Kontrakturen bei Querschnittlähmung

Kontrakturen sind dauerhafte Verkürzungen von Muskeln, Sehnen und Bändern. Sie führen zu einer Einschränkungen der Gelenkbeweglichkeit oder zur Gelenkversteifung, d. h. eine normale Beweglichkeit der Gelenke ist nicht mehr gegeben. Bei einer Querschnittlähmung können verschiedene Faktoren zu Kontrakturen führen. Vorbeugende Maßnahmen konzentrieren sich auf die Behandlung dieser auslösenden Faktoren.

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Unter Kontraktur versteht man den Zustand einer bleibenden Bewegungseinschränkung von Gelenken, bis hin zur Gelenkversteifung. Jedes Zusammenziehen eines Muskels führt automatisch zu einer Dehnung des Gegenspielers. Bei einer Querschnittlähmung findet wegen der eingeschränkten Mobilität dieses Zusammenspiel in den Gliedmaßen meist nicht statt. Aufgrund der somit fehlenden Dehnung der Muskeln und Sehen verkürzen diese. Auch die Störung des Nervensystems selbst kann zu Kontrakturen führen (neurogene Kontrakturen), ebenso wie die lähmungsbedingte Erhöhung des Muskeltonus bzw. der Spastizität. Weitere häufige Ursachen sind muskuläres Ungleichgewicht, z. B. bei inkompletten Lähmungen, Schonhaltung bei Schmerzen und eine fehlende oder fehlerhafte Lagerung.

Beim Auftreten einer Kontraktur ist die Bewegung in dem betroffenen Gelenk charakteristisch verändert. Es nimmt dauerhaft eine Haltung ein, die vom Betroffenen nicht aktiv verändert werden kann. Auch passiv kann das Gelenk nicht oder nur in sehr geringem Umfang bewegt werden; in Bereichen, die nicht einer Sensibilitätseinschränkung unterworfen sind, werden diese Bewegungen als schmerzhaft wahrgenommen.

Kontrakturen können sich in allen Gelenken des Körpers bilden; häufig betroffen sind die Schulter-, Knie- und Ellbogengelenke. Je nach eingeschränkter Bewegungsebene unterscheidet man Beuge-, Streck-, Abduktions- und Adduktionskontrakturen. Erkennbar ist eine Kontraktur durch sichtbare Veränderungen an der Fehlstellung der Gelenke oder Extremitäten. Die häufigste Kontraktur ist der Spitzfuß, bei dem das obere Sprunggelenk eine ständige Streckstellung einnimmt. Ein Spitzfuß entsteht durch Spasmen oder durch einen ständigen Druck auf den Vorderfuß, z. B. durch die Bettdecke. Auch ein ständiges nach unten Hängen der Füße beim Sitzen, kann diese Verkürzung von Muskeln im Waden- und Achillessehnenbereich hervorrufen.

Folgen von Kontrakturen

Kontrakturen können folgende zusätzlichen Folgeerkrankungen auslösen:

  • Druckstellen als Folge der ungünstigen Gesamtposition
  • Schlechte Durchblutung
    • Ödembildung
    • Chronische Hautveränderungen
    • Unterversorgung der Haut mit Sauer- und Mikronährstoffen und eine dadurch verzögerte Heilungsbereitschaft der Haut
  • Deformationen von Füßen und Beinen begünstigen die Entstehung von

Prophylaxe und Behandlung

Ziel der Prophylaxe ist es, die volle Gelenkbeweglichkeit zu erhalten. Sie erfolgt durch

  • Möglichst frühe Mobilisation in der Akutphase
  • Sachgerechte Positionierung mit angepasster Stellung der Gelenke (siehe: Lagerungstechniken bei Querschnittlähmung) Lagerungshilfsmittel sind gezielt und überlegt einzusetzen:
    • Verzicht auf (Super-)Weichlagerungssysteme
    • Fußstützen gegen Spitzfuß (die Füße sollen einen 90°-Winkel einnehmen) und Versteifungen der Kniegelenke
    • Lagerungskissen oder –quader gegen Spitzfußentstehung beim liegenden Patienten, mit Hohllagerung der Ferse zur Vermeidung von Druckstellen
    • Handexpander, Gumminoppenbälle und/oder therapeutische Silikonknetmasse zum Grifftraining
    • Strickleiter gegen Versteifungen von Schulter-, Ellbogen und Handgelenken
    • Anpassung von Instrinsic-Plus-Lagerungsschienen (ab Lähmungsniveau C1 bis C4)
  • Passive, assistive und ggf. aktive Bewegungsübungen zur Aufrechterhaltung und Förderung der Beweglichkeit im Rahmen einer Physio- und/oder Ergotherapie, z. B. mit dem Stehtraining (siehe: Stehtraining bei Querschnittlähmung)
  • Massagen und Wärmebehandlungen zusätzlich zu den bewegungstherapeutischen Maßnahmen
  • Möglich sind zudem Streckverbände oder motorgetriebene Bewegungsschienen
  • Ggf. Behandlung von Tonuserhöhung und Spastik

Es gibt operative Maßnahmen, die bei der Behandlung von Kontrakturen eingesetzt werden können, allerdings ist es oft unsicher, ob chirurgische Eingriffe die gewünschten Ergebnisse erzielen können.

 

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