Rente wegen Erwerbsminderung

Im Alter schwinden die Kräfte ganz natürlich, und viele freuen sich auch darauf, irgendwann ihr „Rentnerleben“ auszukosten. Ganz anders ereilt die Rente, wer plötzlich und unerwartet nicht mehr arbeiten kann, weil ein Unfall oder eine Krankheit mit der Folge einer Querschnittlähmung die Berufstätigkeit stark einschränkt oder unmöglich macht.

Der Begriff „Rente“ leitet sich von dem lateinischen reddere ab, was so viel bedeutet wie „zurückgeben“: Wer bei Kräften in die Rentenversicherung eingezahlt hat, kann davon zehren, wenn der Broterwerb aus gesundheitlichen oder altersbedingten Gründen nicht mehr machbar ist. Die deutsche Gesetzgebung hat dazu allerdings noch einiges mehr zu sagen: Sie unterscheidet zwischen

  • Altersrente: Die gibt es erst mit Erreichen der sogenannten Regelaltersgrenze. Wer früher verrentet wird, also Frührentner ist, bezieht Rente wegen Erwerbsminderung.
  • Rente wegen voller Erwerbsminderung: Voll erwerbsgemindert sind Menschen, wenn sie voraussichtlich länger als sechs Monate nicht mehr als drei Stunden täglich arbeiten können.
  • Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung: Teilweise erwerbsgemindert sind Personen, die zwischen drei und sechs Stunden täglich arbeiten können, und für Menschen, für die voraussichtlich mehr als sechs Monate kein größerer Arbeitsumfang denkbar ist. Ist der Teilzeitarbeitsmarkt verschlossen, kann die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung in eine Rente wegen voller Erwerbsminderung umgewandelt werden. Personen, die vor dem 02.01.1961 geboren sind und in ihrem zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr arbeiten können, erhalten ebenfalls eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung.

Voraussetzungen für einen Anspruch auf Rente wegen Erwerbsminderung

Um eine Rente wegen Erwerbsminderung bekommen zu können, muss eine sogenannte Wartezeit erfüllt sein. Die allgemeine Wartezeit beträgt fünf Jahre – solange muss eine Person Mitglied der Rentenversicherung gewesen sein, um Leistungen beziehen zu können (hier gelten auch Erziehungszeiten). Zweite Voraussetzung: Es müssen innerhalb der letzten 5 Jahre mindestens 3 Jahre lang Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung in die Rentenversicherung eingezahlt worden sein (3/5-Regelung). Diese Voraussetzungen entfallen, wenn die teilweise oder volle Erwerbsminderung infolge eines Arbeitsunfalls oder eine volle Erwerbsminderung innerhalb von 6 Jahren nach Abschluss einer Ausbildung eingetreten ist.

Ein Anspruch auf Rente bei Erwerbsminderung besteht also, wenn:
1. die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht ist,
2. die teilweise oder volle Erwerbsminderung nachweisbar ist,
3. die allgemeine Wartezeit erfüllt ist und
4. die 3/5-Regelung erfüllt ist.

Was bedeutet Erwerbsminderung?

Für die Beurteilung einer Erwerbsminderung ist die Anerkennung einer Schwerbehinderung nicht entscheidend, vielmehr geht es darum, ob das (Rest-)Leistungsvermögen die Ausübung einer Berufstätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zulässt. Die Deutsche Rentenversicherung (siehe auch externer Link Deutsche Rentenversicherung – Erwerbsminderungsrenten) weist darauf hin, dass bei Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeitsfähig sind, eine Rente wegen voller Erwerbsminderung das Einkommen ersetzen soll. Wer noch einige Stunden täglich arbeiten könne, erhalte die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung als Ergänzung zum Einkommen (siehe auch Beitrag Rente wegen Erwerbsminderung: So viel darf man dazuverdienen).

Der Rentenantrag

Neu von einer Querschnittlähmung Betroffene können in der Phase der Rehabilitation einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben – sogenannte Rehabilitationsleistungen, die eine berufliche Tätigkeit ermöglichen, sichern oder wiederherstellen sollen – oder einen Rentenantrag stellen. Nach Eingang eines Rentenantrages wird in der Regel der Medizinische Dienst aktiv, der meist nach Einholung eines Gutachtens eine Einschätzung zu  Gutachten über möglichen Rehabilitationsmaßnahmen bzw. zum Eintritt der Erwerbsminderung abgibt

Berechnung einer Erwerbsminderungsrente

Die Höhe der Rente berechnet sich aus dem, was der Betroffene bisher in die Rentenkasse eingezahlt hat. Damit Menschen mit Erwerbsminderungsrente nicht finanziell schlechter gestellt sind als Menschen, die bis ins Rentenalter durcharbeiten können, wird auf die sogenannte „Zurechnungszeit“ zurückgegriffen: Man tut einfach so, als ob sie mit ihrem bisherigen durchschnittlichen Einkommen weiter gearbeitet und Beiträge gezahlt hätten – wodurch die Rente steigt. (Siehe auch externer Link Deutsche Rentenversicherung: Erwerbsminderungsrente – abgesichert im Falle eines Falles)

Befristete Renten und Dauerrenten

Renten wegen Erwerbsminderung werden grundsätzlich nur für höchstens drei Jahre, also befristet, festgelegt. Da nach neun Jahren in der Regel nicht mehr davon auszugehen ist, dass die Erwerbsminderung behoben werden kann, wird die befristete Rentenzahlung dann als Dauerrente gewährt. Davon ausgenommen sind Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung, die aufgrund von Arbeitslosigkeit (keine Teilzeitstelle gefunden) als volle Erwerbsminderung gewertet werden – diese Renten bleiben befristet.

Die Träger der Deutschen Rentenversicherung

Neben den verschiedenen Regionalträgern der Deutschen Rentenversicherung gibt es auch den Bundesträger, die Deutsche Rentenversicherung Bund. Die Zuständigkeit der Versicherungsträger richtet sich zuerst nach dem Wohnsitz der Versicherten bei Antragstellung.

Auf der (externer Link) Startseite der Deutschen Rentenversicherung sind alle Kontaktmöglichkeiten gelistet. Neben dem kostenfreien Service-Telefon der Deutschen Rentenversicherung (Telefonnummer 0800 1000 4800) sind alle Kontaktdaten (Telefon, E-Mail, Webauftritt) der regionalen Rentenversicherer genannt. Hier findet sich auch ein Link zu den Online-Diensten der Deutschen Rentenversicherung, mit deren Hilfe sich Aufgaben wie das Stellen eines Rentenantrags, die Änderung von Daten, die Einsicht ins Versicherungskonto oder die Buchung von Terminen bequem von zu Hause aus erledigen lassen.


Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Unter keinen Umständen ersetzt er jedoch eine rechtliche oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch einen Rechtsanwalt, Steuerberater oder sonstige Fachspezialisten. Der-Querschnitt.de führt keine Rechtsberatung durch.