Wir verstehen uns – Gespräche mit medizinischen Fachpersonen

Nach dem Eintritt einer Querschnittlähmung muss man sich mit vielen Aspekten auseinandersetzen, die die eigene Gesundheit betreffen. Ein häufiger Austausch mit medizinischen Fachpersonen ist oft notwendig. Gut dann, wenn man sich versteht.

Die Arztvisite in der Klinik

Während eines Klinikaufenthaltes finden regelmäßig Arztvisiten statt, um allfällige Fragen zu stellen und Probleme anzusprechen, die man in naher Zukunft vor sich sieht. Ein weiterer wichtiger Teil ist, die geplante Behandlung und die einzuschlagende Therapie mit allen beteiligten Fachabteilungen zu besprechen, mit dem Ziel zu einem gegenseitigen Einverständnis zu gelangen.

Damit die Visite nutzbringend und effizient ist, ist es von Vorteil, wenn sich der Patient gut vorbereitet und eventuell auch eine Vertrauensperson einbezieht. Hilfreich ist, sich die Fragen aufzuschreiben, damit in der Nervosität nichts vergessen wird.

Am Ende eines Aufenthalts schreibt der Arzt einen umfassenden Austrittsbericht an den weiterbehandelnden Arzt, mit den Diagnosen und den Untersuchungsresultaten. Außerdem beinhaltet der Bericht den Verlauf der Behandlung sowie deren Resultate.

So läuft ein Arztgespräch

Bei der Anamnese befragt der Arzt den Patienten zunächst über dessen Krankheits- oder Heilungsverlauf seit der letzten Konsultation. Der Patient kann hier seine Probleme und Symptome genauestens schildern, so dass sich der Arzt daraus ein Bild machen kann, das ihn später zur Diagnose und dem entsprechenden Therapievorschlag führt.

Der Patient sollte eine Liste mit den Daten bzw. die Berichte von anderen, zusätzlichen (Fach-) Arztbesuchen mitbringen. Auch eine Liste der Medikamente (inklusive alternativmedizinischen Präparaten und Nahrungsergänzungsmitteln) und deren Dosierung ist hilfreich für die Entwicklung einer Behandlungsstrategie (Nebenwirkungen, Interaktionen, Potenzierung von Medikamenten, Überlastung der Leber/Niere etc.). Weitere Befunde wie Röntgenuntersuchung (CD mit den entsprechenden Bildern und Befunden) sind zum Arztbesuch mitzubringen.

Möglicherweise folgt jetzt eine Untersuchung durch Inspektion (Betrachten), Palpation (manuelles Abtasten), Perkussion (Beklopfen), Auskultation (Abhorchen mit dem Stethoskop), eine Funktionsuntersuchung (Bewegung, Kraft, Schmerz). Blut und weitere Körperflüssigkeiten werden bei Bedarf abgenommen.

Nach der Anamnese erfolgt die Diagnose des Arztes und das Gespräch mit dem Patienten.

Siehe auch: Sieben Tipps für das nächste Arztgespräch

Behandlungsstrategien

Der Arzt entwickelt jetzt eine oder mehrere Behandlungsstrategien und muss den Patienten über Art, Umfang, Durchführung, Risiken und zu erwartende Folgen der geplanten Maßnahmen aufklären sowie über ihre Notwendigkeit, Dringlichkeit, Eignung, Erfolgsaussicht und Alternativen informieren. Mögliche Behandlungsstrategien finden Leser in den Kategorien Para- und Tetraplegie und Therapie.

Als Patient ist man nicht verpflichtet, diesen Maßnahmen zuzustimmen.

