Ganz schön anziehend: Anziehhilfen

Knopfschließer und Sockenanzieher sind keine neuen Berufsbilder. Vielmehr ersetzen diese durchdachten Gegenstände die Hilfe von Pflegepersonen beim An- und Ausziehen und stehen damit für ein Stück Selbstständigkeit im Alltag.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Hilfsmittel auf dem Markt, die Verluste in der Fein- und Grobmotorik kompensieren sollen. Dazu gehören Greifzangen, Strumpfanzieher oder Schuhlöffel, aber auch die Kleidung selbst kann angepasst werden. Klettbänder statt Schleifen, elastische Schnürsenkel oder Reißverschlüsse mit Zipper: Was nicht passt, wird passend gemacht.

Von Kopf bis Fuß

Eine Auswahl trickreicher Erfindungen für Menschen mit Bewegungseinschränkungen wird hier vorgestellt, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Positive Erfahrungen mit anderen Hilfsmitteln, Tricks und Anregungen nimmt die Redaktion gerne entgegen. Darüber hinaus gilt immer: Patentrezepte gibt es nicht und das Ausprobieren in der Praxis bleibt entscheidend, um die richtigen Hilfsgegenstände für sich selbst zu finden.

Verlängerter Arm: Anziehstöcke aus Holz oder Kunststoff mit Haken an einem Ende können Kleidungsstücke über Stellen ziehen, an die eigene Arm nicht kommt.

Knöpfhilfe: Mithilfe einer Schlaufe lassen sich Knöpfe mit nur einer Hand schließen.

Zipper: Machen auch winzige Reißverschlussenden greifbar. Es gibt sie in unterschiedlichen Ausführungen, z. B. als Ringe oder Schnüre, die am ursprünglichen Reißverschluss befestigt werden.

Die „Buckingham BH Anziehhilfe“ ist versehen mit einem Herz und ermöglicht das Schließen eines BHs mit nur einer Hand (gesehen bei Amazon, 17,49 Euro, Stand März 2019).

Greifzange: Sie ist bei allen möglichen Verrichtungen im Alltag hilfreich, eignet sich mit zusätzlichen Haken aber besonders für das Heranholen von Kleidungsstücken. Einige Modelle schonen durch eine verstellbare Unterarmstütze das Handgelenk.

Unterwäschehelfer: Wer sich nicht genug nach vorne beugen kann, um Unterhosen über die Beine zu ziehen, spannt diese über einen Unterwäschehelfer. Das Gestell überbrückt die Entfernung bis zu den Fußspitzen und macht so das Übersteifen möglich.

Strumpfanzieher

Hier gibt es je nach Bewegungsmöglichkeiten verschiedene Modelle, auch als Hilfe zum Strumpf-Ausziehen:

  • Strumpfanzieher (Gestell): Auf dieselbe Weise wie der Unterwäschehelfer funktioniert auch diese Ausführung. Der Strumpf wird über das Gestell gestülpt und dabei so gedehnt, dass der Fuß leicht reinkommt. Es gibt ihn auch für Kompressionsstrümpfe.
  • Strumpfanzieher/Schuhlöffel-Kombination: Ausgestattet mit einem Kragen, über den der Strumpf gezogen wird, hilft der lange Löffel beim Anziehen von Socken oder Strümpfen, wenn ein Nachvornebeugen nicht möglich ist.
  • Strumpfanzieher mit Bändern: Er ist ggf. leichter zu halten als der Griff eines Schuhlöffels, flexibler, aber auch schwerer zu steuern.
  • Gleithilfen für Kompressionsstrümpfe: Nylon oder ähnlich glattes und dünnes Material erleichtert das Überziehen von engen Strümpfen und kann bei offener Fußspitze nach unten, bei geschlossener Fußspitze nach oben wieder abgelegt werden.
  • Auch eine Idee: Die Socken mit Schlaufen oder Ösen oben am Bündchen, die Menschen mit eingeschränkter Fingerfunktion das An- und Hochziehen der Socken erleichtern. 

Schuhlöffel: Unterschiedlich lang, stufenlos einstellbar, mit Haken oder Schlaufen oder rutschfestem Griff erhältlich. Es gibt auch Kombinationen von Schuhlöffel und Greifzange, sodass der Schuh zuerst in Position gebracht und dann mit dem Löffel übergezogen werden kann.

Elastische Schnürsenkel: Sie machen aus einem Schnürschuh einen Slipper, weil sie nur einmal geknotet werden müssen und sich beim nächsten Mal mitdehnen.

Eine andere Variante, die das Binden von Schleifen unnötig macht, sind spiralförmige Schnürsenkel, die ohne Bindung straff oder locker im Schuh halten, oder handelsübliche Fixierungen in Form von Sperren aus Kunststoff, die bereits vielfach an Kleidung zu finden sind.

Spezialschuhe sind häufig sehr weit zu öffnen und erleichtern damit das Reinschlüpfen. Zudem wurde bei ihnen an Klettverschlüsse und Polsterungen gedacht. Sie sind aber keine orthopädischen Maßschuhe, sondern „von der Stange“ in verschiedenen Größen erhältlich.

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Kosten

Im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes laufen Anziehhilfen unter dem Stichwort „Adaptionshilfen“ (Produktgruppe 02). Die Kosten werden also in vielen Fällen von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen, wenn eine entsprechende Verordnung vorliegt. (siehe auch: Medizinische Hilfsmittel)

 

 

 

Eine Auswahl an Anziehhilfen gibt es z. B. über www.alltagshilfen24.com.

 

 

 

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