Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Viele Menschen sind von Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen betroffen, oft ohne es zu wissen. Verschiedene Nahrungsmittelbestandteile – am häufigsten Laktose (Milchzucker), Fruktose (Fruchtzucker), Gluten (Weizeneiweiß) und Histamin (Gewebehormon) – können zu immer wiederkehrenden Darmproblemen (Bauchschmerzen, Durchfall und/oder Blähungen) und dadurch zu einer verminderten Aufnahme von Nähr- und Wirkstoffen aus der Nahrung führen (Brockhaus, 2008).

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Die Begriffe Unverträglichkeit und Intoleranz werden in diesem Zusammenhang oft synonym verwendet, jedoch bezeichnen Nahrungsmittelunverträglichkeiten alle unerwünschten und unerwarteten Reaktionen, die nach dem Konsum eines Nahrungsmittels eintreten. Somit umschließen sie als Überbegriff sowohl Nahrungsmittelallergien als auch Nahrungsmittelintoleranzen (und zusätzlich Vergiftungen, die hier aber nicht behandelt werden).

Im Falle von Nahrungsmittelintoleranzen fehlt häufig das Enzym, das für die Verarbeitung des Nahrungsmittelbestandteils, auf den reagiert wird, benötigt wird. Eine Immunreaktion findet nicht statt.

Bei Nahrungsmittelallergien reagiert das Immunsystem überempfindlich auf bestimmte Bestandteile der Nahrung. Zusätzlich zu den offensichtlichen Symptomen werden Antikörper gebildet bzw. ein anderer immunologischer Mechanismus greift. Nahrungsmittelallergien können sich gegen ein einzelnes Lebensmittel richten oder gegen mehrere aus derselben Familie (Kreuzallergien) (Brockhaus, 2008). Grundsätzlich kann man auf jedes Lebensmittel allergisch reagieren. Am häufigsten lösen jedoch folgende Lebensmittel und Produkte, in denen sie enthalten sind oder die aus ihnen erzeugt werden, Allergien aus und müssen bei Verwendung auf Verpackungen stets angegeben werden: Getreide, Krebstiere, Eier, Fische, Erdnüsse, Sojabohnen, Milch (Milcheiweiß und Milchzucker), Schalenfrüchte (Nüsse), Sellerie, Senf, Sesamsaat, Schwefeldioxid und Sulfite, Lupine und Weichtiere (Muscheln, Schnecken etc.) (EU, 2007).

Das Ausmaß der Problematik ist individuell sehr unterschiedlich. Im ungünstigsten Fall kommt es durch die von den Unverträglichkeiten ausgelösten, immer wiederkehrenden Entzündungen der Darmschleimhaut zu einer Beeinträchtigung der Darmfunktion und dadurch zu einer Mangelversorgung mit fettlöslichen Vitaminen und Mineralstoffen.

Die Diagnose einer Nahrungsmittelunverträglichkeit wird mittels spezifischer Atem- oder Bluttests oder durch Provokationstests festgestellt (Brockhaus, 2008).

Laktoseintoleranz

Bei Laktoseintoleranz führt der Verzehr milchzuckerhaltiger Nahrungsmittel zu individuell ausgeprägten Beschwerden wie krampfartige Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall (Brockhaus, 2008). Laktose ist ein natürlicher Bestandteil von Milch und Milchprodukten und kann als Zusatzstoff in Desserts, Back- und Süßwaren, Instantsuppen und -saucen, Pizza, Kartoffelpüreepulver, Margarine und Wurst vorkommen. Laktose wird häufig als Trägersubstanz für Aromen oder als Emulgator eingesetzt (z.B. in Wurst) und muss in diesem Fall nicht deklariert werden. Auch zahlreiche Medikamente enthalten Laktose (im Beipackzettel ausgewiesen) (Geng/Hess, 2012). Global betrachtet ist Laktoseintoleranz der Normalzustand. Weltweit vertragen 75% der Bevölkerung im Erwachsenenalter keine Milch und Milchprodukte; in Deutschland sind es 10-25% (Kimmerle/Nath, 2011).

Milcheiweißallergie

Ein weiterer Stoff der Milch, gegen den eine Unverträglichkeit bestehen kann, ist das Milcheiweiß. Betroffene Personen sind gegen bestimmte Kuhmilcheiweißgruppen allergisch, wobei die Reaktion häufig vom Grad der Verarbeitung des Produkts abhängt. In seiner denaturierten Form, z.B. in gekochten Sauermilcherzeugnissen oder verschiedenen Käsesorten, ist Milcheiweiß eher verträglich. Beschwerden treten im Bereich der Haut (Ausschlag, Ekzeme, etc.) auf oder betreffen den Verdauungstrakt (Erbrechen, Darmkrämpfe, Durchfälle) (Brockhaus, 2008).

