Leben mit Querschnittlähmung: Mehr Familienfrieden durch Katheter-Köcher

Christian wurde mit Spina bifida geboren. Bei einer Lähmungshöhe von S1/L5 ist er Fußgänger, doch das Blasenmanagement erfolgt über das mehrmals tägliche Verwenden von Kathetern. Kein Problem für den 11-jährigen Schüler aus Hessen. Wenn da nicht die Ordnung (oder der Mangel an Ordnung) im Badezimmer wäre…

Mütter und Söhne können recht unterschiedliche Ansichten über den Begriff Ordnung haben. Während die eine Gruppe (Söhne) findet „Sieht doch okay aus!“, wähnt sich die andere Gruppe (Mütter) meist im Zentrum eines Sturms, bei dem höhere Mächte (wieder die Söhne) das blanke Chaos entfesselt haben.  

„Nicht das ordentlichste Kind…“

Almut Fuchs sagt über ihren Spross: „Christian ist nicht das ordentlichste Kind. Seine Katheter und das Zubehör lagen immer kreuz und quer im Bad herum. Mal in dem einen Fach, mal im anderen. Wenn sie überhaupt den Weg in ein Fach fanden…“ Zunächst versuchte Fuchs Ordnung zu schaffen, indem sie ein Loch in die Katheterverpackung schnitt und diese an Wäscheklammern oder an S-Haken aufhängte. „Beides funktionierte nicht optimal. Die Wäscheklammern hielten das Gewicht nicht und mit den S-Haken bestand die Gefahr, dass das Loch in der Verpackung einriss.“

Prototyp aus Papier – Profivariante aus Stoff

Schließlich kam ihr die Idee zu einem Ordnungssystem, dessen Prototyp sie zunächst aus Papier bastelte, und den dann eine Kollegin mit einem Talent zu Schneidern in eine Textilversion umsetzte: In eine etwa 50 Zentimeter lange, durch Decovil verstärkte Stoffbahn werden drei Taschen eingenäht. In der längsten finden die Katheter Platz, in der mittleren Kompressen, und in der untersten, weitesten Tasche wird das Desinfektionsmittel untergebracht.

Diesen Katheter-Köcher kann man (natürlich in Rollstuhlfahrerhöhe) an Haken, Türen, Schränke, etc. hängen und alles was man für den intermittierenden Katheterismus braucht, ist immer am richtigen Platz.

Der Oberstoff ist ein waschbarer Baumwollstoff, die lange Bahn wird mit Vlieseline unterfüttert, damit der Köcher sich nicht leicht wellt oder einknickt, um Hygiene und Stabilität zu gewährleisten. Ein Monogramm auf der Kompressen-Tasche kann den Köcher personalisieren.

Effekt auf den Familienfrieden ist enorm

„Ich kann das Bad betreten, ohne Schnappatmung bekommen zu müssen“, sagt Fuchs glücklich. „Die Harmonie in der Familie ist gesichert und Christian und ich sind beide viel entspannter. Ich, weil ich mich nicht mehr aufregen muss, und er, weil er plötzlich immer alles findet, was er sucht. Weil es nämlich immer am selben Platz ist.“

Auch für die Situation auf Reisen sieht Fuchs in ihrem System große Vorteile. „Wenn man in einem Hotelzimmer ankommt, hat man alles, was man zum Katheterisieren braucht, sofort ausgepackt. Und man kann es im Bad an die Stelle hängen, wo es auch zu Hause hängt. Damit spart man sich großartiges Suchen in einer neuen Umgebung.“

Zuhause in Wiesbaden verwendet Familie Fuchs zwei der Ordnungssysteme; eines in jedem Bad. Und für den Urlaub gibt es ein drittes, das immer reisefertig gepackt ist. Für mehr Ordnung, für ein heimeligeres Badezimmer und für deutlich mehr Familienfrieden.



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