Kontrovers diskutiert: Mit Basen gegen Übersäuerung

Die Diskussion um die Bedeutung eines ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalts für die Gesundheit findet vor allem in der alternativen Medizin statt. Während Schulmediziner wissenschaftliche Nachweise vermissen, gehen einige Homöopathen soweit, hinter sämtlichen Zivilisationskrankheiten eine Übersäuerung zu vermuten. 

„Schließlich kann man davon ausgehen, dass die Entstehung vieler Erkrankungen begünstigt wird, wenngleich die wissenschaftlichen Beweise dafür noch weitgehend fehlen“, so formuliert Anita Kreilhuber, Ärztin und freie Mitarbeiterin des Online-Portals www.netdoktor.at (Kreilhuber, 2013), den Stellenwert der Übersäuerung und erklärt die Zusammenhänge so:

Neben Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten liefert unsere Nahrung auch Mineralien. Einige davon fördern die Bildung von Basen, andere die von Säuren. Unser Körper braucht beides. Die gängige westliche Ernährungsweise führt aber zur einer erhöhten Aufnahme von tierischem Eiweiß, während basenbildende Mineralien aus Obst und Gemüse, wie Kalzium, Magnesium oder Kalium, meist Mangelware im menschlichen Körper sind. Eine chronische Übersäuerung führe zwar kaum zu einer Verschiebung des pH-Wertes im Blut, die Entstehung einiger degenerativer Erkrankungen könnte aber mit ihr in Verbindung stehen.

„Es konnte keine wissenschaftliche Evidenz für einen Zusammenhang zwischen einer Übersäuerung im Sinne der orthomolekularen Medizin und dem Auftreten von Erkrankungen wie Arteriosklerose, Tumoren, Arthrose oder Osteoporose gefunden werden“, hält die Schulmedizin dagegen (Institut für Allgemeinmedizin Frankfurt, 2013). Und so ist es wie mit vielen alternativen Heilmethoden: Einen wissenschaftlich eindeutigen Nachweis für die Bedeutsamkeit einer basenreichen Ernährung gibt es nicht, aber auch keinen dagegen.

„Bei einer Übersäuerung des Gewebes treten nicht sofort charakteristische Symptome auf. Vielmehr ist es eine Reihe von unspezifischen Beschwerden, die nicht als einheitliches Krankheitsbild wahrgenommen werden“ (Kreilhuber, 2013).

Anzeichen für eine Übersäuerung können demnach z. B. sein:

  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsschwäche
  • Hautprobleme
  • Muskelschmerzen oder -verhärtungen
  • Sodbrennen

Auch die Diagnostik einer Übersäuerung über den pH-Wert des Blutes ist umstritten. Der gesunde Durchschnittswert für die Stoffwechselvorgänge im Blut liegt bei einem pH-Wert von etwa 7,3 bis 7,4. Die einen sagen: Eine Untersuchung des Wertes im Blut kann Aufschluss darüber geben, ob dem Körper Basen fehlen, die er dringend braucht. Die anderen weisen darauf hin, dass der pH-Wert im Blut nicht gleichzusetzen sei mit dem in den Zellen, dessen Ermittlung weit aufwendiger ist und von den gesetzlichen Krankenversicherungen in der Regel nicht übernommen wird.

Genauso uneinig sind sich die Experten, wenn es um die Einteilung der Nahrungsmittel in basenbildend, neutral und säurebildend geht: „Die basenreiche Kost basiert auf der Verwendung von Tabellen, die Lebensmittel in basische bzw. saure Produkte einteilen. Insbesondere Fleisch, Wurstwaren, Milchprodukte, Kaffee, Tee und Alkohol werden als sauer beurteilt, Gemüse, Obst und Milch als eher basisch. Die Gültigkeit (Validität) dieser Tabellen wird kontrovers diskutiert, da sie auf die frühen (ungenauen) Untersuchungen von Ragnar Berg aus dem Jahre 1912 zurückgehen sollen“ (Institut für Allgemeinmedizin Frankfurt, 2013).

Wer sich möglichst basisch ernähren will, sollte seinem Körper folgende Lebensmittel gönnen:

  • Obst
  • Gemüse
  • Kräutern
  • Gewürzen
  • Sprossen
  • Mandeln
  • Keimen

Als Nahrungsmittel mit säurebildenden Mineralien gelten z. B.

  • Fleisch und Fisch
  • Zucker
  • Bestimmte Fette
  • Getreide und Getreideprodukte
  • Kaffee und Tee
  • Alkohol
  • Einige wenige Gemüse, z.B. Spargel, Rosenkohl, Artischocken
  • Nüsse
  • Hülsenfrüchte
  • Kohlensäurehaltiges Mineralwasser

Entscheidend scheint nicht der pH-Wert des Lebensmittels, sondern was nach der Verdauung im Körper übrig bleibt. Gerade die Milchprodukte stehen dabei immer wieder in der Diskussion. Einige Käsesorten werden als vorwiegend säurebildend beschrieben, Voll- und Magermilch häufig nicht. Es gibt aber auch Quellen, die Milch und Milchprodukte komplett als Säurebildner nennen.

Das richtige Wasser

„Wasser oder Mineralwasser, sowie Kräutertees sind neben den pflanzlichen Nahrungsmitteln die besten Lieferanten basischer Mineralstoffe, ausreichend Flüssigkeit sorgt aber auch dafür, dass die frei werdenden Schlackenstoffe ausgeschieden werden können“, erklärt Petra Kruse. Ergänzend zu einer Ernährung mit Lebensmitteln, die basenbildend verstoffwechselt werden, kann ein Mineralwasser mit hohem Hydrogencarbonat-Anteil der Körper dabei unterstützen, den Säure-Basen-Haushalt auszugleichen. Diesen Stoff bildet der Körper normalerweise selbst, um der pH-Wert des Blutes zu regulieren. Jedes Mineralwasser enthält Hydrogencarbonat, allerdings in unterschiedlichen Mengen. Mit einem Anteil von 1200mg/l kann es helfen, überschüssige Magensäure zu binden.

Siehe auch: Funktionen von Trinkwasser für Magen und Darm