Assistenzhunde

Dass Hunde nicht nur blinden Personen im Alltag helfen können, sondern auch Menschen mit motorischen Einschränkungen zur Seite stehen, ist ein in Deutschland noch relativ junges und daher weniger bekanntes Konzept. Dabei ist der Begleiter auf vier Pfoten meist weit mehr als eine tatkräftige Hilfe im täglichen Leben.

shutterstock_73976332 Elisabeth Hammerschmid

Ein Assistenzhund kann Gegenstände auf Zuruf bringen, er öffnet Türen und Schubladen, betätigt Lichtschalter, kann beim Ausziehen helfen, holt in bedrohlichen Situationen Hilfe und erledigt den Haushalt – nein, nicht komplett, aber das Einräumen der Waschmaschine beispielsweise kann durchaus in sein Repertoire fallen. Damit ermöglicht er Menschen mit Handicap ein selbstständigeres Leben und mehr Unabhängigkeit von der Hilfe durch Dritte.

Man unterscheidet bei Assistenzhunden bzw. Rehabilitationshunden:

  • Blindenführhunde für sehbehinderte und blinde Menschen leiten etwa durch den Verkehr und zeigen wichtige Orientierungspunkte oder mögliche Hindernisse an.
  • Behinderten-Begleithunde (auch „Servicehunde“) für Menschen mit motorischen Behinderungen übernehmen motorische Tätigkeiten.
  • Signalhunde für gehörlose Menschen können Geräusche im Haushalt anzeigen und zur Geräuschquelle hinleiten.
  • Signalhunde für Menschen mit Diabetes machen auf Über- oder Unterzuckerung aufmerksam, während andere auf die Erkennung von epileptischen Anfällen trainiert sind und bereits vorab davor warnen sollen.
  • Kombinationshunde bringen die Fertigkeiten von Signalhunden und Blindenführhunden kombiniert mit.

Für die Ausbildung eines Assistenzhundes gibt es keine einheitlichen Standards, aber er muss nachweislich für seine Aufgabe als Helfer von Menschen mit Handicap ausgesucht und geschult worden sein. Die meisten Ausbildungen schließen mit einer Prüfung ab, in der sowohl der Hund als auch der neue Halter belegen müssen, dass sie als Team funktionieren. Der Hund darf seinen Halter nicht gefährden und weder ihm noch anderen Menschen oder Hunden gegenüber aggressives Verhalten zeigen. Er darf sich im Einsatz nicht ablenken lassen, auch nicht unter erschwerten Bedingungen wie etwa in einer belebten Innenstadt mit vielen Menschen und anderen Hunden. Damit Halter und Hund zusammenwachsen, muss natürlich auch der Mensch einiges dazulernen: Er muss seinen Assistenzhund sicher führen, dessen Bedürfnisse und erkennen und sie erfüllen können und braucht dazu gute Kenntnisse über die Pflege, Gesundheit und Versorgung von Hunden. In der abschließenden Prüfung muss er muss er zeigen, dass er seinen Hund an jedem Ort unter Kontrolle hat.

Ein Helfer, aber kein Hilfsmittel

Behinderten-Begleithunde sind, im Gegensatz zum Blindenführhund, kein anerkanntes „Hilfsmittel“. Die hohen Kosten für die Anschaffung werden bislang nicht von der Krankenversicherung übernommen, weil Servicehunde nicht im gleichen Maß wie Blindenhunde ein bestimmtes Sinnesorgan kompensierten, heißt es. Während einige Vereine weitgehend ausgebildete Assistenzhunde vermitteln, arbeiten andere nach dem Konzept, den neuen Besitzer früh in die Ausbildung mit einzubeziehen, was u. a. die Kosten senkt. Abhängig von solchen Unterschieden können die Aufwendungen für einen Servicehund recht unterschiedlich ausfallen. Häufig arbeiten die Vereine selbst mit Sponsoren, organisieren Wohltätigkeitsveranstaltungen o. ä. und klein shutterstock_25994161Urheberrecht Micimakin AssiHundbringen so einen Teil der benötigten Mittel selbst auf.

Der Hund als soziales Bindeglied

Wer mit Querschnittlähmung gewillt und in der Lage ist, sein Leben um einen solchen tierischen Begleiter zu bereichern, bekommt nicht nur ein sehr lebendiges Hilfsmittel, das schwanzwedelnd und behutsam heruntergefallende Sachen aufhebt, sondern meist auch eine Art Partner: „Die Bindung zwischen Mensch und Hund ist eine ganz enge, positive und vertrauensvolle, weil hier ein Team besteht, das aufeinander angewiesen ist“, erklärt die Hundetrainerin Tanja Kreidler, Gründerin des Vereins Vita – Assistenzhunde e.V., auf der Vereinshomepage. Dass es Menschen mit Handicap dank ihres Assistenzhundes viel leichter fällt, Kontakte zu knüpfen, davon sind sie und ihr Team überzeugt: „Rollstuhlfahrern gibt er Sicherheit, während er ‚Fußgängern‘ hilft, ihre Hemmschwelle Menschen mit körperlicher Behinderung gegenüber zu überwinden und auf sie zuzugehen.“

Freundlich und gelassen

Wie viele andere Organisationen, die sich weltweit auf die Ausbildung von Servicehunden spezialisiert haben, arbeitet auch Vita mit Golden Retrievern bzw. Labrador Retrievern. Die freundlichen Vierbeiner haben in der Regel ein ausgeglichenes Temperament und passen sich sanftmütig und gelassen an die gegebenen Bedingungen an. Experten sprechen vom „will-to-please“, dem Wunsch des Hundes, seinem Menschen zu gefallen. „Ihren Anlagen entsprechend ist es für die Hunde ein lebenslanges Spiel, Aufgaben für ihren Menschen zu erledigen“, sagt Kreidler. Unverzichtbar sei aber zugleich die Wertschätzung des Menschen für seinen Hund als eigenständiges Wesen mit dem Recht auf ein artgerechtes Hundeleben, in dem Bedürfnisse wie Laufen, Spielen und Schwimmen selbstverständlich ausgelebt werden dürfen. Neben sogenannten Basics lernen die ausgewählten Hunde in ihrer Ausbildungszeit bei Vita gezielt die Kommandos, die auf ihre spätere Aufgabe je nach Handicap zugeschnitten sind. Nach der sogenannten „Zusammenführung“ werden die Teams aus Mensch und Hund durch den Verein weiterhin geschult, sodass ein Assistenzhund immer wieder neue Fertigkeiten einübt und die Abstimmung praktisch nie aufhört.

shutterstock_3683920 Petr Jilek

 

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