Menschen mit Querschnittlähmung entwickeln häufiger chronische Erkrankungen
Eine Studie der US-amerikanischen Klinik Mass General Brigham zeigt, dass Patienten mit traumatischer Querschnittlähmung unabhängig von Alter, Läsionshöhe und vorherigen Gesundheitszustand ein höheres Risiko haben, eine Vielzahl chronischer Gesundheitsprobleme zu entwickeln. Ein Erkennen und frühzeitiges Gegensteuern ist daher von großer Wichtigkeit.

„Es müssen Programme zur Identifizierung von Risikopatienten eingeführt werden, damit wir ihre chronische Versorgung besser steuern und Gesundheitsprobleme angehen können, die für die Patienten ein erhöhtes Sterberisiko darstellen“, sagt Studienautor und Neurologe Autor Saef Izzy. Er berichtete, dass Patienten nach der Erstbehandlung mit Erkrankungen wie z.B. Bluthochdruck (siehe: Querschnittlähmung und Bluthochdruck) oder Diabetes Typ II (siehe: Diabetes mellitus und Querschnittlähmung) in die Kliniken zurückkehrten. Unklar sei aber gewesen, wie häufig diese Erkrankungen bei Menschen mit traumatischer Querschnittlähmung auftraten. Während unmittelbarere Komplikationen wie Atembeschwerden, Blutdruckschwankungen und Herzrhythmusstörungen gut bekannt seien, gäbe es nur wenige Studien, die sich mit den gesundheitlichen Langzeitfolgen befassten.
Die Studie: Langzeiterhebung von 1996 bis 2024
Vor diesem Hintergrund bewerteten die Forscher das langfristige Risiko für kardiovaskuläre, endokrine, neurologische und psychiatrische Erkrankungen bei Patienten mit traumatischen Rückenmarksverletzungen und verglichen die Daten mit einer Kontrollgruppe (bestehend aus Menschen ohne Querschnittlähmung).
Die Studie, die zwischen Januar 1996 und Januar 2024 durchgeführt wurde, erfasste die Daten ca. 3.000 Patienten mit traumatisch bedingter Querschnittlähmung (ohne bekannte Vorerkrankungen) aus zwei Kliniken. Über einen Nachbeobachtungszeitraum von bis zu 20 Jahren dokumentierten die Forscher die Häufigkeit chronischer Erkrankungen und Todesfälle in der Patientengruppe. Diese Daten wurden verwendet, um die Ergebnisse mit denen einer passenden Kontrollgruppe ohne Rückenmarksverletzung zu vergleichen.
Im Vergleich zur Kontrollgruppe hatten die Patienten mit Querschnittlähmung ein signifikant höheres Risiko für Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, Schlaganfall und Diabetes sowie andere neurologische und psychiatrische Erkrankungen. Die Diagnose Querschnittlähmung war mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden, selbst bei zuvor gesunden Patienten.
„Es liegt auf der Hand, dass die Notwendigkeit proaktiver und multidisziplinärer Langzeitpflegestrategien besteht“, so Izzy. „Weitere Studien sind erforderlich, um wirksame Maßnahmen zu identifizieren.“
Weitere Informationen
Eine Rückenmarksverletzung beeinflusst mehr oder weniger stark verschiedene Organe und Körperfunktionen. Komplikationen können in jeder Phase der Rehabilitation auftreten und Betroffene müssen über mögliche Folgeerkrankungen informiert sein, um in der Lage zu sein, Anzeichen zu erkennen, gegenzusteuern und prophylaktisch gegenzuwirken. Siehe hierzu: Komplikationen, Folge- und Begleiterkrankungen bei Querschnittlähmung – Der-Querschnitt.de
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