Leben mit Querschnittlähmung: „Meiner Erfahrung nach, sind es oft die einfachen Dinge, die das Leben am meisten erleichtern.“

Frank Möller ist Flugzeugbauingenieur und Tüftler aus Leidenschaft. Für seine Ehefrau, die seit einem Unfall im Jahr 2021 querschnittgelähmt ist, hat er einige Hilfsmittel optimiert bzw. neu entwickelt, die ihren Alltag erleichtern und ihre Gesundheit erhalten sollen.

Eigentlich beschäftigt sich Frank Möller in seiner Freizeit mit innovativen Ideen für eine umweltverträgliche Mobilität in Leichtbauweise (www.woodbike.de). Doch seit seine Frau sich bei einem Motorradunfall 2021 eine Rückenmarksverletzung auf Höhe des dritten Brustwirbels zuzog, beschäftigt er sich – notgedrungen – mit der Optimierung von Hilfsmitteln für Menschen mit Querschnittlähmung.

Möller sagt: „Mit der Rehabilitation meiner Frau lief es von Anfang an leider nicht gut. In der Klinik herrschte, wie ja überall im Pflegebereich, ein verheerender Personalmangel und die Erstrehabilitation lief mehr schlecht als recht. Zusatzprogramme mit Ehrenamtlichen, die Frischverletzte unterstützen sollen, gab es gar nicht, weil wegen der Pandemie Kontakte beschränkt werden mussten.“

Und auch die Hilfsmittelversorgung empfindet Möller als „suboptimal“.  Er sagt z. B. über Rutschbretter: „Meine Frau kann auf einer Seite wegen einer Vorerkrankung die Schulter nicht richtig belasten und auf der anderen Seite hat sie wegen der ständigen Überreizung inzwischen so große Schmerzen, dass sie selbständig kaum mobil sein kann. Die Rutschbretter, die auf dem Markt zu finden sind und bei denen die Krankenkassen, die Kosten übernehmen, sind alle zu schwer, zu sperrig, zu dick…“

Da die handelsübliche Produkte nicht an die Anforderungen heranreichen, die Möller als Ingenieur an die Funktionalität von Hilfsmittel hat, erarbeitet er eigene Modelle. 

Der Nutzer rutscht auf dem Rutschtuch über das Rutschbrett. Dabei wird das Rutschtuch durch die Rutschbewegung des Nutzers zwischen Ober- und Unterplatte herausgezogen und dabei sehr exakt geführt. Das Rutschtuch wird weder eingeklemmt noch befindet es sich in der falschen Position.

Das Rutschbrett

„Ich habe ein Rutschbrett entwickelt, das man bei schwierigen Rutschverhältnissen, z.B. bei einem Transfer mit bloßer Haut vom Bett auf den Toilettenstuhl, verwenden kann. Natürlich hatten wir es zuerst auch mit einem Gleittuch versucht, doch es verklemmte sich ständig und nach dem Transfer hatte ich Schwierigkeiten es wieder zu entfernen. Unser neues Rutschbrett haben wir nun seit sechs Monaten im Einsatz und es erleichtert die Prozedur erheblich.

Ich könnte mir vorstellen, dass es sehr gut auch anderen Betroffenen helfen kann, in Situationen, in denen das Rutschen über das Brett durch eine wenig rutschgeeignete Kleidung, durch feuchte Kleidung oder das Rutschen mit bloßer Haut erschwert wird.“

Bei dem Rutschbrett lässt sich das Rutschtuch aus dem teilweise hohlem Rutschbrett herausziehen, so dass es immer die exakte Position zwischen Nutzer und Rutschbrett einnimmt. Für das Rutschtuch wird ein sehr gut gleitendes Stoffmaterial wie z.B. Nylonstoff verwendet. Die Oberfläche an der Oberseite des Rutschbrettes ist dabei sehr glatt ausgeführt. Die Unterseite des Rutschbrettes hingegen ist wenig rutschfähig, damit das Rutschbrett auf der Auflage wie Bett, Stuhl oder Duschrollstuhl nicht wegrutscht.

Der Heimtrainer

Geeignet für aktives und passives Training.

Bis auf die Schmerzen in der Schulter, die ihre Mobilität erheblich einschränken, blieben Frau Möller weitere Komplikationen, die mit einer Querschnittlähmung einher gehen können, bisher glücklicherweise erspart. Dekubitus, Ödeme oder Probleme mit dem Darmmanagement, z. B., kennt sie gar nicht. Möller führt das auf das konsequente Bewegungstraining zurück, das seine Frau täglich durchführt. Auch hier kommt sein eigenes Design zum Einsatz.

„Der Heimtrainer, den ich gebaut haben, hat drei Anwendungsmöglichkeiten. Er kann Arme und Beine mit Motorenunterstützung bewegen, oder nur die Beine mit Motorenunterstützung oder meine Frau macht den Motor aus und trainiert die Beine weiter passiv, aber aktiv die Armkraft. Außerdem muss sie nicht aufstehen, um den Hometrainer benutzen zu können. Ich stelle das Trainingsgerät einfach ans Fußende des Bettes und schon kann sie loslegen.“

Unterstützung auch für anderen Menschen mit Querschnittlähmung

Die Hilfsmittel, die Möller entwickelt hat, sind nicht im Handel erhältlich (obwohl der Entwickler für eine Kontaktaufnahme durch einen Industriepartner offen wäre). Trotzdem schließt Möller die Möglichkeit andere Menschen mit Querschnittlähmung durch seine Designs zu unterstützen nicht aus.

Die Stützblöcke erleichtern Transfers.

„Die Hilfsmittelversorgung ist während der Pandemie sicher nicht besser geworden. Der erste Rollstuhl hat gar nicht gepasst und war zu schwer – was zu den Schulterproblemen meiner Frau geführt hat. Auf den zweiten haben wir über drei Monate gewartet und die Mitarbeiter des Sanitätshauses konnten nicht mal die Bremse so einstellen, dass meine Frau auch rankommt. Ich musste das dann selber machen. Und ich kann das ja auch. Aber was machen Leute, die das technische Verständnis dazu nicht haben?

Außerdem habe ich den Rollstuhl mit Stützblöcken ausgestattet, damit meine Frau leichter übersetzen oder sich leichter zurücklehnen kann. Das war vorher nämlich nicht möglich. Im Sanitätshaus hatte man mir gesagt, da könne man nichts machen, das wäre halt so. Als Betroffener ist man da ganz schön alleine gelassen.“

Lesern, die Interesse an Möllers Entwicklungen haben, hilft er gerne weiter und bietet an einzelne Hilfsmittel in seiner eigenen Werkstatt herzustellen. Seine Kontaktdaten finden Rollstuhlfahrer, Angehörige und Hersteller hier.

Möller sagt: „Ich versuche meine Entwicklungen immer möglichst einfach und kostengünstig zu gestalten. Denn meiner Erfahrung nach, sind es oft die einfachen Dinge, die das Leben am meisten – mehr als irgendwelche sperrigen HighTech-Varianten – erleichtern.“


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