Dekubitus: Lagerung und Lagerungshilfsmittel

Die richtigen Lagerungstechniken und -systeme sind wichtige Komponenten bei der Prophylaxe und Behandlung von Druckgeschwüren. Eine individuell abgestimmte Positionierung und entsprechende Hilfsmittel sorgen dafür, dass gefährdete oder bereits angegriffene Körperpartien soweit wie möglich druckfrei bleiben. Diese Entlastung beugt der Entstehung eines Dekubitus vor bzw. wirkt unterstützend bei dessen Heilung.

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 Lagerungstechniken zur Druckentlastung

Es stehen verschiedene Lagerungstechniken zur Verfügung, die bei fehlender Sensibilität und Motorik die passiven Bewegungen ermöglichen, die das Gewebe schonen und schützen:

  • 30°-Lagerung
  • 30°-Lagerung / Schiefe Ebene
  • 135°-Lagerung
  • Hohl-Lagerung
  • A-Lagerung
  • Mikro-Lagerung
  • Lagerung im Sitzen

Zu beachten ist, dass jede Position nicht zu lange beibehalten werden darf, sondern in regelmäßigen Abständen eine neue Lage eingenommen wird. Viele Publikationen sprechen von 2-Stunden-Intervallen, auch nachts, doch scheint dieses schematische Arbeiten für Betroffene keinen erhöhten Nutzen zu bringen. Stattdessen erstellen Pflegekräfte heute unter Berücksichtigung von individuellen Bedürfnissen, Ressourcen und Risikofaktoren speziell angepasste Positionierungspläne (Pflegewissen, 2013). Die einzelnen Positionierungen werden im Beitrag Lagerungstechniken bei Querschnittlähmung näher erläutert.

Lagerungshilfsmittel

Antidekubitus-Hilfsmittel sind

  • Kissen
  • Schaumstoffkeile
  • Matratzen oder Spezialbetten

und sollen dafür sorgen, dass der Druck, der auf gefährdete Hautstellen einwirkt, reduziert wird. Kissen und Keile werden in Kombination mit den Lagerungstechniken eingesetzt.

Im Falle von Matratzen kann die Druckreduzierung erreicht werden indem einerseits der Auflagedruck des Körpers auf eine größere Auflagefläche verteilt wird, zum anderen indem man die Dauer, die die Körperstelle dem Druck ausgesetzt ist, einschränkt. Zu diesem Zweck stehen folgende Systeme zur Verfügung:

  • Weichlagerungs-Systeme

Wirkprinzip: Vergrößerung der Auflagefläche des Körpers.

Je besser sich die Matratzenoberfläche an den Körper anpasst, desto mehr verringert sich die Auflagefläche und damit der Auflagedruck auf einzelne Körperpartien. Für eine optimale Wirkung wird auf andere Lagerungshilfsmittel verzichtet. Die mit diesem System erreichte Weich- oder Superweichlagerung verbessert die Sauerstoffversorgung aller Hautpartien.

Möglicher Nachteil von Weich- und Superweichmatratzen ist die Verlangsamung der Feinmotorik. Zudem beeinflussen sie die Selbstwahrnehmung und Spontanbewegung, weshalb bei der Anwendung von Weichlager-Systemen im Vorfeld stets die Vorteile gegen die möglichen Risiken abgewogen werden müssen. Den negativen Auswirkungen kann man mit Techniken zur Förderung der Körperwahrnehmung begegnen, etwa mit Elementen der basalen Stimulation.

  • Wechseldruck-Systeme

Wirkprinzip: Druckentlastung

Wechseldruckmatratzen bestehen aus kleinteilig angeordneten Luftkissen, die mit Hilfe einer Pumpe abwechselnd mit Luft befüllt bzw. geleert werden. Dadurch findet mehrfach stündlich eine wechselnde Druckentlastung statt. Auch Wechseldruck-Systeme sind nicht uneingeschränkt zu empfehlen: Unerwünschte Begleiterscheinungen können eine Erhöhung des Muskeltonus oder auftretende Spastiken sein.

  • Micro-Stimulations-Systeme (MiS-Systeme)

Wirkprinzip: Verbesserung der Auflagefläche und Druckentlastung

MiS-Systeme bieten dem Körper eine einheitliche Auflagefläche zur gleichmäßigen Druckverteilung. Im Gegensatz zu klassischen Weichlagerungs-Systemen erhalten und fördern sie die evtl. verbliebene Eigenbewegung, durch die Rückkopplung der Mikrobewegungen des Systems mit dem Körper, welche die Körperwahrnehmung unterstützt und Körperbildstörungen vorbeugt. Zudem fördert die Rückkopplung über die Flügelfedertechnik der MiS-Systeme die Durchblutung der Haut und damit die Versorgung mit Mikronährstoffen, was eine Grundvoraussetzung für die Gesundheit der Haut bzw. die Wundheilung ist (IGAP, 2015).

Wichtig: Eine regelmäßige Umpositionierung wird durch Antidekubitus-Systeme nicht ersetzt!

Wenn ein Dekubitus erst einmal entstanden ist, ist die Entlastung der betroffenen Stelle das A und O der Behandlung. Im Hinblick auf Hilfsmittel und Heilung gilt folgender Merksatz: „You can put everything on the pressure sore except the patient. / Man kann alles auf das Druckgeschwür legen – nur den Patienten nicht.“

Die Don’ts der Lagerungshilfsmittel

Folgende Hilfsmittel haben sich bei Dekubitus-Behandlung und Prophylaxe als ungeeignet erwiesen:

  • Natürliche und künstliche Felle
  • Wassermatratzen und -kissen
  • Fersen- und Ellbogenschoner
  • Sitz- bzw. Lagerungsringe
  • Watteverbände (Pflegewissen, 2013)

Lagerungshilfsmittel im Rollstuhl

Für Rollstuhlfahrer ist auch der Auflagedruck im Rollstuhl von Bedeutung. Die Hilfsmittel, die hier zur Verfügung stehen sind Sitzkissen in den Varianten:

  • Luft-Kammer-Kissen
  • Luftelemente-Kissen
  • Hybrid Luftkammer-Schaumstoffkissen
  • Schaumstoffkissen (einlagig oder mit Verbund als Sandwichkissen)
  • Hybrid Gel-Schaumstoffkissen
  • Wabenkissen

Neben der fachgerechten Auswahl des Sitzkissens ist eine tägliche Kontrolle notwendig, um Dekubiti erfolgreich vermeiden zu können.

  • Überprüfung (durch Abtasten) auf
    • Funktion des Kissens
    • Luftfüllung
    • Korrekte Position von Gelbeuteln etc.
    • Zustand
    • Feuchtigkeit
    • Sauberkeit
    • Fremdgegenstände auf dem Kissen, ggf. unter dem Bezug
  • Überprüfung von korrekter Position
    • Kissen im Rollstuhl
    • Bezug auf Kissen
    • Sitzunterlage
  • Überprüfung von Einstellungen am Rollstuhl
    • Kopfstütze
    • Armstütze
    • Rückenwinkel
    • Fußrasten (de Roche, 2012)

 

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