Craniosacral-Therapie – Manuelle energetische Behandlung bei Querschnittlähmung

Die Craniosacral-Therapie ist eine alternative Behandlungsform, die aus der Osteopathie abgeleitet ist, und Elemente der manuellen Ganzkörpertherapie und energetischer Heilmethoden kombiniert. Obwohl ihre Wirkung wissenschaftlich nicht belegt ist, wird die Craniosacral-Therapie als äußerst wohltuend empfunden und u. a. im Schweizer Paraplegiker Zentrum in Nottwil angeboten und praktiziert.

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Das craniosacrale System umfasst Schädel, Wirbelsäule und Kreuzbein einschließlich der Hirnhäute und bildet aus therapeutischer Sicht den Mittelpunkt des Zentralnervensystems (Grösel, 2013). Die Craniosacral-Therapie beruht auf der Annahme, dass Hirnwasser, d. h. die Flüssigkeit im Gehirn und im Rückenmark, rhythmisch fluktuierenden Bewegungen unterworfen ist. Es bewegt sich innerhalb der Hirnhäute langsam hin und her; die daraus entstehende Pulsation überträgt sich auf das gesamte caniosacrale System und von dort aus auf den gesamten Organismus (Zäch/Koch, 2006). Wenn aber physischer oder psychischer Stress, Traumata und Schock erlebt werden, können Funktionsstörungen in den verschiedenen Systemen des Körpers auftreten und u. a. das zentrale Nervensystem beeinträchtigen. Diese Beeinträchtigung ist über die Veränderung der Pulsation, d. h. den unregelmäßigen Rhythmus der Hirnwasserbewegungen, vom Therapeuten erspürbar. Durch das Tasten werden die Pulsationsblockaden aber nicht nur geortet sondern auch gleichzeitig manuell behandelt. Der Energiefluss im Körper wird so verbessert und normalisiert (Braun, 2013).

Was passiert während einer Craniosacral-Behandlung?

Der „Diagnostic Touch“ – das Erfühlen der gestörten Pulsation – ist die Grundlage für das Vorgehen bei der Craniosacral-Therapie. Während der 45 bis 90 minütigen Behandlung liegt der Patient auf einer bequemen Massageliege. Der Therapeut ertastet am Schädel und am Becken die Pulsation innerhalb des craniosacralen Systems und schätzt eventuelle Blockaden ein. Mit gezielten sanften Handgriffen wird das betroffene Gewebe gelöst, bis die Pulsation wieder ungehindert stattfinden kann. Nach einer erfolgreichen Behandlung ist es wieder möglich die Pulsation im craniosacralen System uneingeschränkt wahrzunehmen. Die Anzahl der Behandlungen, die notwendig sind, bis eine verbessernde Wirkung auf die gesundheitlichen Beschwerden eintritt bzw. bemerkbar ist, hängt vom Krankheitsbild und der Compliance des Einzelnen ab (Grösel, 2015).

Wann wird die Craniosacral Therapie angewendet?

Besonders erfolgreich wird die Craniosacral Therapie bei Querschnittgelähmten dann angewendet, wenn Betroffene Beschwerden aufgrund von Funktionseinschränkungen haben:

  • Schmerzen
  • Physische und psychische Überempfindlichkeit
  • Verstauchungen und/oder Zerrungen im Halswirbelsäulenbereich
  • Seh-, Hör- und Geruchsstörungen (Zäch/Koch, 2006)

Craniosacral-Therapeuten empfehlen die Behandlung als vitalisierenden und entspannenden Allgemeintherapie (Rühle, 2015) und zusätzlich außerdem bei Beschwerden, die über eine Störung im Nerven- oder Hormonsystem (Grösel, 2015) entstanden sind oder bei:

  • Schleudertrauma
  • Migräne
  • Gehirnerschütterung
  • Allergien
  • Tortikollis (Zäch/Koch, 2006)
  • Lernschwierigkeiten
  • Lesestörungen
  • Kopfschmerzen
  • Ohrinfektionen
  • Entzündete Nasennebenhöhlen (Grösel, 2015)
  • Kieferproblemen
  • Emotionalen Traumata (Rühle, 2015)
  • Etc.

Wann kann die Craniosacral-Therapie nicht angewendet werden?

Prinzipiell gibt es keine Kontraindikationen, jedoch sollte vor einer Behandlung Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden, falls eine oder mehrere der folgenden Komplikationen vorliegen:

  • Akute Verletzungen oder Entzündungen im craniosacralen System und/oder entlang der Wirbelsäule
  • Akutes Schädel-Hirn-Trauma
  • Psychose (Zäch/Koch, 2006)

Die Craniosacrale-Therapie, wie sie heutzutage in Deutschland zumeist praktiziert wird, leitet sich von der kranialen Osteopathie ab, die Anfang des 20. Jahrhunderts von dem osteopatischen Arzt William G. Sutherland in den USA entwickelt wurde (Zäch/Koch, 2006). Zu einer eigenständigen Therapieform wurde sie u. a. von dem ebenfalls US-amerikanischen Arzt John E. Upledger weiterentwickelt. Upledger bearbeitete die wissenschaftlichen Grundlagen, und sorgte durch Ausbildungen und Lehrbücher für eine Verbreitung der Craniosacral-Therapie auch in Europa (Grösel, 2015).

Dass eine Craniosacrale-Therapie sehr angenehm ist und für Entspannung sorgen kann, wird jeder, der einmal eine solche Behandlung erfahren hat, bestätigen. Wissenschaftlich belegt ist die Wirksamkeit der Craniosacrale-Therapie jedoch nicht (Braun, 2015). Wie fast alle der alternativen Heilmethoden wird die Craniosacrale-Therapie noch einen langen Weg gehen müssen, bevor sie sich in den Augen der Schulmedizin bewiesen hat.

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