Kohlensäure: Vor- und Nachteile der Blubber-Bläschen

Für Menschen mit Querschnittlähmung sind Verdauung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Gewichtsregulation immer ein Thema. Eine kleine chemische Verbindung kann bei all diesen Aspekten eine Rolle spielen: Die Kohlensäure. Die Blubber-Bläschen haben einige positive Eigenschaften, aber es gibt auch Negatives zu berichten.

Wenn Kohlendioxid (CO2) und Wasser (H2O) sich zusammentun, entsteht Kohlensäure (H2CO3). Die kleinen Blubberbläschen kommen auch in der Natur vor. In vulkanischen Regionen – zum Beispiel der Eifel – entstand durch das Abkühlen von Magma in tiefen Erdschichten Kohlenstoffdioxid. Dieses Gas wandert durch die Erdschichten nach oben, trifft es auf eine wasserführende Schicht, bindet das H2O das CO2 . Und fertig ist das natürliche Mineralwasser mit Blubber, das in diesem Falle Quell-Kohlensäure genannt wird. (Für mehr Informationen zum Thema Wasser siehe Mineralwasser – mehr als nur Durstlöscher – Der-Querschnitt.de)

Auch bei Gärungsprozessen – zum Beispiel bei Sekt oder Bier – entsteht auf natürlichem Wege Kohlensäure. Häufiger jedoch wird die Kohlensäure Getränken aktiv zugesetzt. Dies verändert das „Trinkerlebnis“ auf der Zunge.

Aber ursprünglich diente das Verfahren dazu, abgefülltes Brunnenwasser haltbarer zu machen. Als Erfinder des Verfahrens gilt der hessische Uhrmacher Jacob Schweppe (1740 bis 1821), der ein Verfahren entwickelte, um Wasser mit Kohlensäure zu versetzen. Sein Name lebt bis heute auf den Flaschen mit blubbernden Getränken wie Tonic-Water oder Bitter-Lemon.

Kohlensäure: Geschmacks- und Verdauungsbooster

Gerade Menschen mit Querschnittlähmung müssen ausreichend trinken. (Siehe auch Richtig trinken bei Querschnittlähmung – Der-Querschnitt.de). Manche schwören dabei auf stilles Wasser, andere lieben das Prickeln auf der Zunge, wenn sie Mineralwasser mit Blubber oder Wasser aus dem Sprudler trinken.

Aber Kohlensäure kann mehr. Es hat angeblich Auswirkungen auf den Organismus. Immer wieder, und auch in aktuellen Veröffentlichungen, wird über das Pro und Contra diskutiert.

Einige Positiv-Punkte

Die Organisation der Deutschen Heilbrunnen nennt in einem Factsheet einige Punkte, die für kohlensäurehaltige Getränke sprechen. Sie werden im Folgenden wörtlich wiedergegeben. Vieles davon könnte besonders auch für Menschen mit Querschnittlähmung interessant sein:

  • Geschmacksturbo
    Kohlensäure sorgt für einen angenehm frischen Geschmack, denn sie prickelt nicht nur leicht säuerlich, sondern reinigt auch die Geschmackspapillen und macht sie dadurch sensibler. Zudem wird die Mundschleimhaut besser durchblutet und die Speichelproduktion angeregt.
  • Mineralstoffträger
    Enthalten Mineral- und Heilwässer viel natürliche Kohlensäure, sind sie meistens auch sehr mineralstoffreich. Denn bei ihrer Entstehung tief in der Erde werden durch Kohlensäure besonders viele Mineralstoffe aus dem Gestein gelöst.
  • Verdauungsbooster
    Kohlensäure regt die Magenmuskulatur an und bringt die Nahrung zügiger voran. Zugleich fördert Kohlensäure die Durchblutung der Magenschleimhaut und sorgt dafür, dass mehr Verdauungssäfte gebildet werden.
  • Abnehmhilfe
    Kohlensäurereiches Wasser kann beim Abnehmen helfen. Wenn der Magen durch Kohlensäure leicht gedehnt wird, fühlen wir uns automatisch satter. Eine Studie hat gezeigt, dass Menschen bei den Mahlzeiten weniger aßen, wenn sie kohlensäurehaltiges Wasser getrunken hatten.
  • Schluckhelfer
    Kohlensäure aktiviert auch die Schluckmuskeln. So bewirkt sie, dass wir schneller und stärker schlucken, wie Studien zeigen. Für Menschen mit Schluckbeschwerden kann es also hilfreich sein, ein kohlensäurehaltiges Mineral- oder Heilwasser zu trinken.
  • Harnwegsreiniger
    Kohlensäurehaltige Heilwässer spülen die Harnwege, verdünnen den Harn und fördern seine Ausscheidung. So können sie helfen, Blasenentzündungen und Harnsteinen vorzubeugen oder bei der Behandlung unterstützen.

