Rente wegen Erwerbsminderung

Im Alter schwinden die Kräfte ganz natürlich, und viele freuen sich auch darauf, irgendwann ihr „Rentnerleben“ auszukosten. Ganz anders ereilt die Rente, wer plötzlich und unerwartet nicht mehr arbeiten kann, weil ein Unfall oder eine Krankheit mit der Folge einer Querschnittlähmung die Berufstätigkeit stark einschränkt oder unmöglich macht. shutterstock_83243221robertkneschke

Der Begriff „Rente“ leitet sich von dem lateinischen reddere ab, was so viel bedeutet wie „zurückgeben“: Wer bei Kräften in die Rentenversicherung eingezahlt hat, kann davon zehren, wenn der Broterwerb aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr machbar ist. Die deutsche Gesetzgebung hat dazu allerdings noch einiges mehr zu sagen: Sie unterscheidet

  • Altersrente: Die gibt es erst mit Erreichen der sogenannten Regelaltersgrenze. Wer früher verrentet wird, also Frührentner ist, bezieht Rente wegen Erwerbsminderung.
  • Rente wegen voller Erwerbsminderung: Voll erwerbsgemindert sind Menschen, wenn sie voraussichtlich länger als 6 Monate nicht mehr als 3 Stunden täglich arbeiten können.
  • Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung: Teilweise erwerbsgemindert sind Personen, die zwischen 3 und 6 Stunden täglich arbeiten können, und ebenfalls für die voraussichtlich mehr als 6 Monate kein größerer Arbeitsumfang denkbar ist. Ist der Teilzeitarbeitsmarkt verschlossen, kann die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung in eine wegen voller Erwerbsminderung umgewandelt werden. Personen, die vor dem 02.01.1961 geboren sind und in ihrem zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr arbeiten können, erhalten ebenfalls eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung.

Voraussetzungen für einen Anspruch auf Rente wegen Erwerbsminderung

Um eine Rente wegen Erwerbsminderung bekommen zu können, muss eine bestimmte Wartezeit erfüllt sein. Die allgemeine Wartezeit beträgt 5 Jahre – solange muss eine Person Mitglied der Rentenversicherung gewesen sein, um Leistungen beziehen zu können (hier gelten auch Erziehungszeiten). Innerhalb der letzten 5 Jahre vor dem Ereignis müssen mindestens 3 Jahre lang Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung in die Rentenversicherung eingezahlt worden sein (3/5-Regelung). Diese Voraussetzungen entfallen, wenn die teilweise oder volle Erwerbsminderung infolge eines Arbeitsunfalls oder eine volle Erwerbsminderung innerhalb von 6 Jahren nach Abschluss einer Ausbildung eingetreten ist. Ein Anspruch auf Rente bei Erwerbsminderung besteht also, wenn: 1. die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht ist, 2. die teilweise oder volle Erwerbsminderung nachweisbar ist, 3. die allgemeine Wartezeit erfüllt ist, 4. die 3/5-Regelung erfüllt ist.

Was bedeutet Erwerbsminderung?

Für die Beurteilung einer Erwerbsminderung ist die Anerkennung einer Schwerbehinderung nicht entscheidend, vielmehr geht es darum, ob das (Rest)Leistungsvermögen die Ausübung einer Berufstätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zulässt. „Den Zeitpunkt, wann eine volle oder teilweise Erwerbsminderung im Sinne der gesetzlichen Rentenversicherung vorliegt, bestimmt der Rentenversicherungsträger ggf. nach Begutachtung durch den Sozialmedizinischen Dienst oder einen anderen Gutachter mit der erforderlichen sozialmedizinischen Sachkunde“ (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, 2011).

