Ganz schön anziehend: Anziehhilfen
Knopfschließer und Sockenanzieher sind keine neuen Berufsbilder. Vielmehr ersetzen diese durchdachten Gegenstände die Hilfe von Assistenten beim An- und Ausziehen. Die Anziehhilfen geben Menschen mit Querschnittlähmung und/oder eingeschränkter Arm- und Handfunktion im Alltag ein Stück Selbstständigkeit.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Hilfsmittel auf dem Markt, die Verluste in der Fein- und Grobmotorik kompensieren sollen. Dazu gehören Greifzangen, Strumpfanzieher oder Schuhlöffel, aber auch die Kleidung selbst kann angepasst werden. Klettbänder statt Schleifen, elastische Schnürsenkel oder Reißverschlüsse mit Zipper: Was nicht passt, wird passend gemacht.
Von Kopf bis Fuß
Der Text stellt eine Auswahl trickreicher Erfindungen für Menschen mit Bewegungseinschränkungen vor, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Positive Erfahrungen mit anderen Hilfsmitteln, Tricks und Anregungen nimmt die Redaktion gerne entgegen. Darüber hinaus gilt immer: Patentrezepte gibt es nicht und das Ausprobieren in der Praxis bleibt entscheidend, um die richtigen Hilfsgegenstände für sich selbst zu finden.
Verlängerter Arm
Anziehstöcke aus Holz oder Kunststoff mit Haken an einem Ende können Kleidungsstücke über Stellen ziehen, an die eigene Arm nicht kommt.
Knöpfhilfe
Mithilfe einer Schlaufe lassen sich Knöpfe mit nur einer Hand schließen.
Zipper
Machen auch winzige Reißverschlussenden greifbar. Es gibt sie in unterschiedlichen Ausführungen, z. B. als Ringe oder Schnüre, die man am ursprünglichen Reißverschluss befestigt.
Aus der Schweiz kommt die Reißverschluss-Zusammenführhilfe „ZipUp“. Auf Jacken oder an den Hosenbund werden zwei kleine, mit Bügeln verstärkte Taschen angebracht, in die man die Daumen stecken kann. So können die beiden Enden des Reißverschlusses kontrolliert und gezielt zusammengebracht und mit einem Ring am Reißverschluss-Schlitten hochgezogen werden. „ZipUP“ ist immer eine Spezialanfertigung, die eine Spezial-Schneiderei – möglichst passend zum Stoff des Kleidungsstückes – anbringt. Mehr Details auf der Seite des Herstellers: Alltagshilfen für eingeschränkte Fähigkeiten. Hinweis: Dieses Hilfsmittel wird nur innerhalb der Schweiz verschickt, eine Lieferung in andere Länder ist nicht möglich.
BH-Verschluss
Die „Buckingham BH Anziehhilfe“ ist versehen mit einem Herz und ermöglicht das Schließen eines BHs mit nur einer Hand. Gesehen u.a. auf (externer Link) Buckingham BH Anziehhilfe – Alltagshilfen24.com. Weitere Produkte und Methoden stellt der Beitrag So schließt man den BH bei eingeschränkter Handfunktion – Der-Querschnitt.de vor.
Greifzange
Sie ist bei allen möglichen Verrichtungen im Alltag hilfreich, eignet sich mit zusätzlichen Haken aber besonders für das Heranholen von Kleidungsstücken. Einige Modelle schonen durch eine verstellbare Unterarmstütze das Handgelenk.
Unterwäschehelfer
Wer sich nicht genug nach vorne beugen kann, um Unterhosen über die Beine zu ziehen, spannt diese über einen Unterwäschehelfer. Das Gestell überbrückt die Entfernung bis zu den Fußspitzen und macht so das Übersteifen möglich.
Strumpfanzieher
Hier gibt es je nach Bewegungsmöglichkeiten verschiedene Modelle, auch als Hilfe zum Strumpf-Ausziehen:
- Strumpfanzieher (Gestell): Auf dieselbe Weise wie der Unterwäschehelfer funktioniert auch diese Ausführung. Man stülpt den Strumpf über das Gestell. Er dehnt sich dabei so, dass der Fuß leicht hineinkommt. Es gibt ihn auch für Kompressionsstrümpfe.
- Strumpfanzieher/Schuhlöffel-Kombination: Ausgestattet mit einem Kragen, über den der Strumpf gezogen wird, hilft der lange Löffel beim Anziehen von Socken oder Strümpfen, wenn ein Nachvornebeugen nicht möglich ist.
- Strumpfanzieher mit Bändern: Er ist ggf. leichter zu halten als der Griff eines Schuhlöffels, flexibler, aber auch schwerer zu steuern.
- Gleithilfen für Kompressionsstrümpfe: Nylon oder ähnlich glattes und dünnes Material erleichtert das Überziehen von engen Strümpfen und kann bei offener Fußspitze nach unten, bei geschlossener Fußspitze nach oben wieder abgelegt werden.
- Auch eine Idee: Die Socken mit Schlaufen oder Ösen oben am Bündchen, die Menschen mit eingeschränkter Fingerfunktion das An- und Hochziehen der Socken erleichtern.
Schuhlöffel
Unterschiedlich lang, stufenlos einstellbar, mit Haken oder Schlaufen oder rutschfestem Griff erhältlich. Es gibt auch Kombinationen von Schuhlöffel und Greifzange, sodass der Schuh zuerst in Position gebracht und dann mit dem Löffel übergezogen werden kann.
Elastische Schnürsenkel
Sie machen aus einem Schnürschuh einen Slipper, weil man sie nur einmal passend knoten muss und sie sich beim nächsten Mal mitdehnen.
Eine andere Variante, die das Binden von Schleifen unnötig macht, sind spiralförmige Schnürsenkel, die ohne Bindung straff oder locker im Schuh halten, oder handelsübliche Fixierungen in Form von Sperren aus Kunststoff, die bereits vielfach an Kleidung zu finden sind.
Spezialschuhe
Sie sind häufig sehr weit zu öffnen und erleichtern damit das Reinschlüpfen. Zudem wurde bei ihnen an Klettverschlüsse und Polsterungen gedacht. Sie sind aber keine orthopädischen Maßschuhe, sondern „von der Stange“ in verschiedenen Größen erhältlich.
Kosten
Im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes laufen Anziehhilfen unter dem Stichwort „Adaptionshilfen“ (Produktgruppe 02). In vielen Fällen übernehmen also die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) die Kosten, wenn eine entsprechende Verordnung vorliegt. (siehe auch: Medizinische Hilfsmittel)
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Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und wurden, falls nicht anders vermerkt, nicht von der Redaktion getestet. Der Beitrag ersetzt in keinem Fall eine Beratung oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch Fachpersonen. Ob und in welchem Umfang private Krankenkassen die Kosten für Hilfsmittel, Therapien o.ä. übernehmen, ist individuell in der jeweiligen Police geregelt. Allgemeingültige Aussagen können daher nicht getroffen werden.