Das komplette Factsheet mit allen Punkten kann man unter diesem externen Link nachlesen:  Zehn Fakten zu Kohlensäure ~ Heilwasser.com.

Die Krankenkasse AOK nennt in ihrem Gesundheitsmagazin ähnliche Punkte. Sie weist zudem darauf hin, dass Wasser, das mit Kohlensäure versetzt ist, dank des prickelnden Mundgefühls Trinkmuffel eventuell dazu animieren kann, mehr (sprich: ausreichend) zu trinken.

Auswirkungen auf den Stoffwechsel

Aus Japan kommt zudem eine aktuelle Studie, die zumindest andeutet, dass kohlensäurehaltiges Wasser eine Gewichtsreduktion unterstützen könnte. Der Verfasser, Dr. Akira Takahashi vom Dialysis Center am Tesseikai Neurosurgery Hospital, kommt zu dem Schluss, dass die Kohlensäure die Gewichtsabnahme fördern könnte, indem es die Glukoseaufnahme und den Stoffwechsel in den roten Blutkörperchen beeinflusse. Die Menge sei jedoch so gering, dass es schwierig sei, durch das CO2 im Wasser Gewichtsverlusteffekte zu erwarten. Zudem vermerkt er, dass das Trinken von kohlensäurehaltigem Wasser – vor allem von Wasser mit hohem Natrium-Gehalt – sich auf den Blutzuckerspiegel auswirken könne. Andere Fachpublikationen, zum Beispiel das Deutsche Ärzteblatt, berichten über die Ergebnisse – und fordern weitere Forschungen. (Siehe externer Link: Kohlensäure­haltiges Wasser – fraglicher Nutzen beim Abnehmen – News – Deutsches Ärzteblatt.)

Mit Vorsicht zu Genießen

So positiv sich die Eigenschaften von kohlesäurehaltigem Wasser auf den ersten Blick auch lesen – es gibt durchaus auch Punkte, die gegen seinen Genuss sprechen.

Vor allem bei Menschen, die Reflux und Aufstoßen, beziehungsweise Sodbrennen, aber Blähungen und Magenbeschwerden plagen. Und von diesen gibt es in der Gruppe der Querschnittgelähmten viele. (Siehe dazu auch Fünf Dinge, die man bei Sodbrennen tun kann – Der-Querschnitt.de)

Bei dieser Personengruppe kann der Genuss kohlensäurehaltiger Getränke die Probleme noch verstärken. Der Mechanismus dahinter: Die Kohlensäure kann den Druck im Magen erhöhen und dadurch kann Magensäure in die Speiseröhre gedrückt werden.

Sie sollten also sorgfältig abwägen, bestenfalls mit ihrem Arzt Rücksprache halten, ob sie einen Versuch mit kohlensäurehaltigem Wasser wagen, um zum Beispiel ihre Verdauung auf Trab zu bringen.

Wer zu Magendrücken oder Blähungen neigt, sollte, so die Empfehlung der „Deutschen Heilwasser“ kohlensäurereiches Wasser entweder schluckweise trinken oder eben doch zu einem stillen Wasser greifen. Und er sollte auf die Art des Wassers achten: „Heilwässer enthalten in der Regel deutlich weniger Kohlensäure als klassischer Sprudel und wirken dadurch auf sanfte Weise“.

Knochendichte und Übersäuerung

Häufig steht Kohlensäure auch unter dem Verdacht, zur Übersäuerung des Körpers beizutragen. Für diese These scheint es keine wissenschaftlich fundierte Bestätigung zu geben. Vielmehr trennt sich die Kohlensäure im Körper wieder in Kohlendioxid und Wasser auf. Das Kohlendioxid wird einfach ausgeatmet.

Und auch die Angst, Kohlensäure könnte sich negativ auf die Knochendichte auswirken, scheint unbegründet. Das AOK-Gesundheitsmagazin betont, dass es auch für diese These keine wissenschaftlichen Beweise gebe.

Softdrinks versus Wasser

Aber eine Säure, wenn auch eine sehr flüchtige, bleibt die Kohlensäure dennoch. Weshalb sie offenbar zu einer Schädigung von Zahnmaterial führen könnte. Die eigentlichen Zahnschmelzkiller entstehen jedoch, wenn sich zur Kohlensäure andere Säuren (zum Beispiel Zitronensäure, Phosphorsäure) und/oder Zucker gesellen.

Weshalb es vermutlich sehr clever ist, möglichst wenige Limonaden zu trinken, und stattdessen zu Wasser zu greifen. Wem das auf Dauer zu langweilig ist, kann dem Wasser zum Beispiel mit Kräutern oder winzigen Mengen Saft Geschmack verleihen. Einige Anregungen dazu gibt der Beitrag Den Flüssigkeitsbedarf decken mit aromatisiertem Wasser – Der-Querschnitt.de.


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