Die S2k-Leitlinie „Atmung, Atemunterstützung und Beatmung bei akuter und chronischer Querschnittlähmung“

Die Leitlinie „Atmung, Atemunterstützung und Beatmung bei akuter und chronischer Querschnittlähmung“ dient in erster Linie Menschen mit Querschnittlähmung und Beatmung. Sie dient der optimalen Behandlung dieser Menschen und damit auch der optimalen Gestaltung ihres Lebens.

Zudem dient sie den Menschen, von denen sie im Alltag unterstützt, begleitet und gepflegt werden. Zusätzlich dient sie der Wissenschaft und der Politik, die sich hiermit einen Überblick verschaffen können über die Sorgen und Probleme dieser Menschen und über die Lösungen, die sie ihnen anbieten können.

Inhalte

Der Beginn der Leitlinie geht auf den Zusammenhang von Querschnittlähmung und Atmung ein. Er beschreibt, wie und warum jede Lähmung Einfluss auf die Atmung nimmt und welche Lähmungshöhe sich mit welchen Folgen in Bezug auf die Atmung äußern kann.

In der Folge geht es um Husten- und Sekretmanagement, also ganz banal darum, wie man den „Dreck“ aus seiner Lunge bekommt, wenn man sich nur eingeschränkt bewegen kann und die natürlichen Reinigungsmechanismen nicht funktionieren. Es werden auch die besonderen Aspekte bei tracheotomierten und invasiv beatmeten Menschen beleuchtet. Ein anschauliches Flussdiagramm fasst dieses Kapitel prägnant zusammen und es wird auf die Wichtigkeit der Atelektasenprophylaxe, also der Vorbeugung des Sekretverhalts und der Verklebung der Lunge, hingewiesen.

Wer schon einmal mit einer dicken Erkältung, verstopfter Nase und dösigem Kopf mehrere Nächte schlaflos verbracht hat, der weiß, wie eng Atmung, Schlaf und Lebensqualität miteinander verbunden sind. Folgerichtig geht es im nächsten Abschnitt um den Schlaf beziehungsweise die Schlafqualität unter Beatmung.

Das zweite Kapitel ist den Menschen gewidmet, die aufgrund der Querschnittlähmung überhaupt nicht mehr selbstständig atmen können. Es geht um die Tracheotomie, also den Luftröhrenschnitt, die Trachealkanüle und eine eventuelle Dekanülierung. Es folgen Empfehlungen zur Einstellung einer invasiven Beatmung und zu den Möglichkeiten unter Beatmung zu sprechen und zu kommunizieren. Es geht um das erhöhte Infektrisiko und um das Weaning, also die Entwöhnung vom Atemgerät in all ihren praktischen Details.

Die Elektrostimulation des Zwerchfells findet ebenfalls ein eigenes Kapitel. Die verschiedenen Varianten, die indirekte und die direkte Stimulation, werden beschrieben.

Es folgt die NIV-Beatmung, also die nicht-invasive Beatmung über eine Maske. Sie ist eine häufig angewendete Form der Beatmung, die die Komplikationen eines Luftröhrenschnitts vermeidet. Es wird ihre Anwendung in Akutsituationen beschrieben sowie in der chronischen Situation einer Querschnittlähmung. Auch hier werden die Schwierigkeiten erläutert und die Einstellungsmöglichkeiten des Beatmungsgerätes dargestellt.

Das sechste Kapitel befasst sich mit der Überleitung, also mit der Entlassung von hochgelähmten Menschen mit Beatmung in eine Folgeversorgung. Diese Versorgung kann zu Hause oder auch in einer Wohngemeinschaft, in einer spezialisierten Einrichtung oder anderen alternativen Wohnformen sein. Die verschiedenen Möglichkeiten der pflegerischen Versorgung, der technischen Ausstattung und der prophylaktischen Schulungen werden beleuchtet.

Im siebten Kapitel geht es um die lebenslängliche Vor- und Nachsorge. Wie kann Infekten vorgebeugt werden, was sind die Langzeitkomplikationen und wie sieht es mit dem Älterwerden aus?

Einer der allerwichtigsten Hinweise findet sich ganz am Schluss. Es ist die Empfehlung Nummer elf und sie soll daher hier noch einmal vollständig wiedergegeben werden: „Vorsorge und Nachsorge sollen in einem Querschnittgelähmtenzentrum erfolgen.“ Eine Empfehlung, die Hoffnung und Forderung zugleich ist.

Autoren

Leitlinien werden von Experten der einzelnen Fachbereiche erstellt, immer wieder aktualisiert und mit anderen Leitlinien zusammengeführt. Es wird die aktuelle Literatur mit eingearbeitet und es werden neuste Forschungsergebnisse berücksichtigt.

Der Arbeitskreis „BeAtmung“ der „Deutschsprachigen Medizinischen Gesellschaft für Paraplegiologie“ e.V. (DMGP) arbeitet seit 2014 unter Leitung von Dr. Franz Michel (Basel) in verschiedenen Untergremien an der vorliegenden Leitlinie, die im Januar 2022 nun auch von den anderen beteiligten Fachgesellschaften diskutiert und verabschiedet wurde.

Zur Publikation S2k-Leitlinie „Atmung, Atemunterstützung und Beatmung bei akuter und chronischer Querschnittlähmung“ geht es hier: AWMF Leitlinienregister


Der Text von Maria-Cristina Hallwachs und Dr. Franz Michel wurde in Ausgabe 3/2022 der Zeitschrift „Der Paraplegiker“ erstveröffentlicht. Die Redaktion von Der-Querschnitt.de bedankt sich herzlich für die Zustimmung zur Zweitveröffentlichung.