Rollstuhlbestandteile und Zubehör

Der Rollstuhl garantiert Unabhängigkeit und Mobilität und ist somit eines der wichtigsten Hilfsmittel für Querschnittgelähmte. Um ihn optimal nutzen zu können, ist es notwendig diesen ständigen Begleiter in all seinen Facetten und Erscheinungsformen genauestens kennenzulernen.

Faltrollstuhl „Avantgarde CLT“ mit Beschriftung © by Otto Bock HC, Mit freundlicher Genehmigung von V. Meysing, 2013

 

Antriebsräder

Die Antriebsräder sind zwischen 20 und 26 Zoll groß und mit Greifreifen versehen.

Ankipphilfe

Bei Personen, die im Rollstuhl geschoben werden, erleichtert die Ankipphilfe der Begleitperson das Kippen des Rollstuhls mittels Fußbetätigung.

Armlehne – Armauflage

Je nach Lähmungshöhe ist der Rollstuhl mit einer Armlehne oder Armauflage versehen. Diese Armauflagen können abnehmbar, schwenkbar und/oder höhenverstellbar sein.

Bremsen

Bei den Bremsen für Rollstühle gibt es

  • Kniehebelbremsen (Druckbremse)
  • Nabenbremsen
  • Trommelbremsen

Fußstützen

Diese gibt es höhenverstellbar, teilbar, als durchgehendes Brett, mit Vorrichtung zur Fixierung der Beine. Die Länge der Fußstützen beeinflusst den Wendekreis.

Greifreifen /Greifringe

Greifringe gibt es in verschiedenen Materialien und Ausführungen

  • Aluminium
  • Edelstahl
  • Titan
  • Greifringe mit Kunststoffummantelung für spezielle Anforderungen (z. B. Grip, Super-Grip, Para-Grip, Tetra-Grip)

Starrrahmenrollstuhl „Blizzard“ mit Beschriftung © by Otto Bock HC, Mit freundlicher Genehmigung von V. Meysing, 2013

Kleiderschutz

Fest montiert oder abnehmbar. Teilweise in Kombination mit einem kleinen Gleitschutz. Dieser dient dem Schutz der Kleidung vor Schmutz, aber auch als Sicherheit, dass die Kleidung nicht in die Speichen kommt.

Kipprollen (auch Stützrollen)

Diese verhindern bei mobilen Patienten das Überkippen des Rollstuhls nach hinten.

Lenkräder

Lenkräder werden in unterschiedlichen Größen (Angaben in Zoll), Materialien (Gummi, Kunststoff) und Härten angeboten. Leuchtende Lenkräder sind ebenfalls erhältlich. Die Härte der Räder bestimmt die Stoßdämpfung. Siehe: Standard bis Disco – Lenkrollen am Rollstuhl

Rückenlehne

Die Höhe der Rückenlehne richtet sich nach der Stabilität bzw. Instabilität des Menschen, der im Rollstuhl sitzt. So benötigt ein Tetraplegiker oder hoch gelähmter Paraplegiker eine andere Höhe der Rückenlehne als ein tiefer Paraplegiker. Die Rumpfstabilität, die Bauchmuskulatur und die Sitzposition spielen für die Entscheidung, welche Rückenlehne geeignet ist, eine große Rolle. Natürlich resultiert aus der Rückenlehne auch die Oberkörperbeweglichkeit – bzw. Freiheit. Wichtig ist auch, dass bei hoch Gelähmten beachtet wird, dass an den Schulterblättern keine Druckstellen entstehen.

Folgende Varianten sind möglich:

  • Ein– oder zweiteilige Rückenplatte
  • Im Sitzwinkel einstellbar
  • Rücken variabel mit Gurtsystem einstellbar
  • Unterschiedliche Polsterungen

Rollstuhltische

Rollstuhltische oder auch Therapietische können aus verschiedenen Materialien bestehen: wie Holz, Acryl oder Plexiglas. Sie werden auf die Armlehnenpolster der Seitenteile aufgeschoben. Auf der zum Körper hingewandten Seite sind sie halbrund ausgeschnitten.

Schiebegriffe

Die Schiebegriffe ermöglichen Fremdpersonen, den Rollstuhl zu schieben. Die Griffe sind starr oder klappbar erhältlich. Je nach Höhe der Rückenlehne fehlen diese Griffe. Dann kann es sein, dass eine Halterung an der Rückenlehne vorhanden ist, die zum Beispiel einen Treppentransfer ermöglicht.