Der Rentenantrag

klein shutterstock_131122493 Alexander RathsNeu von einer Querschnittlähmung Betroffene können in der Phase der Rehabilitation einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben stellen – sogenannte Rehabilitationsleistungen, die eine berufliche Tätigkeit ermöglichen, sichern oder wiederherstellen sollen – oder einen Rentenantrag. Nach Eingang eines Rentenantrages entscheidet der Medizinische Dienst, welche medizinischen Unterlagen des Versicherten gebraucht werden und fordert in der Regel unabhängige Gutachten an. Der Versicherungsträger nennt dem Versicherten drei mögliche Gutachter, von denen sich der Versicherte einen auswählen kann. Liegen die Gutachten vor, werden sie vom Medizinischen Dienst ausgewertet, der dann schließlich seine Einschätzung zu möglichen Rehabilitationsmaßnahmen bzw. zum Eintritt der Erwerbsminderung abgibt. „Dabei kommt es entscheidend darauf an, ab welchem Zeitpunkt die/der Versicherte – bezogen auf alle Tätigkeiten des allgemeinen Arbeitsmarktes – nur noch zwischen 3 und unter 6 Stunden täglich (teilweise Erwerbsminderung) bzw. weniger als 3 Stunden täglich (volle Erwerbsminderung) erwerbstätig sein kann“ (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, 2011).

Berechnung einer Erwerbsminderungsrente

1957 wurde die „Zurechnungszeit“ eingeführt, d. h. ein Mensch, der vor dem 60. Lebensjahr Rente wegen Erwerbsminderung bekommt, wird bei der Rentenberechnung so gestellt „als sei er weiterhin beitragspflichtig beschäftigt gewesen“ (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, 2011). Zugleich muss er (abgesehen von wenigen Ausnahmen) mit Abschlägen rechnen, wenn die Rente vor dem 65. Lebensjahr in Anspruch genommen wird. Für jeden Monat werden 0,3% der berechneten Rente abgezogen, allerdings höchstens 10,8 %. Die Deutsche Rentenversicherung verschickt jedes Jahr rund 31 Millionen Renteninformationen an alle ihre Mitglieder, die die allgemeine Wartezeit von 5 Jahren erfüllt haben. Darin steht auch, wie hoch eine Rente wegen voller Erwerbsminderung zum jeweiligen Zeitpunkt des Schreibens wäre, wenn derjenige wegen gesundheitlicher Einschränkungen fortan voll erwerbsgemindert wäre. Beitragspflichtige Jahresverdienste werden zur Berechnung in Entgeltpunkte umgerechnet. Diese stehen ebenfalls im Rentenbescheid. Die errechneten Punkte werden dann mit einem bestimmten Wert (im Jahr 2013 mit 28,07 in den alten Bundesländern und 24,92 in den neuen Bundesländern) vervielfältigt. Hierbei sind die oben genannten Abschläge und Zurechnungszeiten bei Rente wegen Erwerbsminderung noch nicht berücksichtigt. Die Berechnung der Erwerbsminderungsrente erweist sich also als kompliziert und schwer nachvollziehbar. Wegen einer Reihe von Ausnahmeregelungen sind auch die Bedingungen für einen Rentenanspruch nicht ganz einfach zu erfassen. Auseinandersetzungen auf diesem Gebiet sollten also besser nicht ohne juristischen Fachbeistand erfolgen.

Befristete Renten und Dauerrenten

Renten wegen Erwerbsminderung werden grundsätzlich nur für höchstens 3 Jahre, also befristet, festgelegt. Da nach 9 Jahren in der Regel nicht mehr davon auszugehen ist, dass die Erwerbsminderung behoben werden kann, wird die befristete Rentenzahlung dann als Dauerrente gewährt. Davon ausgenommen sind Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung, die aufgrund von Arbeitslosigkeit (keine Teilzeitstelle gefunden) als volle Erwerbsminderung gewertet werden – diese Renten bleiben befristet.