Die Behandlung besteht in der strikten Vermeidung aller Milchprodukte, in denen die allergieauslösenden Proteine enthalten sind. Da die meisten Milchprodukte somit für die Deckung des Kalziumbedarfs des Körpers ausfallen, müssen alternative Nahrungsmittel in den Speiseplan integriert werden (Friedrich, 2013), z.B. Sesam, Mandeln, Haselnüsse und grüne Gemüsesorten.

Fruktoseintoleranz

Fruktoseintoleranz ist eine Störung im Fruchtzuckerstoffwechsel in Folge eines z. T. ererbten Enzymmangels (Brockhaus, 2008). Fruktose ist vorrangig in Obst, Honig und Gemüse enthalten, kommt aber auch als ‚Verbindung‘ in anderen Lebensmitteln, wie Haushaltszucker (Saccharose), Rohr- und Rübenzucker und auch in Invertzucker (Sorbit und Inulin) vor. Sorbit ist ein gängiger Zuckeraustauschstoff vor allem in Diabetiker-Produkten; Inulin zählt zu den Ballaststoffen und somit zu den präbiotischen Nahrungsergänzungsmitteln. Es kommt u.a. in Artischocken, Pastinaken oder Zichorien vor (Geng/Hess, 2012).

Histaminintoleranz

Histamin entsteht durch den bakteriellen Abbau der Aminosäure Histidin (Brockhaus, 2008). Bei einer Histaminintoleranz ist die Aktivität des Histamin abbauenden Enzyms Diaminoxidase (DAO) eingeschränkt. Daher kommt es zu einer pseudoallergischen Reaktion des Körpers beim Verzehr histaminhaltiger Nahrung (z. B. bakteriell fermentierte Nahrungsmittel wie Käse, Rotwein, geräuchertes Fleisch, Essig, Fischkonserven). Neben den negativen Auswirkungen auf das Verdauungssystem  sind Hautprobleme, Kopfschmerzen, Atem- und Menstruationsbeschwerden sowie Wassereinlagerungen und Blasen- und Harnröhrenentzündungen mögliche Symptome einer Histaminunverträglichkeit (Abbot/ et.al., 2006).

Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)

Gluten ist ein Sammelbegriff für mehrere Eiweiße, die im Samen von bestimmten Getreidearten vorkommen. Die Glutenunverträglichkeit ist wahrscheinlich genetisch bedingt und kann in jedem Lebensalter auftreten (Brockhaus, 2008). In Deutschland sind schätzungsweise 400 000 Menschen betroffen, wobei Frauen etwa doppelt so häufig an Zöliakie leiden wie Männer (Milhahn, 2013). Die Zahl der nicht erkannten Fälle wird jedoch sehr hoch geschätzt. Eine lebenslange strenge glutenfreie Ernährung ist die einzige gesicherte Behandlung von Zöliakie.

Gluten ist nicht nur vielen Getreidesorten – Weizen, Dinkel, Einkorn, Gerste, Grünkern, Hafer, Kamut, Roggen und Wildreis und somit in allen Erzeugnissen aus diesen Getreiden (Nudeln, Brot, Bier, etc.) –  enthalten (Brockhaus, 2008), sondern auch in Babynahrung oder stark verarbeiteten Produkten wie Fertiggerichten, Fruchtjoghurts, Pudding, Schokolade, Wurst oder Pizza. Die Kleber-Eiweiße werden bei der Herstellung in Form von Aromen oder Stabilisatoren beigemischt.

Glutenfreie Alternativen sind Soja, Hirse, Buchweizen oder Kastanien- und Johannisbrotmehl. Ebenfalls geeignet sind die Pseudogetreide Amarant und Quinoa, die viel leicht verwertbares Eiweiß und wichtige Aminosäuren enthalten und zudem reich an Eisen und Magnesium sind, was sie besonders wertvoll für den Körper macht (Milhahn, 2013).

Siehe: Getreide: Freund oder Feind im Verdauungstrakt?

Hühnereiweißallergie

Die Hühnereiweißallergie ist eine Überempfindlichkeit gegen das Protein in Hühnereiern. In seltenen Fällen besteht zugleich eine Allergie gegen Hühnerfleisch und auch die Eier anderer Geflügelarten können allergische Reaktionen hervorrufen. Symptome für eine Hühnereiweißallergie sind neben Hautausschlägen und Bronchialasthma Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Krämpfe und Darmentzündung. Hühnereier gehören zu den häufigsten Auslösern (30% bei Kindern, 12% bei Erwachsenen) von Nahrungsmittelallergien.

