Mit Querschnittlähmung: Der erste Flug ins All

Am 20. Dezember 2025 flog Luft- und Raumfahrtingenieurin Michaela Benthaus als erste Person mit Querschnittlähmung ins All. 11 Minuten dauerte der Flug im Weltraum.

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Blue Origin plante ursprünglich für den 18. Dezember, dann für den 20. Dezember 2025 den Start der New-Shepard-Mission NS-37. Der Flug dauerte nur etwa elf Minuten, dann landete die Kapsel wieder am Weltraumbahnhof Van Horn in der Wüste von West-Texas, USA. Die Rakete „New Shepard NS-37“ gehört zum Raumfahrtunternehmen „Blue Origin“ von Amazon-Gründer Jeff Bezos.

Benthaus‘ Mission: Herausfinden, welche Bedürfnisse Menschen mit eingeschränkter Mobilität an die Barrierefreiheit in einer Raumkapsel haben.

Über Michaela Benthaus

Benthaus, Luft- und Raumfahrt- sowie Mechatronikingenieurin bei der Europäischen Weltraumorganisation, hat ihre Karriere der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zum Fortschritt der interplanetaren Erforschung gewidmet. Seit einem Mountainbike-Unfall im Jahr 2018 ist sie querschnittgelähmt und im Rollstuhl mobil. Als Teil ihrer beruflichen Mission setzt sie sich für einen barrierefreien Zugang zum Weltraum ein. 2022 war sie an Bord eines Zero-G-Forschungsfluges und absolvierte eine analoge Astronautenmission.

Fun Fact: Urinieren in der Schwerelosigkeit

Ein interessantes Detail aus dem Alltag von Raumfahrern ist, dass Menschen, die (ohnehin schon) wissen wie man einen Katheter zum Entleeren der Blase verwendet, klar im Vorteil sind.

Der Harndrang ist in der Schwerelosigkeit anders

„Ohne Schwerkraft kann sich der Urin nicht nach und nach in der Blase ansammeln. Stattdessen wird die Oberflächenspannung der Flüssigkeit zur dominierenden Kraft. Mit der Folge, dass der Urin seitlich an der Blasenwand haftet. Im Gegensatz zur irdischen Variante gibt es in der Schwerelosigkeit keine verschiedenen, sich langsam aufbauenden Stufen des Harndrangs. Dass es zu einer Entleerung kommen muss, wird stattdessen erst dann bemerkt, wenn die Blase bereits vollständig gefüllt ist – und dann darf auch schon keine Zeit mehr verloren werden. Während ein Mensch auf der Erde das Wasserlassen auch noch eine gewisse Zeit nach dem ersten Harndrang hinauszögern kann, ist das in der Schwerelosigkeit nicht möglich. Als Lösung bewährt hat sich ein sogenanntes Miktionsprotokoll. In diesem werden die Zeiten festgelegt, zu denen die Blase zu entleeren ist – ganz unabhängig von einem Harndrang.“ Miktionsprotokolle kennen ja auch viele Menschen mit Querschnittlähmung schon.  „Interessanterweise treten bei Flügen ins Weltall vor allem in den ersten 48 Stunden Probleme auf. Zumeist kann während dieser Umstellungsphase auf die Schwerelosigkeit die Blase nie ganz komplett geleert werden; der medizinische Begriff dafür ist Harnverhalt. Grundsätzlich legt die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA Wert darauf, dass jeder Astronaut in der Lage ist, sich selbst einen Katheter zu legen (Sommer, 2024).“

Siehe auch eine Einschätzung von Aktivist Raul Krauthausen: Deutsche Rollstuhlfahrerin fliegt ins All – Zeichen der Inklusion – News – SRF