Methode der Katheterisierung kann u.U. neurogene Blase beeinflussen
Dauerkatheder oder intermittierende Katheterisierung (IK)? Hat diese Entscheidung auch Auswirkungen auf die Regeneration der Blasenfunktion? Mit diesen Fragen setzte sich ein Forscherteam aus Baltimore auseinander. Ergebnis: Wer in der Klinik an den IK herangeführt wurde, besaß eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Jahres die Blasenkontrolle wiederzuerlangen, als jemand, der mit Dauerkatheter aus der Klinik entlassen wurde.

Rund 80% aller Menschen mit Querschnittlähmung sind von Neurogenen Blasenfunktionsstörungen betroffen. Dies wirkt sich häufig stark auf die Lebensqualität sowie auf die Autonomie des querschnittgelähmten Menschen aus. Aber auch auf seine Gesundheit: Die Dysfunktion kann Harnwegsinfektionen oder Nierenkomplikationen zur Folge haben.
Die Wiederherstellung der willentlichen Blasenkontrolle sollte daher ein wichtiges Ziel der Rehabilitation sein. Grundlegende Voraussetzung: Sofern dies hinsichtlich der Lähmungshöhe und -ausprägung (komplett oder inkomplett) überhaupt möglich ist.
Empfohlen als Infektionsprävention
Aktuelle Leitlinien – so die Forscher in ihrem Abstrakt -empfehlen eine intermittierende Katheterisierung in erster Linie zur Infektionsprävention. (Siehe dazu auch die Beiträge Intermittierender Katheterismus: Standards und Hilfsmittel – Der-Querschnitt.de, Harnwegsinfektionen bei Querschnittlähmung: erkennen – behandeln – vorbeugen – Der-Querschnitt.de sowie Neurogene Blasenfunktionsstörungen: Konservative Therapien – Der-Querschnitt.de).
Doch die Frage, wie groß der potenzielle Einfluss auf die Wiederherstellung der willentlichen Blasenkontrolle ist, sei noch weitestgehend unbeantwortet.
Willentliche Blasenentleerung möglich?
Deshalb wollte das Forscherteam herausfinden, ob und inwiefern eine intermittierende Katheterisierung im Vergleich zur Dauerkatheterisierung „mit einer höheren Wahrscheinlichkeit verbunden ist, die willentliche Blasenkontrolle innerhalb von 1 Jahr nach der Entlassung bei Personen mit Querschnittlähmung wiederzuerlangen“. Wichtiger weiterer Aspekt: Zugleich wollten sie Hinweise darauf finden, „ob die beobachteten Vorteile spezifisch für die Blasenfunktion sind oder auf eine allgemeine neurologische Verbesserung zurückzuführen sind“.
Retrospektivische Datenanalyse
Für ihre Datenanalyse im Oktober 2024 verwendeten sie in einer retrospektiven Kohortenstudie Daten aus Rehabilitationszentren, die mit den National Spinal Cord Injury Model Systems verbunden sind und verschiedene klinische Umgebungen in den USA repräsentieren (2011-2021). (Siehe dazu auch Beitrag: MSKTC: Wissenstransfer für ein besseres Leben mit Querschnittlähmung – Der-Querschnitt.de). Die Teilnehmer waren Erwachsene mit traumatischer Rückenmarksverletzung, die aus der Klinik entweder mit Verweil- oder intermittierender Katheterisierung als primäres Blasenmanagement entlassen wurden.
Für die Forscher wichtig waren zwei Aspekte: Primär die Wiederherstellung der willentlichen Blasenkontrolle nach 1 Jahr. Parallel dazu analysierten und dokumentierten sie Verbesserungen der sakralen motorischen und sensorischen Funktion, um die Spezifität der beobachteten Vorteile für die Blasenfunktion zu beurteilen.
Betrachtet wurden zunächst insgesamt 1032 Teilnehmer. Die Anwendung mathematisch-statistischer Berechnungen machte die Ergebnisse annähernd vergleichbar. Was in der Studie fehlt, sind detaillierte Aussagen über einen etwaigen Zusammenhang zwischen Höhe und Ausmaß der Lähmung und Wiederherstellung der Blasenfunktion.
Signifikante Auswirkungen
Das Ergebnis in Kurzform: Die intermittierende Katheterisierung war mit einer höheren Rate der Wiederherstellung der Blasenkontrolle (88 von 1032 Patienten, 17,1 %) verbunden als die Verweilkatheterisierung (60 Patienten, 11,6 %). Daraus schlussfolgern die Forscher, dass die Wahl der Katheterisierungsmethode „signifikant mit der Wiederherstellung der Blasenfunktion nach einer Rückenmarksverletzung verbunden“ sei, „was die Priorisierung der intermittierenden Katheterisierung zur Optimierung der Patientenergebnisse unterstützt“.
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