Sir Ludwig Guttmann: Vater der Querschnittgelähmten

Vater der Querschnittgelähmten – so wird Ludwig Guttmann in der Querschnittszene genannt und in Großbritannien gibt es die Poppa Guttmann Foundation (Papa Guttmann Stiftung). Doch wer war Ludwig Guttmann?

Guttmann und Paralympics inTelAviv_1968, Bild der Manfred-Sauer-Stiftung

Am 3. Januar 1899 in Oberschlesien geboren, machte er schon früh mit Querschnittgelähmten Bekanntschaft. Allerdings auf eine unangenehme Art. Er war Voluntär in einem Krankenhaus in Königshütte, das geprägt war vom Kohlebau. So wurde ein Minenarbeiter mit einer Rückenverletzung eingeliefert und als Guttmann Notizen zu dem Patienten anfertigen wollte, wurde ihm gesagt: Nicht um den Verletzten kümmern, der wird in wenigen Wochen sterben. Fünf Wochen später war der junge Kohlearbeiter verstorben – an Nierenversagen und Wundfieber. Dieses Erlebnis vergaß Guttmann sein ganzes Leben lang nicht.

Ein Einblick in die markanten Lebensabschnitte von Sir Ludwig Guttmann

  • 1899 in Tobst/Oberschlesien geboren
  • 1919-1924 studierte Guttmann Medizin an der Universität Freiburg
  • 1924 kehrte er aus finanziellen Gründen nach Breslau zurück
  • 1925 als Doktor der Medizin abgeschlossen
  • 1927 heiratete er Else Samuel
  • 1928 ging er nach Hamburg und arbeitete dort als Neurochirurg, er wurde Assistent von Otfried Foerster, seinem großen Lehrmeister.
  • 1929 kehrte er als Chefarzt zurück nach Breslau und erhielt 1930 seinen Professor Titel. 1929 wurde Sohn Dennis und 1933 Tochter Eva geboren
  • 1933 nachdem den Jüdischen Medizinern nur noch erlaubt war jüdische Menschen zu behandeln, wechselte Guttmann ans Jüdische Krankenhaus in Breslau. Schon zu diesem Zeitpunkt war Guttmann bekannt für die Behandlung Rückenmarksverletzter.
  • 1934 wurde er Vorsitzender der Jüdischen medizinischen Gesellschaft, die neu gegründet wurde.
  • 1938 nachdem viele Juden in Konzentrationslager gebracht wurden, hatte er erkannt, dass er Deutschland verlassen musste.
  • 1939 gelang ihm nach einer Kontaktaufnahme zu der „Society of Protection and Learning“ die Ausreise nach Großbritannien mit Frau und Kindern ohne einen Pfennig Geld in der Tasche. Die Society ermöglichte Mediziner aus dem Deutschen Reich auszureisen. Er arbeitete dann mit Hilfe der Schutzorganisation als Neurochirurg in Oxford.
  • Die Todesrate Querschnittgelähmter während des Weltkriegs lag bei ca. 80%. Die wenig Querschnittgelähmten, die überlebten, waren als hoffnungslose „Krüppel“ arbeitsunfähig und ungewollt sowie zu einem Leben in Einrichtungen verurteilt, wo keine Hoffnung für ein lebenswertes Leben Bestand. Die Lebenserwartung nach Eintritt einer Querschnittlähmung betrug damals ca. drei Monate.
  • 1943 veröffentlichte Guttmann eine Übersichtsarbeit in der er präsentierte wie eine Behandlung Querschnittgelähmter aussehen und wie diese rehabilitiert werden müssten. Daraufhin wurde Guttmann angefragt, ob er ein Zentrum zur Behandlung Querschnittgelähmter aufbauen möchte. Er akzeptierte diese Anfrage unter der Bedingung, die Behandlung und Rehabilitation nach seinen Prinzipien durchführen zu können.
  • So entstand das 1944 die erste Abteilung für Rückenmarksverletzte in Stoke Mandeville.
  • 1948 wurden die ersten „Stoke Mandeville Games“ für Querschnittgelähmte durchgeführt. Die Vorläufer der Paralympics.
  • 1951 wurde die Abteilung in Stoke Mandeville in Nationales Zentrum für Querschnittgelähmte umbenannt.
  • 1952 wurden die ersten internationalen Stoke Mandeville Games für Querschnittgelähmte mit niederländischer Beteiligung durchgeführt.
  • 1960 fanden die Stoke Mandeville Games im Ausland statt. In Rom tragen sich im Olymiastadium 400 Teilnehmer aus 23 Nationen. Die Paralympischen Spiele waren geboren. Gleichzeitig wurde die Britische Vereinigung für Behindertensport von Guttmann gegründet.
  • 1961 gründete Guttmann die internationale Fachgesellschaft für Querschnittgelähmte (International Medical Society of paraplegia = IMSOP) die heute als International Spinal Cord Society (ISCOS) geführt wird.
  • 1966 wurde er von Queen Elisabeth zum Ritter geadelt.
  • 1976 wurde Guttmann in Royal Society aufgenommen.
  • 1967 zog er sich aus dem Nationalen Querschnittzentrum zurück und ging in Pension. Stoke Mandeville hatte zu diesem Zeitpunkt 200 Patientenbetten.
  • 1980 verstarb Sir Ludwig Guttmann im Alter von 80 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts.

Sir Ludwig Guttmann ist weit über die Grenzen hinweg bekannt als Pionier der ganzheitlichen Rehabilitation Querschnittgelähmter. So wurden weltweit 40 Einrichtungen für Querschnittgelähmte nach dem Prinzip von Stoke Mandeville, eröffnet.

Guttmann Krikett und Bogenschießen, Bild der Manfred-Sauer-StiftungVor allem auf körperliche Aktivitäten legte Guttmann während des Rehabilitationsaufenthalts großen Wert. Muskelaufbau diente für Rollstuhlfahrer nicht nur der körperlichen Situation sondern auch dem psychischen Zustand. Und so wurde der Sport oder wie es früher hieß die körperliche Ertüchtigung in die Rehabilitation mit eingebunden. Auch mit dem Hintergedanken, Folgeerkrankungen zu vermeiden. Der Spirit von Stoke Mandeville lebt in vielen Einrichtungen für Querschnittgelähmte weiter.

In Heidelberg wurde die erste Querschnitteinrichtung 1966 eröffnet unter dem Namen Ludwig Guttmann Heim. In Barcelona steht das Guttmann Zentrum. In Karlsbad-Langensteinbach ist die Straße nach Ludwig Guttmann benannt und weltweit findet man den Namen Ludwig Guttmann in Verbindung zu Einrichtungen für Querschnittgelähmte oder in Verbindung zum Behinderten Sport. So heißt die Sporthalle der Manfred-Sauer-Stiftung in Lobbach – Ludwig Guttmann Halle. Da Manfred Sauer, der Stifter der Manfred-Sauer-Stiftung nach einem Kopfsprung in die Themse in Stoke Mandeville bei Sir Ludwig Guttman rehabilitiert wurde und er diesem Arzt viel verdankt. Siehe: Manfred Sauer über Stoke Mandeville

Für eine filmische Kurzbiographie siehe:

 

 

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