Seitenteil

siehe: Kleiderschutz

Sitzschale

Aus festen Materialen individuell oder modular geformte Sitzeinheit.

Speichenschutz

Der Speichenschutz ist eine – oft kunstvoll – designte Kunststoffplatte, welche die Speichen – und somit natürlich auch die Finger schützt.

Wadenband

Das Wadenband verhindert, dass die Füße, z.B. bei Spastik vom Fußbrett rutschen.

Spezielles Zubehör

Transitrollen

Wenn ein Rollstuhl sehr schmale Durchgänge passieren soll, bei denen ein „normales“ Fahren mit dem Rollstuhl nicht möglich ist, bieten sich Transitrollen an (z.B. im Zug oder Flugzeug). Das heißt die Antriebsräder werden abgenommen und die Transitrollen angebracht. Die Fortbewegung durch den Engpass funktioniert dann entweder durch Fremdpersonen oder durch das Abstoßen an Gegenständen.

Vorspannräder

Vorspannräder heben und ersetzen die Lenkräder und erleichtern das Fahren auf unebenen Böden. Siehe: Das Vorspannrad – Das fünfte Rad am Rollstuhl

Zusatzantriebe – Elektronisch

Ein Zusatzantrieb erhöht die Mobilität für mechanische Rollstühle, sodass beispielsweise Steigungen mit geringem Kraftaufwand problemlos bewältigt werden können. In den Radnaben der Antriebsräder befindet sich ein Motor. Der Rollstuhl wird wie der klassisch manuelle Rollstuhl über die Greifreifen bewegt. Sensible Sensoren melden die Kraft und geben die Messungen an die Elektronik weiter, welche den Antriebsmotor dann entsprechend ansteuert. D. h. der Motor verstärkt die vorhandenen Restkräfte des Nutzers sowohl beim Fahren als auch beim Bremsen.

Fragen & Kommentare

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  1. E. Lautenschläger 15.01.2014, 19:21 Uhr

    Hallo,
    auch wenn jedem klar sein dürfte, daß es sich hier um eine sehr allgemeine Beschreibung von Rollstühlen handelt, möchte ich doch, was die Zubehörteile, speziell die Antriebshilfen, betrifft, eine Ergänzung anbringen: Die hier beschriebenen Teile würde ich persönlich Leuten empfehlen, für die auch im Haus die Benutzung eines rein manuellen Rollstuhls zu anstrengend ist, die jedoch mit so einem ‚Servo‘-Antrieb noch gut zurechtkommen und sich so noch etwas Bewegung verschaffen können.. .
    Bei den Leute, die nur draußen, auf längeren, steilen oder vom Untergrund her schwierigen Strecken ihre Schwierigkeiten haben, würde ich immer einem Zuggerät gegenüber diesen Radnabenantrieben den Vorzug geben.
    Ich selbst fahre seit 7 Jahren einen Swisstrac, der mir eine Freiheit gegeben hat, die mit den Radnabenunterstützungssystemen absolut utopisch wäre. Um Bordsteinkanten, Kopfsteinpflaster, Feldwege, lange Steigungen mache ich mir seitdem keine großen Gedanken mehr. Die kleinen Vorderräder vom Rollstuhl sind in der Luft, was den Fahrkomfort auf schlechtem Untergrund massiv verbessert. Ich nehme an ganz normale Fußgängerwandertagen im Odenwald teil, war schon auf Almen. Letztes Jahr habe ich allein und mit einem anderen Swisstracer mehrere Wanderungen von je rund 30 Kilometer, großteils auf Naturwegen mit auf und ab, gemacht. Und bin ich am Ziel, dann koppele ich in Sekunden ab und habe meinen normalen, leichten Rollstuhl, mit dem man mich auch mal paar Stufen hochziehen kann.
    Ich finde, wenn man schon Zusatzantriebe erwähnt, dann sollte auch auf solche Dinge hingewiesen werden, denn so oft wie ich angesprochen werde, scheinen erstaunlicherweise viele diese Möglichkeit nicht zu kennen.

    Mit freundlichen Grüßen

    E. Lautenschläger

    • Nikola Hahn 21.01.2014, 09:21 Uhr

      Guten Tag E. Lautenschläger,
      vielen Dank für Ihren Kommentar und den durchaus wichtigen Hinweis auf den Mehrwert von Zuggeräten für Rollis. Wir nehmen die Anregung sehr gern auf und widmen uns dem Thema in einem separaten Beitrag: Mobil mit Speedy, Swiss-Trac und Co.
      Viele Grüße
      Die Redaktion