Lungeninfektionen und Pneumonien vorbeugen mit LISA

Lähmungsniveau, Lähmungsart und vegetative Komponenten haben einen maßgebenden Einfluss auf die Ausprägung der Atemfunktionsstörung (siehe: Atemproblematik) bei Querschnittlähmung. In fast jedem Fall besteht eine erhöhte Anfälligkeit für Lungeninfektionen und -entzündungen (Pneumonien). Mit verschiedenen Maßnahmen kann man die Atemorgane schützen und Infekten entgegenwirken.

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Bei der Lungenentzündung oder Pneumonie handelt es sich um eine akute oder chronische Entzündung des Lungengewebes. Sie wird meist durch eine Infektion mit Bakterien, Viren oder Pilzen verursacht. Bei deutlicher Beteiligung der Pleura (Rippenfell)liegt eine Pleuritis vor (wikipedia, 2013). Im Klinikalltag und im Langzeitverlauf wird eine Lungenentzündung bei Querschnittgelähmten üblicherweise durch typische bakterielle Erreger, wie Pneumokokken oder Staphylokokken, ausgelöst. Einen Einfluss hat hierbei u. a. die eingeschränkte Immunabwehr bei Querschnittlähmung (siehe: Das Immunsystem). Ein weiterer Risikofaktor für das Entstehen von Pneumonien bei Querschnittlähmung sind Schluckstörungen und der Einsatz von Trachealkanülen, da sie die Aspirationsgefahr beträchtlich erhöhen. Hierbei kommt es zum einen zu auffälligem, von Hustenanfällen begleitetem Verschlucken von Speichel oder Nahrung; zum anderen zur stillen Aspiration, bei der Nahrungsbestandteile oder Speichel unbemerkt in die Atemwege gelangen und Aspirationspneumonien hervorrufen können (Tiedemann, 2012).

Vorbeugende Maßnahmen und Interventionen nach dem LISA-Prinzip

Die Pneumonieprophylaxe ist eine disziplinübergreifende Aufgabe, an der Mediziner, Ergo- und Physiotherapeuten, Pflegende und der Betroffene selbst beteiligt sind. Sie alle verfolgen das LISA-Prinzip als Ziele und Maßnahmen zur Pneumonieprophylaxe:

L wie Lungenbelüftung verbessern

  • Mobilisation
    Aktive und passive Bewegungen helfen die Atmung zu verstärken und zu vertiefen und somit alle Lungenabschnitte zu belüften.
  • Atemerleichternde Lagerung
    Die Lagerungstechniken, die in der Pneumonieprophylaxe zur Verfügung stehen sind:

  • Atemstimulierende Einreibung
    Hilft dem Behandelten sich intensiv auf die eigene Atmung zu konzentrieren.
  • Atemübungen
    Atemübungen (auch: Atemgymnastik) helfen Lungenabschnitte zu belüften, eine richtige Atemtechnik – bzw. eine alternative Atemtechnik bei hochgradig Querschnittgelähmten – zu erlernen und durchgängig anzuwenden. Varianten sind:

    • Tiefes Ein- und Ausatmen
    • Kontaktatmung
    • Atmen gegen Widerstand
    • Dosierte Lippenbremse
      Es gibt Trainingsgeräte, die die Atemübungen begleiten und in ihrer Wirkung unterstützen können, z. B. SMI-Atemtrainer oder VRP-Geräte.

I wie Infektionen vermeiden

Krankheitskeime werden entfernt oder ihnen wird der Nährboden weitgehend entzogen, durch:

 S wie Sekret verflüssigen, lösen und entfernen

  • Flüssigkeitszufuhr anpassen
    Bei zu geringer Flüssigkeitszufuhr wird den Schleimhäuten Feuchtigkeit entzogen. Der Schleim in den gesamten Atemwegen wird zäh und klebrig und ist schwer zu entfernen. Zur Pneumonieprophylaxe sollten täglich mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit zugeführt werden, bei erhöhter Ausscheidung, z. B. bei Fieber, hohen Außentemperaturen oder Durchfall und Erbrechen, muss die Trinkmenge entsprechend angepasst werden (siehe: Flüssigkeitszufuhr bei Querschnittlähmung).
  • Brustwickel und Kompressen
    Feucht-warme Brustwickel und Kompressen wirken entspannend, beruhigend, durchblutungsfördernd und schleimlösend. Ätherische Öle können die Wirkung erhöhen.
  • Inhalation
    Mit der Inhalation werden Atemwege angefeuchtet, Lungenerkrankungen und Atemwegsinfektionen lokal behandelt und das Lungensekret gelockert. Bei der Anwendung können u. a. folgende Hilfsmittel zum Einsatz kommen:

    • Dampfbad mit Schale bzw. Topf und Handtuch
    • Aerosolapparat
    • Ultraschall-Vernebler
    • IPPB-Gerät (Gerät zur intermittierenden Beatmung mit positivem Druck)
  • Einreibung mit ätherischen Ölen (siehe auch: Aromatherapie bei Querschnittlähmung)
    Die Wirkstoffe der ätherischen Öle werden verdünnt auf die Haut aufgebracht und eingeatmet. Zur Sekretlösung eignen sich Verdünnungen von:

    • Eukalyptusöl
    • Anisöl
    • Pfefferminzöl
    • Thymianöl
    • Fichtennadel
    • Fenchelöl
      Fast alle ätherischen Öle haben zudem eine krampflösende und antiseptische Wirkung.
  • Vibrationsmassage
    Vibrationsmassagen lösen durch Schwingungen im Brustkorb das Sekret in den Atemwegen. Es wird in die großen Bronchien transportiert und lässt sich abhusten.
  • Produktives Abhusten (pflegewissen, 2013)

A wie Aspiration vermeiden

Das Einatmen oder Verschlucken von Nahrungsbestandteilen, Mageninhalt, Blut, Fremdkörpern und/oder Speichel in die Atemwege muss – unabhängig davon, ob dies als bemerkte oder stille Aspiration stattfindet – vermieden werden. Entsprechende Maßnahmen bietet die Schlucktherapie (siehe: Schluckfunktionsstörung).

 

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