Aufsaugende Kontinenzhilfsmittel

Bei den Hilfsmitteln zur Kontinenz wird prinzipiell zwischen ableitenden und aufsaugenden (absorbierenden) Systemen unterschieden. Generell gilt, dass eine Inkontinenz immer urologisch im Falle einer Blaseninkontinenz oder proktologisch im Falle einer Darminkontinenz abgeklärt werden muss, da diese evtl. durch medikamentöse oder therapeutische Behandlung in den Griff zu bekommen sind.

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Während man bei den Babys noch von Windeln spricht, wird dieser Begriff bei Erwachsenen durch den Begriff der Einlagen oder Vorlagen ersetzt.

An aufsaugende Hilfsmittel werden folgende Anforderungen gestellt

  • Sicherheit – d.h. kein Auslaufen des Urins
  • Geruchsarmut , d.h. Gerüche werden absorbiert
  • Hautverträglichkeit
  • Geräuscharmut, d.h. Knistern unerwünscht
  • Gutes Handling für den Nutzer oder Fremdpersonen
  • Gute Passform
  • Unauffällige Entsorgungsmöglichkeiten
  • Preis – Leistungsverhältnis

Die aufsaugenden Inkontinenzhilfen sind in verschiedenen Saugstärken für die unterschiedlichen Inkontinenzgrade erhältlich. Zur Orientierung für den Nutzer, werden die Packungen mit einem Nummernsystem oder Tröpfchensymbolen versehen, die die Aufnahmefähigket des Produkts beschreibt. Allerdings variieren diese Angaben von Hersteller zu Hersteller.

Funktion der aufsaugenden Inkontinenzhilfen

Die Einlagen, Vorlagen, Inkontinenzslips oder -hosen haben immer ein zentrales Element, den Saugkörper oder -kern. Dieser besteht aus einem Gemisch aus Zellstoff und sogenanntem Superabsorber. Die Zellstofffasern verteilen die Flüssigkeit während der Superabsorber diese dann aufnimmt und bindet.

Formen der Inkontinenzhilfen

  • Einlagen für Frauen und Männer

Sind geeignet für leichte Inkontinenzformen. Bei Frauen werden diese meist wie eine Hygienebinde mit Klebeflächen im Slip befestigt. Inkontinenzeinlagen haben in der Regel einen stärkeren Saugkern als Hygienebinden, so dass mehr Flüssigkeit aufgenommen werden kann.

Für Männer gibt es anatomisch geformte „Tropfenfänger“ die über den Penis oder eventuell über den Penis und den Hoden gestülpt werden können. Zur Fixierung sind hier enge Slips von Vorteil.

  •  Vorlagen

Die Vorlagen eigenen sich für mittlere Inkontinenzformen in Form von Harn- als auch Stuhlinkontinenz. Sie sind größer als Einlagen und werden meist mit einer Netzhose oder einer engen Unterhose fixiert. Die Vorlagen sind herstellerabhängig unterschiedlich von Ihrer Größe, Dicke und auch die Sauffähigkeit variiert. Bei Querschnittgelähmten spielt die Dicke einer Vorlage im Hinblick auf Druckstellen eine Rolle und die Hautkontrolle muss intensiv durchgeführt werden.

  •  Inkontinenzslips

Bei den Inkontinenzslips handelt es sich um eine Mischung zwischen Einlagen und Vorlagen die mit Seitenteilen versehen ist und so wie eine Hose angezogen werden kann. Geeignet für leichte bis mittlere Inkontinenzformen. Die heutigen Inkontinenzslips sind aus modernen Materialien so dass die Luftdurchlässigkeit gewährleistet ist, die Passform optimal ist, oft mit elastischen Beinabschlüssen abgeschlossen, so dass ein hoher Tragekomfort gewährleistet werden kann. Neuere Produkte haben Nässeindikatoren, so dass von außen festgestellt werden kann, ob noch Saugkapazität vorhanden ist oder ob die Vorlage schon vollgesogen ist.

  •  Inkontinenzhosen (auch: Pants oder Pull-ons)

Auch diese eignen sich für leichte bis mittlere Inkontinenzformen. Die Akzeptanz von den Inkontinenzhosen ist meist besser, da diese der normalen Unterwäsche am meisten ähneln und aus textilähnlichen Materialen hergestellt werden. Es gibt sie in unterschiedlichen Größen und Saugstärken. Da die Pants keine Öffnungen an den Seiten haben sind sie für Querschnittgelähmte in der Anwendung sicherlich schwieriger, da sie wie normale Unterwäsche an und ausgezogen werden müssen.

 Körpernah – Körperfern

Neben den körpernahen Produkten Einlagen, Vorlagen Slips und Hosen, zählen auch körperferne Inkontinenzhilfen in die Rubrik der aufsaugenden Hilfsmittel. Die körperfernen Hilfsmittel, landläufig als Krankenunterlagen bezeichnet werden bei immobilen, bettlägerigen Menschen benutzt. Teilweise auch als zusätzlicher Schutz zu den körpernah getragenen Hilfsmittel. Die Krankenunterlagen gibt es in verschiedenen Größen und Stärken. Hier ist es für den Querschnittgelähmten auch wieder wichtig, dass die Unterlagen nicht zu dick sind und keine Zellstoffknötchen oder harten Kanten vorhanden sind, die Druckstellen verursachen können.

Einweg – Mehrweg

Im Rahmen der Diskussionen um Umweltschutz und Abfallberge haben diese Themen auch in die Kontinenzversorgung Eingang gefunden, so dass heute Einweg- und Mehrwegprodukte für Inkontinenzhilfen vorliegen. Die Mehrwegprodukte bestehen aus neuen Fasern wie Mikrofasern und sind teilweise mit Geruchsabsorbern oder auch mit Silber-Ionen versehen, die einen höheren Komfort und mehr Sicherheit im Hinblick auf Harnwegsinfekte bieten sollen.

 

Siehe auch: Analtampons bei neurogener Darmfunktionsstörung

Fragen & Kommentare

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  1. MA 14.06.2013, 13:21 Uhr

    Gibt es Erfahrungswerte von Anal-Tampons?

    • Veronika Geng 27.06.2013, 13:24 Uhr

      Guten Tag MA,
      Analtampons sind in unterschiedlicher Größe und Form erhältlich. Von den Materialen gibt es Schaumstoff und Wattevarianten. Bei Querschnittgelähmten muss darauf geachtet werden, dass diese Analtampons keine Druckstellen verursachen. Sie eignen sich bei Stuhlschmieren und leichter Stuhlinkontinenz. Bei größeren Stuhlmengen rutscht der Analtampon oft mit der Stuhlmasse heraus. Die Anwendung bei Querschnittgelähmten ist schwierig, wenn der Darmverschluss (Analsphinkter) nicht komplett schließt oder schlaff ist. In diesem Fall ist der Analtampon meist nicht geeignet, da er nicht im Enddarm hält, sondern schnell wieder raus rutscht, da keine Widerstand da ist. Prinzipiell gilt: ausprobieren – ob es funktioniert hängt von dem Sphinkterzustand, der Stuhlmenge und Konsistenz ab.
      Viele Grüße,
      Veronika Geng