Stress – Nur eine beiläufige Komponente?

Es gibt viele bekannte stressauslösende Situationen im Leben, wie Ärger mit dem Chef oder dem Partner, Einkaufen mit Kindern oder rote Ampeln – die kennt jeder. Extremen Stress dagegen können andere Situationen auslösen, die nicht alltäglich sind und viel umfassendere Konsequenzen für das Leben haben; wie etwa ein Trauma durch eine Querschnittlähmung.

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„Der Eintritt einer Querschnittslähmung stellt für fast jeden Menschen und seine Angehörigen die größte Herausforderung dar, der er bisher in seinem Leben gegenübergestanden hat“ (Eisenhuth, 2012). Mehrere stressauslösende Bedingungen kommen hier zusammen: Veränderung der körperlichen Gesundheit und Funktionsfähigkeit, Verlust an Mobilität oder erlebte Hilflosigkeit. Solche kritischen Lebensereignisse, die neue und unvertraute Situationen mit sich bringen, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem Körper mit einer Stressreaktion beantwortet.

Ein wichtiger Aspekt, um eine Querschnittslähmung zu verarbeiten, ist jedoch ein niedrigeres Stressniveau (Eisenhuth, 2012, nach Kennedy, 2009). Um dies zu erreichen ist es wichtig zu wissen, was Stress ist und wie er sich zeigt.

Wofür ist Stress gut?

Das Wort Stress kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „anspannen“ oder so viel wie „unter Spannung“ stehen. Diese Anspannung ist ein Prozess, welcher aus drei Komponenten besteht:

  • Reaktion auf Umweltreize: Reizen aus der Umwelt sind wir täglich ausgesetzt. Diese können jedoch ganz unterschiedlich sein. Zum Beispiel durch unsere Mitmenschen oder das Wetter.
  • Bewältigungsstrategien: Bewältigungsstrategien hat unser Körper im Laufe der Evolution entwickelt, um Gefahren zu entkommen. Ist die Gefahr sichtbar, wird der Körper aktiv und gelangt in ein Ungleichgewicht, welches solange besteht, bis die Gefahr vorüber ist.
  • Das Innere Gleichgewicht (Homöostase) schwankt: Sind diese Bewältigungsstrategien jedoch ineffektiv und der Zustand des psycho- und physischen Ungleichgewichts bleibt für einen längeren Zeitraum erhalten, wird Stress gesundheitsschädigend (Schandry, 2011).

Was geschieht im Körper?

Zunächst ist Stress eine natürliche Reaktion auf eine unmittelbare Bedrohung. In der Stressforschung wird diese Antwort des Körpers Kampf-Flucht-Reaktion genannt. Die Evolution hat zwei mögliche Verhaltensweisen zur Erhaltung der Unversehrtheit erbracht:

  1. Den Kampf suchen
  2. Die Flucht ergreifen

Im Zeitalter der sogenannten Leistungsgesellschaft sind die Belastungen jedoch anderer Herkunft. Deshalb wird heute von einer Anpassungsleistung gesprochen, durch die der Organismus zur Belastung gezwungen wird. Solche Anpassungsleistungen könnten sein: schmerzbedingter Zwang zur Entscheidungen einer wichtigen Operation oder emotionale Belastungen, etwa durch schlechte Kommunikation. Die Auslöser haben sich im Laufe der Zeit verändert, die physiologische Wirkung ist jedoch gleich geblieben (Schandry, 2011).

Steht der Körper unter physischer und psychischer Anspannung, löst dies eine bestimmte Reaktion aus. Es gibt zwei hauptverantwortliche Systeme für die Stressreaktion: Den Sympathikus und die Hypothalamus- Hypophysen- Nebennierenrinde (HPA- Achse).

Die Hypophyse kann durch ihre afferenten und efferenten Nerven das Milieu im Körper messen und gleichzeitig darauf reagieren. Ändert sich der Zustand, zum Beispiel durch Stress, aktiviert diese erstens den Sympathikus und gibt zweitens selbst Hormone frei. Zum Beispiel das Hormon ACTH (adrenokortikotropen Hormon), welches die Glukokortikoiden (vor allem Kortisol) freisetzt. Diese sorgen für die Energiebereitstellung im Körper. Bei langanhaltender Glukokortiokoikonzentration kann es zu Störungen kommen, wie erhöhter Blutdruck, Hemmung des Immunsystems oder Muskelabbau (Schandry, 2011).

Der Sympathikus und der Parasympathikus bilden die beiden Hauptzweige des peripheren vegetativen Nervensystems. Durch den Sympathikus werden die Aktivierungsvorgänge primär gesteuert, welchen eine Hormonausschüttung der Hypophyse vorrausgeht. Dies geschieht durch Abgabe von Adrenalin und Noradrenalin aus der Nebennierenrinde. Diese beiden Hormone sind funktionssteigernd und sind für folgende Aktivitäten verantwortlich:

  • Steigerung der Durchblutung
  • Schnellere Atmung
  • Schweißdrüsenaktivität erhöht
  • Erhöhung der Muskelspannung
  • Erhöhung des Blutdrucks und Herztätigkeit
  • Schnelle Energiebreitstellung
  • Verminderte Durchblutung der Verdauungsorgane
  • Vermindertes Sexualbedürfnis (Kaluza, 2011)

Ist dieser „Stresszustand“ lange andauernd, passt sich der Körper an, wodurch eine erhöhte Hormon- und Gluscosekonzentration im Blut nachweisbar ist. Eine Folge davon kann Diabetes sein. Kortisol verringert die Wirkung von Insulin, das normalerweise die Aufnahme von Zucker in die Körperzellen transportiert. Somit bleibt mehr Zucker im Blut, das für die Gehirnzellen zur Verfügung stehen kann. Gehirnzellen benötigen kein Insulin zur Zuckeraufnahme. Die Bauchspeicheldrüse registriert die verringerte Insulinwirkung, „interpretiert“ sie als Insulinmangel und produziert vermehrt Insulin. Langfristig erschöpft sich die Bauchspeicheldrüse und es entsteht ein tatsächlicher Mangel an Insulin, wodurch der Blutzuckerspiegel steigt und damit das Diabetesrisiko (Kaluza, 2011). Damit es jedoch erst gar nicht erst dazu kommt, gibt es verschiedene Stressbewältigungsverfahren.

Siehe: Stressbewältigung – Wie kann ich Stress entgegenwirken?

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