Schmerzen, Spastik, Depressionen: Studie zu sekundären Gesundheitsproblemen bei Querschnittlähmung
Sekundäre Gesundheitsprobleme – d.h. Folgeerscheinungen, die als direkte Konsequenz einer primären Erkrankung, Verletzung oder eines Traumas entstehen – stellen eine wesentliche Herausforderung im Leben von Menschen mit Querschnittlähmung dar. Die sekundären Gesundheitszustände, umfassen eine Vielzahl körperlicher und psychischer Beeinträchtigungen und tragen erheblich zur Morbidität sowie zur Einschränkung der Lebensqualität bei.

Eine internationale Studie (InSCI) untersuchte wie häufig welche sekundären Gesundheitsproblem bei Querschnittlähmung auftreten und wie stark die Belastung für Betroffene ist. Auch wurde der Zusammenhang mit dem Alter bei Eintritt der Querschnittlähmung betrachtet und wie lange der Zeitpunkt der Verletzung zurücklag.
Die Datenerhebung erfolgte im Zeitraum von 2022 bis 2024 mittels standardisierter Selbstauskunft. Insgesamt wurden über 15.000 Menschen aus mehreren Ländern* mit sowohl traumatischer als auch nicht-traumatischer Querschnittlähmung befragt.
Die häufigsten genannten sekundären Probleme
Das insgesamt häufigste sekundäre Gesundheitsproblem war Schmerz (81,5 %), gefolgt von Niedergeschlagenheit oder Depressionen (79 %), Spastik (75,5 %) und Darmfunktionsstörungen (70,5 %). Unter den Personen mit nicht-traumatischer Querschnittlähmung gab ein signifikant höherer Anteil der Befragten Herzkrankheiten, Diabetes und Krebs an als bei denjenigen mit traumatischer Querschnittslähmung. Im Vergleich dazu wurden Druckgeschwüre, Harnwegsinfektionen, autonome Dysreflexie, Verletzungen aufgrund von Sensibilitätsstörungen und sexuelle Dysfunktion häufiger bei Studienteilnehmern mit traumatischer Querschnittlähmung angegeben.
Bei Personen mit traumatischer Querschnittlähmung zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Gesamtbelastung durch sekundäre Gesundheitszustände und sowohl dem zunehmenden Alter als auch der Zeit seit Eintritt der Verletzung. Im Gegensatz dazu konnte ein solcher Zusammenhang bei nicht-traumatischen Ursachen nicht eindeutig nachgewiesen werden.
Auch Unterschiede im internationalen Vergleich
Neben den Unterschieden hinsichtlich der Ursache der Querschnittlähmung wurden auch Unterschiede zwischen den teilnehmenden Ländern festgestellt, was auf mögliche Einflüsse struktureller, gesundheitssystembezogener und sozioökonomischer Faktoren hinweist. Dies legt nahe, dass Versorgungsstrukturen und Zugang zu rehabilitativen Maßnahmen eine entscheidende Rolle für das Auftreten und die Schwere sekundärer Gesundheitszustände spielen.
Was bedeuten diese Ergebnisse für Menschen mit Querschnittlähmung?
Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass „diese Ergebnisse die Notwendigkeit langfristiger, alters- und verlaufsadaptierter Versorgungsstrategien für Menschen mit Querschnittlähmung unterstreichen. Zudem sollten gesundheitspolitische Maßnahmen darauf abzielen, bestehende Versorgungsunterschiede zwischen Ländern zu reduzieren und den Zugang zu präventiven sowie rehabilitativen Angeboten zu verbessern.“
Zur Studie (in englischer Sprache) geht es hier: Self-reported Secondary Health Conditions in Relation to Age and Time Living With Spinal Cord Injury: Results From the Second International Spinal Cord Injury Community Survey – Archives of Physical Medicine and Rehabilitation (externer Link)
Weitere Informationen
Eine Rückenmarksverletzung beeinflusst mehr oder weniger stark verschiedene Organe und Körperfunktionen. Komplikationen können in jeder Phase der Rehabilitation auftreten und Betroffene müssen über mögliche Folgeerkrankungen informiert sein, um in der Lage zu sein, Anzeichen zu erkennen, gegenzusteuern und prophylaktisch gegenzuwirken. Siehe hierzu: Komplikationen, Folge- und Begleiterkrankungen bei Querschnittlähmung – Der-Querschnitt.de
* Afrikanische Region (Südafrika), Amerika (Kanada, Kolumbien, Ecuador und Vereinigte Staaten), Östliches Mittelmeer (Iran, Jordanien, Marokko und Pakistan), Europa (Andorra, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, die Niederlande, Norwegen, Rumänien, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Türkei), Südostasien (Bangladesch, Indien, Indonesien, Myanmar und Thailand), sowie die Region Westpazifik (Australien, Malaysia, Neuseeland und Südkorea).
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