Bei Hitze: unter Umständen Anpassung der Medikamenten-Dosierung ratsam

Die heißen Tage häufen sich – und noch ist kein Ende des Sommers in Sicht. Was nur wenigen bewusst sein dürfte: Länger anhaltende hohe Temperaturen können Auswirkungen auf die optimale Dosierung von Medikamenten haben. Expertinnen und Experten raten dazu, während einer Hitzewelle unter Umständen die Dosis einiger Präparate anzupassen oder Maßnahmen zur Risikominimierung zu ergreifen. In der sogenannten „Heidelberger Hitze-Tabelle“ finden sich Medikamente, die auch viele Menschen mit Querschnittlähmung einnehmen.

Bei einer Hitzewelle kann es unter Umständen ratsam sein, die Dosierung von Medikamenten zu ändern – oder andere Gegenmaßnahmen gegen Hitze-Risiken zu ergreifen.

Die Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie des Universitätsklinikums Heidelberg hat die „Heidelberger Hitze-Tabelle“ zusammengestellt. Sie kann im Netz auf (externer Link) dosing.de eingesehen werden und ist ein Angebot dieser Uni-Abteilung für Fachleute aus dem Gesundheitswesen. (Wichtiger Hinweis: Die Übersichtstabelle zum „Medikamentenmanagement bei Hitzewellen“ ersetzt keine individuellen Therapieentscheidungen und darf nicht dazu genutzt werden, die Dosierung von Medikamenten eigenmächtig und ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu ändern).

In der Tabelle finden sich unter anderem Diuretika (fördern die Harnausscheidung) und Laxanzien (beeinflussen die Stuhlregulierung), bei denen Arzt und Patient zum Beispiel über eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und gegebenenfalls die Zufuhr von Elektrolyten sprechen sollten. Daneben werden unter anderem Opioide und urologische anticholinerge Spasmolytika als mögliche Kandidaten für ein Monitoring, eine Dosisanpassung oder einen Präparatwechsel genannt. Die komplette Tabelle kann (externer Link) hier eingesehen werden

Auf die Tabelle verweist die Ärztin Friederike von Gierke von der Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) in einem aktuellen Podcast (externer Link): Von Gierke: Arzneimittel und Hitze – bei Patienten besteht Aufklärungsbedarf (aerztezeitung.de). Von Gierke leitet bei KLUG das Projekt „Transformative Arztpraxen“ engagiert.

Im Podcast weist sie unter anderem darauf hin, dass Hitzestress und der Schutz vor Hitze ein Thema sind, mit dem vulnerable Gruppen immer häufiger konfrontiert sind. Zu diesen besonders gefährdeten Gruppen zählen neben Menschen mit Behinderungen unter anderem Ältere, Pflegebedürftige und Menschen mit chronischen Erkrankungen.

Ein „zentraler Punkt beim Hitzeschutz“ ist für sie die Aufklärung über einfache Maßnahmen zum Hitzeschutz. Als wichtige Säulen nennt sie:

KLUG


Die „Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit“ (KLUG) wurde 2017 als Netzwerk von Einzelpersonen, Organisationen und Verbänden aus dem gesamten Gesundheitsbereich gegründet. Ziel der Organisation ist es, die weitreichenden Folgen der Klima- und Umweltkrise auf die Gesundheit aufzuzeigen und nach Lösungen zu suchen.

KLUG wird von vielen medizinischen Fachgesellschaften, dem Deutschen Ärztetag, dem Deutschen Pflegetag sowie Forschungsinstituten und NGOs unterstützt.

Mehr zu den Zielen und Akteuren der Organisation auf deren Internetauftritt: KLUG | Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (klimawandel-gesundheit.de)

Wünschenswert wäre für die Expertin jedoch auch, dass die Patienten das Wissen um ihre Medikamentierung, beziehungsweise um damit verbundene Risiken ausbauen: „Wir erleben noch keine ausreichende Kompetenz von den Patient:innen selbst, zu sagen: Oh, ich nehme hier doch dieses Diuretikum, müsste das eigentlich angepasst werden, wenn ich so viel schwitze?“

Vor allem aber sieht sie Ärztinnen und Ärzte in der Verantwortung, Präparate aus kritischen Substanzgruppen (z.B. Diuretika, Sedativa, Opiate) anzupassen, wenn das Risiko besteht, dass diese während einer Hitzewelle in ihrer Wirksamkeit verändert sind.


Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte, Therapien oder Mittel stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und ersetzen in keinem Fall eine Beratung oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch medizinische Fachpersonen.

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Zum Thema Hitze: hitze.info

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