Patientenrechte auf einen Blick

Seit Februar 2013 gibt es in Deutschland das sogenannte „Patientenrechtegesetz“. Rechte, die bisher in den Gesetzbüchern verstreut und nur einzeln auffindbar waren, wurden zusammengetragen und um neue Aspekte ergänzt. Das Ziel: Eine eindeutige Rechtslage für den Umgang zwischen Patienten und behandelnden Ärzten sowie Vertretern von Heil- und Gesundheitsberufen. Nun haben Justiz- und Gesundheitsministerium gemeinsam einen Ratgeber herausgebracht, der das Gesetz einfach und umfassend erklärt.

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Auch wenn es Patienten oft nicht bewusst ist – sie haben mit ihrem behandelnden Arzt einen Vertrag geschlossen, der die Rechte und Pflichten auf beiden Seiten regelt. Dieser „Behandlungsvertrag“ kommt zustande, wenn ein Patient eine Praxis betritt und sich behandeln lässt und gilt auch für die Behandlung durch Physiotherapeuten, Heilpraktiker, Zahnärzte, Hebammen oder Psychotherapeuten. Anders als beispielsweise gegenüber Handwerkern ist dazu kein Schriftstück nötig. Aber auch der Arzt oder Therapeut erbringt eine Dienstleistung, deren Standards seit Inkrafttreten des Patientenrechtegesetzes besonders für Patienten eindeutiger und nachvollziehbarer geregelt sind – vom Aufklärungsgespräch über die Diagnose und die beabsichtigte Therapie inklusive möglicher Alternativen bis hin zur Dokumentation in der Patientenakte und Rechten bei Behandlungsfehlern.

Rechte kennen und einfordern

Das alles beschreibt der Ratgeber „Informiert und selbstbestimmt – Ratgeber für Patientenrechte“ und erinnert ganz nebenbei auch an Rechte, die längst Standard, aber zu wenig bekannt sind und deshalb auch zu selten ausgeschöpft werden. Fallbeispiele veranschaulichen die beschriebene Rechtslage, deren Paragraphen im Anhang wiedergegeben sind. Sie findet sich im Bürgerlichen Gesetzbuch unter dem Stichwort „Behandlungsvertrag“ (BGB § 630a bis 630h). – Dennoch kann ein Ratgeber nicht alle Eventualitäten aufgreifen. Während die grundsätzlichen Standards ohnehin von den meisten Ärzten professionell umgesetzt werden, rät die Broschüre beim Verdacht auf Behandlungsfehler, die sich nicht im Gespräch mit dem zuständigen Arzt klären lassen, zu rechtlichem Beistand und liefert zum Schluss eine Liste mit Adressen von Beratungsstellen, die im Einzelfall individuelle Unterstützung bieten können.

Der Ratgeber soll in erster Linie Mut machen, die beschriebenen Ansprüche in der Praxis auch einzufordern, denn Papier ist schließlich geduldig. Dazu haben Menschen mit Querschnittlähmung unfreiwillig häufig Gelegenheit und können das Wissen um ihre Rechte sicher gut gebrauchen. Erst wenn informierte Patienten ihre Ansprüche kennen und beispielsweise die Aufklärung über alternative Behandlungsmöglichkeiten als Selbstverständlichkeit erwarten und ggf. einfordern, wird das Gesetz lebendig.

Hier geht`s zur Online-Version des Ratgebers:

Informiert und selbstbestimmt – Ratgeber für Patientenrechte

 

Siehe auch: Ratgeber zur gesetzlichen Krankenversicherung

Fragen & Kommentare

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  1. mouara 30.03.2015, 23:04 Uhr

    Hallo.

    Ich wollte Sie nur darauf hinweisen, dass der Link zu ihrem Online-Ratgeber nicht funktioniert 🙂

    • Nikola Hahn 01.04.2015, 09:11 Uhr

      Guten Tag mouara,

      vielen Dank für Ihren Hinweis! Wir haben den Link daraufhin aktualisiert.

      Viele Grüße

      Nikola Hahn