Faszienbehandlung bei Querschnittlähmung

Die Faszientherapie kann in Form von Massagen und passiven Dehnungen erfolgen, und soll die evtl. verklebten oder verhärteten Bindegewebsstrukturen (Faszien) zu lösen. Auch Menschen mit Querschnittlähmung können von der Anwendung profitieren.

Was sind Faszien?

Faszien sind netzartige Bindegewebsschichten, die Muskeln, Organe und Knochen umhüllen. Sie erfüllen unterschiedliche Funktionen:

  • Faszien halten Organe, Knochen und Muskeln an ihrem Platz und geben dem Körper so Struktur und Halt.
  • Faszien schützen die von ihnen umhüllten Strukturen vor Verletzungen und vor dem Eindringen von Krankheitserregern.
  • Faszien unterstützen die Übertragung von Muskelkraft. Bei Muskelbewegung wird die ausgeübte Kraft mithilfe des Fasziennetzwerks in alle Bereiche des Körpers übertragen.

Mit zunehmendem Alter, aber auch durch Stress, ungünstige Bewegungsmuster oder Verletzungen kann die Funktionsfähigkeit der Faszien abnehmen. Die Gewebestränge können verkleben und verhärten, was die Beweglichkeit einschränkt und Schmerzen auslöst (netdoktor.de, 2026).

Besonders für Menschen mit Querschnittlähmung entstehen durch das tägliche Sitzen im Rollstuhl u.U. verklebte Faszien und dadurch z.B.:

  • erhöhte Spannung im Schulter-Nacken-Bereich
  • Schmerzen im Rücken
  • Bewegungseinschränkungen über die lähmungsbedingte Mobilitätseinschränkung hinaus
  • Druckprobleme im Gewebe.

Was ist eine Faszienbehandlung?

Bei der Faszienbehandlung unterscheidet man Faszientraining und Faszienmassage.

Das Faszientraining kann aktiv durchgeführt werden – die meisten Methoden sind, laut Heilpraktikerin und querschnitterfahrene Faszienbehandlerin Christina Gerster, für Menschen mit Querschnittlähmung aufgrund ihrer eingeschränkten Mobilität unterhalb der Läsionshöhe aber eher ungeeignet.

Bei der Faszienmassage wird das Gewebe durch starken Druck und Zug verschoben und gelockert. Das soll mögliche Verklebungen lösen und die Faszien weicher machen. „Ziel der Massage ist es auch, Flüssigkeit (und mit ihr mögliche Schadstoffe) aus den Faszien herauszupressen und so deren Ausleitung über das Lymphsystem zu stimulieren“, so Gerster. „Man geht zudem davon aus, dass sich die, durch die Druckmassage wie ein Schwamm ausgepressten Faszien, anschließend wieder mit frischer Flüssigkeit vollsaugen und so an Elastizität gewinnen.“

Ziele der Faszienbehandlung bei Querschnittlähmung sind:

  • Reduktion von Muskel- und Gewebespannung
  • Verbesserung der Beweglichkeit
  • Vorbeugung von Kontrakturen
  • Verbesserung der Körperwahrnehmung
  • Schmerzlinderung
  • Unterstützung der Atmung und Haltung
  • Verbesserung der Durchblutung
  • Lockerung von Narben- und Bindegewebe

Wirkung der Faszienbehandlung auf Menschen mit Querschnittlähmung

Es gibt bisher keine der Redaktion bekannten Untersuchungen, die die Wirksamkeit von Faszienbehandlungen auf die Gesundheit oder das Wohlbefinden von Menschen mit Querschnittlähmung belegen.

Es berichten aber viele Betroffene subjektiv über Erleichterung nach myofaszialer Behandlung oder manueller Therapie. Häufig erwähnt werden:

  • weniger Spastik oder subjektiv „weichere“ Muskulatur,
  • besseres Sitzgefühl,
  • verbesserte Beweglichkeit beim Transfer,
  • angenehmeres Körpergefühl,
  • manchmal auch bessere Atmung oder Verdauung

Einheitlich sind die Erfahrungen allerdings nicht. Manche Menschen berichten von einer reduzierten Spastik und reduzierten Schmerzen, andere sprechen von kurzfristig vermehrter Spastik aufgrund der intensiven Reizung.

Da nicht vorhersehbar ist, wie Einzelne auf die Faszienbehandlung reagieren, sollten Menschen mit Querschnittlähmung möglichst einen Therapeuten aufsuchen, der Erfahrungen mit neurologischen Erkrankungen bzw. Rückenmarksverletzungen hat und entsprechen reagieren kann, wenn z. B. Spastik während der Behandlung auftritt. Da die Faszienbehandlung zu den physikalischen Therapien zählt, sind Physiotherapeuten – evtl. im nächstgelegenen Querschnittgelähmtenzentrum – die richtige Anlaufstelle für Fragen und mögliche Behandlungen. 

Extratipp: Ernährung für gesunde Faszien


Auch das Bindegewebe profitiert von einer ausgewogenen, nährstoffreichen Ernährung (siehe: Ernährung und Querschnittlähmung) und ausreichender Trinkmenge (siehe: Richtig Trinken bei Querschnittlähmung).

  • Vitamine & Mineralien: Vitamin C (Zitrusfrüchte, Paprika) für die Kollagenbildung; Silizium (Hirse, Hafer, Bananen) für Struktur; Magnesium & Calcium (Nüsse, Blattgemüse)
  • Proteine: Omega-3-Fettsäuren (Lachs, Leinöl, Avocado) und hochwertige Proteine (Huhn, Fisch, Hülsenfrüchte)
  • Kräuter & Gewürze: Kurkuma, Ingwer, Zimt und Knoblauch wirken entzündungshemmend


Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte, Therapien oder Mittel stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und ersetzen in keinem Fall eine Beratung oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch medizinische Fachpersonen.
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