Der Arzt muss aber auch die Gefahren einer Nichtbehandlung erläutern, die bei Querschnittlähmung erheblich sein können. Als Beispiel sei die Ausbildung einer Funktionshand (siehe: Die Funktionshand bei Querschnittlähmung) genannt, die bei Menschen mit neu eingetretener Tetraplegie zur Standardversorgung gehört. Die mehrere Monate dauernde Behandlung wird dringend empfohlen, doch können entscheidungsfähige Patienten diese auch ablehnen. Da nach einer Rückenmarksverletzung im Halswirbelbereich die Hand- und Fingerfunktion willentlich nicht mehr steuerbar ist, kommt es allerdings innerhalb von ca. drei Monaten zu Verformungen. Hand und Finger sind, ohne die Behandlung, im Alltag dann kaum noch einsetzbar und etwas zu greifen, bleibt unmöglich.

Behandlungsalternativen

Falls Behandlungsalternativen zur Verfügung stehen, sollten Therapeut und Patient gemeinsam abwägen, welche davon im speziellen Fall am sinnvollsten und erfolgversprechendsten sind.

Auch ist es wichtig zu besprechen, was der Patient selbst dazu beitragen kann, seine Gesundheit positiv zu beeinflussen. Ein wichtiger Punkt bei Querschnittlähmung ist hier z. B. die Hautkontrolle, Hautpflege und Druckentlastung. Prophylaxemaßnahmen (siehe: Druckstellen vorbeugen) fallen oft in den Verantwortungsbereich des Betroffenen und eigenverantwortliches und konsequentes Handeln ist gefragt.

Umfassende Dokumentation

Ein Arzt ist gesetzlich verpflichtet, bei jedem Besuch des Patienten einen (kurzen) Bericht zu erstellen. Eine Kopie jedes Berichtes (inkl. Laborresultaten, Röntgenberichten, etc.) darf und sollte der Patient einfordern.

Die gesammelte Dokumentation kann nicht nur hilfreich sein, wenn man selbst nochmals alles in Ruhe anschauen und verstehen möchte, sondern auch dann, wenn man eine Zweitmeinung einholen möchte. Es ist empfehlenswert sich eine eigene Krankenakte anzulegen mit den verschiedenen Arztberichten, Krankenhausentlassungsbericht etc, so dass bei Bedarf ein lückenloser Rückblick möglich ist. U.U. kann es sinnvoll sein, diese Dokumentation in eine verständlichere Form übersetzen zu lassen. Für das Wie siehe unten.

Schweigen ist Silber, Nachfragen Gold


Tetraplegiker Hendrik Radke erklärt in seinem Buch „How to survive: Die Klinik“:

Nachfragen bringt dich weiter. Denn irgendwann ist die Reha vorbei und du bist mehr oder weniger auf dich alleine gestellt. Dann wirst du froh sein, dass du dir Wissen angeeignet hast. Außerdem kannst du durch nachfragen eher verstehen, inwiefern es dich deinem großen Ziel näher bringt.

Dein neues Lieblingswort: „Warum“

Warum mache ich das? Warum geht es mir dadurch schlechter? Wie funktioniert die Technik? Was bringt mir das? „Warum“ sollte zu deinem neuen Lieblingswort werden.

Fachjargon besser verstehen

Manchmal ist es gar nicht so einfach zu verstehen, was Ärzte und Therapeuten sagen, denn Begriffe wie hepatotoxisch, Fissur oder Mykosen kommen nicht in jedem Gespräch vor. Auf Der-Querschnitt.de werden Fachbegriffe daher mit einer entsprechenden Erklärung verlinkt. Die über 1.200 querschnittrelevanten Fachbegriffe sind hier Rund um die Querschnittlähmung: Fachbegriffe von A-Z nachzulesen.

Auf dem Internetportal „Was hab‘ ich?“ übersetzen Medizinstudenten Arztbriefe und Befunde kostenlos vom Medizinerlatein ins Patientendeutsch, siehe: Internetportal übersetzt Medizinerlatein in verständliches Deutsch .


Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte, Therapien oder Mittel stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und ersetzen in keinem Fall eine Beratung oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch medizinische Fachpersonen.
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