schmerztherapie

Die Behandlung mit Medikamenten kann die Schmerzen um 30 bis 50% reduzieren. Sie trägt zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit und der sozialen Aktivität bzw. des individuellen Beziehungsgefüges bei und verbessert neben der Schlafqualität somit auch die Lebensqualität (Erdmann, 2012). Verwendet werden:

  • Nichtopioidanalgetika, die je nach Form nicht nur eine schmerzlindernde und fiebersenkende Wirkung haben, sondern auch die erhöhte Empfindlichkeit der Nozizeptoren im geschädigten Gewebe normalisieren können,
  • Opioidanalgetika, die die Weiterleitung des Schmerzimpulses unterdrücken und auch bei sehr starken Schmerzen Wirkung zeigen. Allerdings können bei der Behandlung mit Opioiden Nebenwirkungen wie Obstipation und anfängliche Übelkeit auftreten, die ihrerseits behandelt werden müssen,
  • Nichtanalgetika (Ko-analgetika), wie

2. Nicht medikamentöse, nicht invasive Maßnahmen

In der nicht medikamentösen, nicht invasiven Therapie stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, von physiotherapeutischen Maßnahmen zur Muskelkräftigung und zum Abbau muskulärer Dysbalancen über physikalische Therapien (wie Massagen oder Thermo- und Elektrotherapien), um zu verhindern, dass neuropathische Schmerzen chronisch werden, bis hin zur psychologischen Ansätzen, die helfen können, Schmerzen zu reduzieren oder Schmerzzustände besser zu verarbeiten (Zäch/Koch, 2006).

Eine weitere nicht medikamentöse, nicht invasive Maßnahme besteht in einer möglichen Einflussnahme über die Ernährung. Siehe: Die Rolle der Ernährung in der Schmerztherapie

3. Chirurgisch-invasives Vorgehen

Die Behandlungsmethoden der chirurgischen Schmerztherapie, die zum Einsatz kommen können, umfassen laut Zäch & Koch u. a. :

  • Neuromodulatorische Verfahren, bei denen durch elektrische Stimulation oberflächlicher Nerven in Gehirn- oder Rückenmarkshöhe die Weiterleitung und Verarbeitung von Schmerzen beeinflusst wird,
  • Das Einsetzen von Medikamentenpumpen oder -ports, über die rückenmarksnah oder intraventrikulär Schmerzmittel gegeben werden können,
  • Neurostimulationsverfahren, bei denen Teile des peripheren oder zentralen Nervensystems zur Schmerzlinderung mit elektrischen Reizen behandelt werden. Unterschieden werden:
  • Intrathekale Pharmakotherapie, bei der Medikamente mit Wirkung auf das zentrale Nervensystem (vor allem Morphin und Baclofen) lokal in den Wirbelkanal injiziert werden, um eine schnellere und stärkere Wirkung zu erzielen. Diese Methode ist bei der Behandlung chronischer Schmerzen und schwerer Spastizität besonders erfolgreich, birgt neben einer Infektionsgefahr aber auch das Risiko von Veränderungen im endokrinen System.

In der Schmerztherapie gilt der Grundsatz des Stufenplans, d. h. die Behandlungsmethoden, die gewählt werden, sollten möglichst wenig invasiv, möglichst nebenwirkungs- und komplikationsarm und möglichst wenig belastend für den Betroffenen sein. Im Vergleich dazu steht die Belastung durch den Schmerz an sich. Obwohl heute sehr gute Ergebnisse mit medikamentösen Therapien und unterstützenden Maßnahmen aus Physio-, Psycho- und Verhaltenstherapie erzielt werden, stehen je nach individueller Lage auch invasive Behandlungen zur Wahl. Das Ziel einer jeden integrativen Schmerztherapie ist es, durch die Reduzierung der Schmerzen eine Teilnahme am Alltagsleben zu gewährleisten und somit die Lebensqualität zu steigern. Vor allem aber soll der Kreislauf von ängstlicher Erwartung/Anspannung – Schmerz – ängstlicher Erwartung/Anspannung durchbrochen werden (Zäch/Koch, 2006).

Siehe auch: Alternative Strategien gegen den Schmerz und Alternative Methoden bei der Behandlung von Gelenkschmerzen.

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