Logopädie – Sich mitteilen können

Bei Menschen mit Querschnittlähmung, vor allem wenn die Läsion im Halswirbelbereich vorliegt, können Stimme und Schluckfunktion beeinträchtigt sein. Beides beschneidet wichtige alltägliche Aspekte. Während eine gestörte Schluckfunktion eine Einschränkung der Nahrungsaufnahme bedeutet und zu einer Unterernährung führen kann, kann mit einer Beeinträchtigung von Stimme, Sprach-und Sprechvermögen die Fähigkeit sich über die Sprache mitzuteilen ganz oder teilweise verloren gehen. Die Maßnahmen der Logopädie können hier helfen.

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Laut Definition des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie, „untersuchen und behandeln Logopäden/Logopädinnen Menschen jeden Alters mit Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen, die organisch oder funktionell verursacht werden. Das Arbeitsgebiet der Logopädie umfasst vier zentrale Störungsbereiche, Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen, wobei die Störungen auch in Kombination (komplexe Störungen) auftreten können.“

Nicht oder nur eingeschränkt sprechen zu können, stellt eine große Belastung für den Betroffenen und seine Angehörigen dar, da die Kommunikationsfähigkeit elementar für die Selbst- und Fremdwahrnehmung ist. Eine wichtige Rolle während der Behandlung kommt daher der Aufklärung zu. Betroffene und Angehörige müssen darüber informiert sein, dass ein beeinträchtigtes Ausdrucksvermögen nicht gleichbedeutend mit geistigen Einschränkungen ist, dass die Beeinträchtigungen vorübergehend sein bzw. behoben werden können.

Ursachen und Erscheinungsformen

Zu Störungen von verbaler Kommunikation und Schluckvorgang kann es kommen, wenn zusätzlich zu der Rückenmarksverletzung

  • Störungen in den zuständigen Zentren im Gehirn oder Nervenbahnen vorliegen
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Multiples Sklerose
  • Als Begleiterscheinungen bei

Die Störungen können mehr oder weniger stark ausgeprägt sein. Die wichtigsten Formen sind:

  • Dysphonie
    Funktionellen Sprechstörungen von Kehlkopf und/oder Ansatzrohr, die die Phonation beeinträchtigen.
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  • Aphasie
    Wenn zusätzlich zu der Querschnittlähmung ein Schädel-Hirn-Trauma vorliegt, kann es zu einer Aphasie kommen. Bei dieser Sprachstörung ist u.a. das Sprachverständnis von gesprochener und geschriebener Sprache beeinträchtigt, wodurch Betroffene ihre Gedanken nur schwer (oder gar nicht) in Worte fassen können.
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  • Sprechapraxie
    Die Sprechapraxie ist eine – oft mit einer Aphasie einhergehende – Sprechstörung, bei der die zum Sprechen notwendigen Bewegungsabläufe nicht ausgeführt werden können.
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  • Dysarthrie bzw. Anarthrie
    Auch die Dysarthrie ist eine Sprechstörung, die bei Verletzungen wie Schädel-Hirn-Traumata oder Krankheiten wie Multiples Sklerose auftreten kann. Die Steuerung bzw. die Ausführung der Sprechbewegungen sind eingeschränkt, wodurch die Artikulation von Lauten verformt bis unverständlich klingen oder gar nicht mehr möglich sein kann. Bei der Dysarthrie sind die am Sprechvorgang beteiligten Muskeln und Organe als solche intakt, ebenso wie das sprachliche Wissen. Gestört ist die motorische Innervation der Sprechmuskulatur und damit die Funktionen von Artikulationsorganen (Lippen, Zunge, Kiefer, Gaumensegel), Atmung und Kehlkopf. Die Anarthrie ist die Form der Dysarthrie, bei der keinerlei Sprechbewegungen mehr möglich sind.
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  • Dysphagie bzw. Odynophagie
    Die Dysphagie ist eine Schluckstörung, bei der die am Schluckvorgang beteiligten Organe bzw. Gewebe in ihrer Funktion und/oder Zusammenarbeit beeinträchtigt sind. Sie tritt bei Läsionen im Halswirbelbereich auf, kann aber auch eine Begleiterscheinung von Multiples Sklerose sein. Wenn die Dysphagie mit Schmerzen verbunden ist, spricht man von einer Odynophagie.

Maßnahmen

  • Stimmrehabilitation
    • Atem-und Stimmtraining
    • Zusammenarbeit mit den Physiotherapeuten (z.B. Dehnatmung mit Phonation)
    • Auswahl einer geeigneten Trachealkanüle bei tracheotomierten Patienten
    • Behandlung von Stimmlippenlähmungen in Zusammenarbeit mit dem Phoniater, v. a. wenn operative Maßnahmen erforderlich sind.
  • Schluckrehabilitation
  • Trachealkanülenmanagement
    Aus verschiedenen Gründen, u.a. bei stark ausgeprägter respiratorischer Insuffizienz oder dem Ansammeln von Sekret in der Lunge, kann der Einsatz von Luftröhrenschnitt und Trachealkanüle (Luftröhrenkanüle) notwendig sein. Es gibt verschiedene Ausführungen, die sich unterschiedlich auf das Schluck- und Sprechvermögen auswirken. Über geblockte Trachealkanülen etwa, ist das stimmhafte Sprechen nicht möglich. Es gibt Schluck- und Atemtechniken, die erlernt und trainiert werden können, um die Trachealkanüle überflüssig zu machen.

Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Logopäden, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Ärzten, Pflegenden und Angehörigen können die Stimmfunktion wiedererlangt und die Sprach- und Sprechfunktionen verbessert werden. Das Schlucktraining sollte langfristig eine normale (orale) Nahrungsaufnahme ermöglichen.

Siehe auch: Stimme und Querschnittlähmung

 

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