Prävention von Druckstellen (Dekubitus)

Ein Dekubitus (auch: Druckgeschwür oder Dekubitalgeschwür) ist eine Schädigung von Gewebe durch Druckeinwirkung, beginnend mit Durchblutungs- und Versorgungsstörungen bis hin zu Nekrosen und tiefreichenden Geschwüren (Asmussen/Söllner, 1993). Er ist die häufigste Komplikation bei Querschnittlähmungen (Flieger, 2012).

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Risikofaktoren

‚Gefahr erkannt, Gefahr gebannt‘, heißt es in einem Sprichwort und so ist es von Nutzen, die wichtigsten Risikofaktoren zur Enstehung von Druckgeschwüren zu kennen, um entsprechend reagieren zu können. Die mit einer Rückenmarksverletzung einhergehenden permanenten Risiken sind die Einschränkung bzw. der Verlust von Mobilität und Motorik (durch die meist sitzende oder liegende Haltung entsteht dauernder Auflagedruck), Gefühlsstörungen unterhalb der Lähmungshöhe und ggf. Urin– und/oder Stuhlinkontinenz. Gefahren bergen zudem die gestörte Thermoregulation (sehr trockene oder durch Schwitzen ständig durchfeuchtete Haut), Spastik, Reibung und Scherkräfte und eine mögliche geringe Motivation (Depression) des Betroffenen.

Verschiedene Zusatzfaktoren können das Risiko zur Dekubitusentstehung zudem erhöhen:

Druckstellen lassen sich vermeiden durch:

  • Entlastung der Druckzonen im Rollstuhl in regelmäßigen Intervallen von 10 bis 15 Minuten
  • Wechsellagerung (auch nachts)/Druckentlastung durch Freilagerung – ein Umlagern sollte bei stark gefährdeten Personen alle 1 bis 2 Stunden, bei weniger stark gefährdeten Betroffenen alle 2 bis 4 Stunden stattfinden
  • Angepasste Sitzkissen
  • Angepasste Spezialmatratzen (Zäch/Koch, 2006)
  • Risikofaktoren (s. o.) auf ein Minimum reduzieren
  • Gefahrenquellen für Druckbelastung ausschalten; z. B. Falten im Leintuch, Fremdgegenstände im Bett, etc.
  • Regelmäßige Kontrolle des Hautzustandes – Inspektion und Selbstkontrolle des Betroffenen durch z.B. Handspiegel (siehe: Hautkontrolle)
  • Sorgfältige Körper- und Hautpflege zum Erhalt der Gewebetoleranz und sorgfältiges Abtrocknen der Haut
  • Spezielle Hautpflege bei Inkontinenz
  • Spezielle Hautpflege bei besonderer Empfindlichkeit der Haut (siehe: Die Haut bei Querschnittlähmung)
  • Inkontinenzmanagement
  • Auf ausgewogene, proteinreiche Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten (Benedikt /et al., 2012), mit besonderem Augenmerk auf die Mineralstoffe  Natrium, Zink, Calcium, Kalium, Phosphor und Chlor, die entscheidend zur Wundheilung beitragen (IGAP, 2013)

Fußgänger mit inkompletter Paraplegie und eingeschränkter Sensibilität sollten sich schützen durch:

  • Abendliche Kontrolle der gefühlsgestörten Bein- und Fußbereiche: Kontrolle des Hautzustandes – Inspektion und Selbstkontrolle des Betroffenen durch z. B. Handspiegel (siehe: Hautkontrolle)
  • Exakte Anpassung von orthopädischen Maßschuhen und sorgfältige Kontrolle bei neuen Schuhen
  • Vermeidung von Risikofaktoren wie Unebenheiten durch den Strumpf
  • Sorgfältiges Abtrocken der Füße, inklusive der Zehen, ggf. medizinische Fußpflege

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