Was Rollstuhlsport bewirken kann

Sport bedeutet weit mehr als Bewegung, Wettkampf und körperliche Fitness. Gerade im Rollstuhlsport zeigt sich immer wieder, dass sportliche Aktivität Menschen stärkt, verbindet und neue Perspektiven eröffnet. Sie fördert Selbstvertrauen, soziale Teilhabe und persönliche Entwicklung – Fähigkeiten, die weit über das Spielfeld hinaus wirken. Die Kolumne von Lars Pickardt vom Deutschen Rollstuhl-Sportverband verdeutlicht, warum Sport ein wichtiger Baustein für ein selbstbestimmtes Leben ist und weshalb seine gesellschaftliche Bedeutung stärker in den Mittelpunkt rücken sollte.

Im Rahmen der Bewerbung um die Spiele und auch in der Diskussion über das Sportfördergesetz, sowie unserer Verlängerung der Kooperation mit den BG Kliniken und der BG Klinik Holding, wird immer wieder über die positive Wirkung des Sportes gesprochen, der über die eigentliche körperliche Aktivität hinaus geht.

Ich bin mir sicher, dass wir alle grundsätzlich wissen, was damit gemeint ist. Aber vielleicht ist es gerade in der aktuellen Zeit noch einmal wichtig, dies nicht als Worthülse stehen zu lassen, sondern sich bewusst einmal die Zeit zu nehmen, um dies auch noch einmal auszusprechen. Auch weil es dann noch einmal deutlicher aufzeigt, was wir mit dem Sport bewirken können. Daher im Folgenden mal ein Versuch, es halbwegs übersichtlich darzustellen, ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit. Jede und jeder Aktive im DRS könnte diese Liste aus meiner Sicht sinnvoll ergänzen, und noch viel wichtiger, könnte hierzu ganz viele Beispiele nennen. Daher hier wirklich noch einmal der Aufruf, es auch wirklich deutlich auszusprechen und auszuformulieren, was der Sport leistet und leisten kann. Wir sollten hier den Mut haben und nicht in Andeutungen stecken bleiben!

Psychologische Vorteile von Sport

  • Stärkung des Selbstbewusstseins
    Das Erreichen von persönlichen Zielen und die Verbesserung der Fitness durch regelmäßige Bewegung steigern das Selbstvertrauen und fördern ein positives Selbstbild.
  • Reduzierung von Stress und Ängsten
    Körperliche Aktivität kann Symptome von Stress, Angstzuständen und Depressionen verringern und die kognitiven Funktionen verbessern.
  • Verbesserung des Wohlbefindens
    Der Sport löst die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Dopamin aus, was zu einer Verbesserung der Stimmung und des allgemeinen Wohlbefindens beiträgt.
  • Nachhaltigkeit
    Im Sport wird auch gelernt, alle Option abzuwägen und dann den besten Kompromiss einzugehen. Und diesen dann auch über eine längere Zeit durchzuhalten.

Soziale Kompetenzen durch Sport

  • Förderung von Teamfähigkeit
    Mannschaftssportarten lehren Kommunikation, gegenseitige Unterstützung und Vertrauen, was für den gemeinsamen Erfolg unerlässlich ist und auf berufliche Situationen übertragbar ist. Im Rollstuhlsport wird hier die Komponente des Peeransatzes, sprich des voneinander lernen, ergänzt.
  • Stärkung der Sozialkompetenz
    Sport kann soziale Kontakte fördern, lehrt den Umgang mit anderen Menschen und wirkt Einsamkeit entgegen.
  • Selbstbestimmte Teilhabe
    Der Sport kann und ist ein sehr gutes Beispiel, wie selbstbestimmte Teilhabe gelingen kann und somit die UN-Behindertenrechtskonvention rein inhaltlich auch mit Leben gefüllt werden kann. Sowohl in homogenen als auch in heterogenen Gruppen.

Lebenskompetenzen und charakterliche Stärkung durch Sport

  • Entwicklung von Durchhaltevermögen und Disziplin
    Sportliche Herausforderungen zu meistern, lehrt, mit Rückschlägen umzugehen und die eigenen Fähigkeiten kontinuierlich zu verbessern. Und bei Siegen lernt man die Bodenhaftung nicht zu verlieren und weiterhin Teil des Ganzen zu sein.
  • Erlernen von Zielstrebigkeit
    Die Verfolgung von sportlichen Zielen fördert die Motivation, Zielstrebigkeit und Lernbereitschaft.
  • Förderung von Resilienz
    Die Fähigkeit, mit Leistungsdruck und Herausforderungen umzugehen, wird durch Sport gestärkt.
  • Erlernen von Mobilität
    Im und durch den Sport erlerne ich den richtigen Umgang mit dem Rollstuhl, was sich positiv gerade auch auf den Alltag auswirkt.

Der Text von Lars Pickardt wurde in Ausgabe 7/2026 der Zeitschrift „Sport + Mobilität im Rollstuhl“, der Informationsschrift des Deutschen Rollstuhl-Sportverbands (DRS) erstveröffentlicht. Die Redaktion von Der-Querschnitt.de bedankt sich herzlich für die Zustimmung zur Zweitveröffentlichung.