Bürokratie bei Hilfsmittelversorgung: „Verschwendung von Ressourcen an Personal, Zeit und Kosten zulasten der Patienten“
Hinter der Hilfsmittelversorgung steckt viel Bürokratie: Der Verband BIV-OT verwaltet allein im Hilfsmittelbereich 380.000 Verträge. Diese sind gesetzlich vorgeschrieben, damit die 4.500 Sanitätshäuser ihre Patienten überhaupt mit Hilfsmitteln beliefern dürfen.

Die 380.000 Verträge müssen der BIV-OT und die 96 Gesetzlichen Krankenversicherungen verhandeln. Außerdem müssen die Mitgliedsbetrieben sie zeichnen, erfüllen und abrechnen. Den Gesetzlichen Krankenversicherungen obliegt dann wiederum die Kontrolle der 380.000 Verträge. Welche Verträge mit welchen Details für den einzelnen Patienten gelten, ist für diesen nicht nachvollziehbar, konstatiert eine Pressemeldung Bundesinnungsverbandes.
„Was für eine Verschwendung von Ressourcen an Personal, Zeit und Kosten zulasten der Patienten, die wir uns als Gesellschaft angesichts steigender Versorgungskosten und des Fachkräftemangels nicht länger leisten können“, erklärte Alf Reuter, Präsident des BIV-OT, im Rahmen einer Jahresauftakt-Veranstaltung.
Die Zahlen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) von 2021 zeigten, dass der Fachkräftemangel im Bereich Orthopädietechnik und Sanitätshaus sogar größer ist als im Bereich der Pflege. Eine Umfrage des Bündnisses „Wir versorgen Deutschland“, zu dem der BIV-OT gehört, ergab im November 2022, dass mehr als 90 Prozent der orthopädietechnischen Betriebe und Sanitätshäuser qualifizierte Mitarbeiter für die Versorgung der Patienten fehlen.
Personal fehlt
„Unseren Betrieben fehlt in der Hauptsache das Personal, um die wohnortnahe Versorgung der GKV-versicherten Patienten sicherzustellen. Sie brauchen Meister, die die Verordnungen der Ärzte verstehen, sich mit den Ärzten unterhalten und die Versorgung verantworten können – ebenso wie Gesellen, die unter ihrer Aufsicht die entsprechenden Hilfsmittel anfertigen oder als Sanitätshausfachverkäufer die bedarfsgerechte Auswahl aus dem Sortiment ebenso wie das Anmessen und Abnehmen beherrschen, statt sich mit einem Wust an Verträgen herumzuschlagen“, erläutert Alf Reuter. „Eine Reform der Hilfsmittelversorgung in Deutschland muss dringend auf den Weg gebracht werden, um diesen Irrsinn zu stoppen und endlich wieder die auf Hilfsmittel angewiesenen Millionen Menschen in den Vordergrund zu stellen.“