Die Träger der Deutschen Rentenversicherung

Neben den verschiedenen Regionalträgern der Deutschen Rentenversicherung gibt es auch den Bundesträger, die Deutsche Rentenversicherung Bund. Die Zuständigkeit der Versicherungsträger richtet sich zuerst nach dem Wohnsitz der Versicherten bei Antragstellung.

BUNDESTRÄGER

Deutsche Rentenversicherung Bund, Ruhrstraße 2, 10709 Berlin, Telefon 030 865-0

REGIONALTRÄGER

  • Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg, Gartenstraße, 105 76135 Karlsruhe, Telefon 0721 825-0
  • Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd, Am Alten Viehmarkt 2, 84028 Landshut, Telefon 0871 81-0
  • Deutsche Rentenversicherung Berlin-Brandenburg, Bertha-von-Suttner-Straße 1, 15236 Frankfurt (Oder), Telefon 0335 551-0
  • Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover, Lange Weihe 2, 30880 Laatzen, Telefon 0511 829-0
  • Deutsche Rentenversicherung Hessen, Städelstraße 28, 60596 Frankfurt am Main, Telefon 069 6052-0
  • Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland, Georg-Schumann-Straße 146, 04159 Leipzig, Telefon 0341 550-55
  • Deutsche Rentenversicherung Nord, Ziegelstraße 150, 23556 Lübeck, Telefon 0451 485-021
  • Deutsche Rentenversicherung Nordbayern, Wittelsbacherring 11, 95444 Bayreuth, Telefon 0921 607-0
  • Deutsche Rentenversicherung Oldenburg-Bremen, Huntestraße 11, 26135 Oldenburg, Telefon 0441 927-0
  • Deutsche Rentenversicherung Rheinland, Königsallee 71, 40215 Düsseldorf, Telefon 0211 937-0
  • Deutsche Rentenversicherung Rheinland-Pfalz, Eichendorffstraße 4-6, 67346 Speyer, Telefon 06232 17-0
  • Deutsche Rentenversicherung Saarland, Martin-Luther-Straße 2-4, 66111 Saarbrücken, Telefon 0681 3093-0
  • Deutsche Rentenversicherung Schwaben, Dieselstraße 9, 86154 Augsburg, Telefon 0821 500-0
  • Deutsche Rentenversicherung Westfalen, Gartenstraße 194, 48147 Münster, Telefon 0251 238-0
  • Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, Pieperstraße 14-28, 44789 Bochum, Telefon 0234 304-0

www.deutsche-rentenversicherung.de

 

Fragen & Kommentare

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  1. Hans-Joachim Wetterau 19.12.2014, 14:32 Uhr

    Ist das Rechtens wenn die Krankenkasse bei Erwerbsminderung die Rente zurueckrechnet obwohl man seit über ein Jahr Krankengeld bezieht. Ich bin seit 1.10.13 krank, am 12.12.13 Kur beantragt, am 8.10.14 Erwerbsminderung Rente beantragt, drotzdem hatt die Rentenversicherung die Kur als Rentenantrag gewertet. Obwohl man 78 Wochen Krankengeld zusteht.

    • Nikola Hahn 12.01.2015, 13:23 Uhr

      Guten Tag Herr Wetterau,

      als Informationsportal sind wir leider nicht dazu berechtigt, individuelle rechtliche Auskünfte zu geben. Sie finden auf Der-Querschnitt.de eine Zusammenstellung von Rechtsanwältinnen und -anwälten, die sich auf Fragen des Sozialrechts spezialisiert haben und mögliche Ansprechpartner für Sie sein könnten. Auch einige Sozialverbände bieten ihren Mitgliedern eine Rechtsberatung an. Eventuell könnten Ihnen die Gemeinsamen Servicestellen und die Beratungsstellen weiterhelfen, die kostenlos beraten. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) stellt im Internet eine Suche nach Adressen von Gemeinsamen Servicestellen zur Verfügung. Träger sind allerdings die Rehabilitationsträger selbst, also auch die Deutsche Rentenversicherung.

      Viele Grüße
      Nikola Hahn