Die Behandlung besteht in der Meidung aller Nahrungsmittel, die Hühnerei enthalten (Brockhaus, 2008). Dazu zählen z.B. Cremespeisen, Dressings, Mayonnaise, Gebäck, Speiseeis, denen zum Abbinden Eigelb oder Soufflés und Biskuits, denen zur Schaumbildung  Eiklar zugesetzt wird. Zum Klären von Aspik, Brühen und Säften wird ebenfalls Eiklar verwendet. Aber auch Fertigsuppen, Süßspeisen und Getreideprodukte wie Teigwaren und Brot sollten vom Speiseplan gestrichen werden, wenn diese Lebensmittel Eiprodukte enthalten. Unabdingbar ist das sorgfältige Lesen der Zutatenliste auf den Lebensmitteln, in der sich Eier auch hinter der Vorsilbe »Ovo« verstecken können (Pohl, 2013).

Siehe: Was tun bei Hühnereiweißallergie

Andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Im Zusammenhang mit der Histaminintoleranz wurden bereits Saccharose und Sorbit genannt. Gegen diesen Zucker und Zuckeraustauschstoff können spezifische Intoleranzen, Saccharoseintoleranz und Sorbitintoleranz vorliegen, die beide Bauchschmerzen, Krämpfe, Durchfall und Erbrechen auslösen können.

Da bei einer Saccharoseintoleranz lediglich auf Haushaltszucker reagiert wird, kann dieser durch  Milchzucker oder Fruchtzucker ersetzt werden. Bei einer Sorbitintoleranz kann Sorbit im Dünndarm nicht verwertet werden. Sorbit ist nicht nur in Lightprodukten, Kaugummis, Zahnpflegeprodukten und Lutschpastillen enthalten, sondern auch in Pflaumen, Aprikosen und Pfirsichen. In Trockenobst ist durch den Wasserentzug die Konzentration von Sorbit zusätzlich erhöht.

Galaktoseintoleranz (Galaktosämie) ist ein seltener angeborener Enzymdefekt, bei der der Einfachzucker Galaktose vom Körper nicht in Glukose umgewandelt werden kann. Galktoseintoleranz kann zu einer Trübung der Augenlinse führen; Symptome im Säuglingsalter sind Erbrechen schlimmstenfalls Leber- und Gehirnschäden. Die Behandlung besteht in einer lebenslangen galaktose- und laktosefreien Diät. Gemieden werden müssen nicht nur Milch-, Milchprodukte und Produkte in denen Laktose verwendet wird (z.B. Schokolade, Wurst, Brot, Zahncreme) und Lebensmittel in denen Galaktose vorhanden ist, wie Hülsenfrüchte, Tomaten, Rote Bete, Spinat, Bananen, Wassermelonen, Papaya, Kürbis, Leinsamen, Johannisbrotkernmehl sowie manche Innereien (Leber und Hirn) (Brockhaus, 2008).

Bestimmte Stoffe in Nahrungsmitteln können Symptome einer Unverträglichkeit hervorrufen wenn sie in großen Mengen (individuell verschieden) verzehrt werden, z.B. Glutamat und Koffein. Andere Auslöser für Unverträglichkeiten sind u.a. Lektine (in z.B. Bohnen), Salicylate  (in z.B. Äpfeln, Aprikosen, Aspirin) und Lebensmittelzusätze wie Farbstoffe, Säuerungsmittel oder Emulgatoren.

Fragen & Kommentare

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  1. nini 14.06.2013, 21:11 Uhr

    Gibt es Hinweise darauf dass Querschnittgelaehmte eher Nahrungsmittelunvertraeglichkeiten entwickeln als andere? Vielen Dank, nini

    • Veronika Geng 19.06.2013, 14:02 Uhr

      Guten Tag nini,
      Nahrungsmittelunverträglichkeiten nehmen generell in den letzten Jahren zu. Ob Querschnittgelähmte mehr Nahrungsmittelunverträglichkeiten entwickeln ist bis heute nicht bekannt. Prinzipiell muss man aber immer an Nahrungsmittelunverträglichkeiten denken bei Problemen von Stuhlinkontinenz und Blähungen. Generell steht auch bei Querschnittgelähmten die Laktoseintoleranz und die Fructosemalabsorbtion an erster Stelle der Unverträglichkeiten/Malabsorption. Bei konkreteren Fragen zu Querschnittlähmung und Nahrungsmittelunverträglichkeit rufen Sie doch einfach im Beratungszentrum für Ernährung und Verdauung an, diese Beratung ist für Querschnittgelähmte und deren Betreuungspersonen kostenfrei. Tel.: 06226 960 25 33.
      Viele Grüße,
      Veronika Geng