Verringertes Nervengewebe nach Eintritt der Querschnittlähmung

Wie schnell die degenerativen Veränderungen des Rückenmarks nach dem Eintritt einer Querschnittlähmung stattfinden, war bislang unklar. Man ging davon aus, dass sich erst über Jahre hinweg anatomische Veränderungen oberhalb der Verletzungshöhe einstellen. Ein schweizerisch-britisches Forscherteam fand jetzt heraus: Bereits 40 Tage nach Eintritt der Querschnittlähmung haben Betroffene weniger Nervengewebe im Rückenmark.

Bild 103628336 copyright Lightspring, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Querschnittlähmungen, ob komplett oder inkomplett, verändern das Rückenmark und Gehirn. Betroffen sind Motorik, Sensibilität und die Funktion verschiedener Organe (siehe: Auswirkung auf Organe und Körperfunktionen). Wie schnell sich solche degenerativen Veränderungen entwickeln, war bisher unklar. Man ging davon aus, dass sich bei Betroffenen erst über Jahre hinweg anatomische Veränderungen im Rückenmark und Gehirn auch oberhalb der verletzten Stelle zeigen. Erstmals weisen Forschende der Universität Zürich und der Uniklinik Balgrist, Schweiz, gemeinsam mit englischen Kollegen vom University College London, UK, nun nach, dass diese Veränderungen bereits wenige Wochen nach einer akuten Querschnittlähmung auftreten.

Rückenmark nimmt rapid ab

Die Wissenschaftler untersuchten 13 akut querschnittgelähmte Patienten jeden dritten Monat während eines Jahres im Magnetresonanz-Gerät. Anhand der MRT-Protokolle stellten sie fest, dass der Durchmesser des Rückenmarks rapid abgenommen hatte und nach zwölf Monaten bereits um sieben Prozent kleiner geworden war. Ein, wenn auch geringerer, Volumenverlust zeigte sich zudem bei den aufsteigenden motorischen Nervenbahnen (kortikospinaler Trakt) und den Nervenzellen im sensomotorischen Cortex. Das Ausmaß der degenerativen Veränderungen steht in einer direkten Wechselbeziehung mit dem klinischen Verlauf. „So erholten sich Patienten mit größerem Verlust an Nervengewebe oberhalb der Verletzung weniger gut als jene mit geringerem“, erläutert Patrick Freund, Forschungsassistent am Zentrum für Paraplegie Balgrist.

Therapeutische Wirkung besser erfassen

Die Chancen auf eine Regeneration des Rückenmarks innerhalb des ersten Jahres nach Eintritt der Verletzung sind gering; die Patienten bleiben meistens für immer gelähmt. Dank der neu angewandten bildgestützten Messung besteht jetzt, laut Freund, die Möglichkeit, die Wirkung von medikamentösen Behandlungen auf das Zentralnervensystem oder von rehabilitativen Maßnahmen schneller sichtbar zu machen. Auch die Wirkung neuer Therapien ließe sich somit schneller erfassen.

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