Leben mit Querschnittlähmung: So kann das Rollstuhlkissen auch den Hintern retten.

Rollstuhlkissen sind u. a. dazu da Druckstellen zu verhindern. Das können sie nicht nur als Sitzkissen im Rollstuhl selbst, sondern auch indem man sie zweckentfremdet, wenn man z. B. auf dem Boden, Treppen hoch oder am Rheinufer herumrutschen möchte.

Ein gutes Sitzkissen ist ein wichtiger Teil des Rollstuhls (siehe: Sitzkissen für Rollstühle), denn es sorgt nicht nur für ein bequemes und bestenfalls ergonomisches Sitzen, sondern kann in entsprechender Ausführung auch Druckstellen vorbeugen. Man kann das Sitzkissen aber auch aus dem Rollstuhl rausnehmen und es bei anderen Aktivitäten einsetzen. Und dabei das gleiche Ziel verfolgen.

Auf dem Boden sitzen

Menschen mit Querschnittlähmung, die oft auf dem Boden sitzen, z. B. beim Spielen mit kleinen Kindern, sollten darauf achten, dass auch hier die Gefahren von Druckstellen gegeben sind. Der Untergrund kann nicht nur hart sein, sondern je nach Beschaffenheit des Bodenbelags (z. B. Teppichboden) wenig glatt sein, sodass bei Bewegungen die Scherkräfte erhöht werden.

Das Rollstuhlkissen als Unterlage zu verwenden, kann eine ganz einfache Methode sein, die Haut zu schützen und Irritation und/oder Druckstellen zu vermeiden. Außerdem wichtig: Wer lange auf dem Boden sitzt, darf auch mit Sitzkissen nicht vergessen regelmäßig Entlastungen vorzunehmen.

Treppensteigen ohne Gehfunktion

Paraplegikerin Corina Mersmann* nutzt das Rollstuhlkissen in Ermangelung einen Treppenlifts. Weder die Stufen in ihre Wohnung noch die Treppe in den zweiten Stock, kann mit einem Treppenlift ausgestattet werden. Um trotzdem unabhängig mobil zu sein, rutscht Mersmann im Sitzen die Stufen hoch und auch wieder hinunter. Dazu transferiert sie aus dem Rollstuhl auf den Boden und zieht sich mit den Armen am Geländer von Stufe zu Stufe. Um die Gefahr von Verletzungen und Druckstellen zu minimieren, hat ihr Gesäß nie direkt Kontakt mit den Stufen, sondern sie verwendet zum Schutz ein Rollstuhlkissen.

Am besten funktioniert das, wenn das Rollstuhlkissen nicht verrutschen kann, indem man es am Körper festschnallt. Auf diese Idee kam auch Paraplegiker Thomas Maas, der ein Sitzkissen verwendet, das eigentlich für Rollstuhlsportarten gedacht ist, bei denen es wahrscheinlich ist, dass der Kontakt zum Sitz verloren geht, wie z. B. beim Kite-Surfen. Das Allrounder-Kissen (erhältlich z. B. hier Aktivitätskissen Vicair AllRounder O2 – Vicair) bringt seine Gurte zum Festschnallen an Bauch und Oberschenkeln standardmäßig mit.

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Zum Rollstuhl rutschen

Christian Hamböck, ebenfalls Paraplegiker, schwimmt gerne im Rhein. Hier gibt es mancherorts zwei Faktoren, die den Badespaß erschweren: Das Ufer ist abschüssig, weshalb der Rollstuhl nicht direkt am Wasser abgestellt werden kann. Und der natürliche Boden (Erde oder Sand) musste einer Befestigung (Steinplatten oder Asphalt) weichen.

Die Strecke, die Hamböck in der Badehose vom Ufer zum Rollstuhl zurücklegen muss, birgt ein erhöhtes Verletzungsrisiko für die Haut. Als Unterlage eine Matte oder ein Sitzkissen zu verwenden, bis der Transfer in den Rollstuhl möglich ist, verringert Scherkräfte und einen direkten Kontakt der verletzungsgefährdeten Haut mit dem harten, unebenen Boden.

Hamböck sagt: „Ein ausreichender Schutz unter dem Gesäß beim Sitzen oder Rutschen auf dem Boden ist immer ein wichtiger Faktor um Druckstellen und Verletzungen vorzubeugen. Ich war in diesem heißen Sommer über zehn Mal im Rhein schwimmen. In Basel gibt es auch einen Zugang zum Fluss über die Landestellen der Rheinfähren. Diese sind mit dem Rollstuhl gut erreichbar. Dabei habe ich immer eine Kautschuk-Matte (Airex). Auf diese lege ich auf dem Boden bei Steg-Ende und transferiere hinunter – und lass mich ins Wasser plumpsen. Die Matte dient mir dank dem Auftrieb als Schwimmhilfe. Damit vermeide ich das Risiko von Schürfungen oder eines Dekubitus und das mühsame Rutschen bis zum Wasser entfällt.“

*Name von der Redaktion geändert.


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