Eiweißbedarf bei Querschnittlähmung
Der Eiweißbedarf von Menschen mit Querschnittlähmung ist prozentual höher als der von anderen. Wenn ein Dekubitus aufgetreten ist, erhöht sich der Bedarf noch mehr.

Eiweiße, auch Proteine genannt, gehören neben Kohlehydraten und Fett zu den Makronährstoffen und erfüllen wichtige Aufgaben im Körper. Ein Protein setzt sich in einer Vielzahl von Kombinationen aus 20 verschiedenen Aminosäuren zusammen, von denen für den Menschen acht essenziell und zwei semi-essenziell sind. Die essenziellen Aminosäuren kann der Körper nicht selbst herstellen, sie müssen über die Nahrung zugeführt werden (die beiden semi-essenziellen nur in bestimmten Situationen, z. B. während des Wachstums). Die nichtessenziellen Aminosäuren kann der Körper durch Umbau von essenziellen Aminosäuren selbst produzieren.
Im Körper haben Eiweiße bzw. die Aminosäuren, aus denen sie zusammengesetzt sind, wichtige Aufgaben. Sie sind z.B. an der Bildung von Muskeln und Knochen beteiligt. Außerdem spielen sie eine wichtige Rolle bei:
- Transport von Fett und Sauerstoff
- Aufnahme von Eisen
- Muskelfunktion
- Abwehr von Krankheitserregern
- Reparatur defekter Zellen
- Gesundheit von Haut, Haare und Nägeln
- Herstellung von Bindegewebe und Knorpeln
Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollte die durchschnittliche Menge an Eiweiß, die man täglich zu sich nimmt, etwa 15% der gesamten aufgenommenen Nahrung stellen. Für Menschen mit Querschnittlähmung sind die Zahlen etwas nach oben revidiert worden, sodass die empfohlene Menge bei 15-20% der täglichen Nahrung liegt.
Dies entspricht 0,8 bis 1,0 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht.
Berechnungsgrundlage: Körpergewicht = Normalgewicht
Wichtig ist zu erwähnen, dass mit „Körpergewicht“ das Normalgewicht gemeint ist. Menschen, deren Körpergewicht aufgrund von gespeichertem Körperfett erhöht ist, haben nicht automatisch einen höheren Eiweißbedarf als normalgewichtige Menschen.
Sonderfall Dekubitus
Menschen mit Querschnittlähmung haben aufgrund der eingeschränkten Sensibilität unterhalb der Lähmungshöhe ein besonderes Risiko Druckstellen zu entwickeln. Wenn Druckstellen vorliegen, erhöht sich die empfohlene Menge an aufzunehmendem Protein zusätzlich und zwar abhängig vom Grad des Dekubitus gemessen am sog. Stressfaktor, der abhängig ist, vom Grad des Dekubitus.
- Bei Dekubitus Grad 2 gilt ein Stressfaktor von 1,2; Der Eiweißbedarf liegt bei 1,2 -1,5 g pro kg Körpergewicht.
- Bei Dekubitus Grad 3 und 4 gilt ein Stressfaktor von 1,5; Der Eiweißbedarf liegt bei 1,5 -2 g pro kg Körpergewicht
Für mehr Informationen hierzu siehe: Ernährungsempfehlungen bei Dekubitus.

Den Eiweißbedarf decken
Proteine stecken in Fleisch, Fisch, Eiern, Milchprodukten, Tofu, Hülsenfrüchten, Getreiden, Nüssen und Saaten. Auch in anderen pflanzlichen Nahrungsmitteln kommen Proteine vor, meist jedoch in geringen Mengen. Die Eiweißaufnahme kann auch durch die Kombination verschiedener Eiweißquellen (z. B. Kartoffeln und Eier, Hülsenfrüchte und Getreide) verbessert werden.
Hier eine kleine Übersicht. Die Proteinangaben in Gramm beziehen sich auf je 100 Gramm des unzubereiteten Produkts.
| Proteinquelle | Eiweiß pro 100 Gramm* |
| Hühnerbrust | 31 |
| Thunfisch | 29 |
| Rindfleisch | 28, 5 |
| Seitan | 28,5 |
| Erdnüsse | 26 |
| Schweinefleisch | 26 |
| Berglinsen | 23- 26 |
| Serrano Schinken | 23 – 26 |
| Lachs | 22 |
| Sesampaste | 17 – 23 |
| Haferflocken | 13,5 |
| 2 Hühnereier, Größe M | 13 |
| Tofu | 12 |
| Vollkornpasta | 12 |
| Magerquark | 13 |
| Skyr | 11 |
| Naturjoghurt | 3 – 5 |
| Grünkohl | 4 |
| Brokkoli | 3 |
| Apfel | 0,3 |
Was bedeutet der Herstellerzusatz Proteinquelle?
Das Angebot an Lebensmitteln, die damit werben besonders eiweißreich zu sein ist vielfältig. Oft sind sie teuer und unnötig.
Hersteller dürfen ihre Produkte als „Proteinquellen“ bezeichnen, wenn mindestens 12% des Energiegehalts aus Protein stammen. Eiweißreiche Produkte müssen sogar mindestens 20% ihres Energiegehalts in Form von Eiweiß aufweisen. Dies kann z.B. dadurch erreicht werden, dass die Produktentwickler Fertiggerichte aus verschiedenen proteinreichen Zutaten zusammenstellen, von Natur aus kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Brot mit Proteinkonzentraten anreichern oder bereits proteinreiche Lebensmittel wie Milch mit zusätzlichem Eiweiß anreichern. Einige Produkte, wie z. B. Quark, sind bereits von Natur aus reich an Eiweiß. In solchen Fällen reicht es aus, auf der Verpackung mit dem Eiweißgehalt zu werben, um neue Kunden zu gewinnen. Die Anreicherung – und die Werbung dafür – haben meist ihren Preis.
Die Mehrheit der Bevölkerung hat keine Probleme mit der Eiweißaufnahme. Traditionelle Lebensmittel enthalten genügend Eiweiß. Selbst Leistungssportler und andere Menschen mit einem höheren Proteinbedarf können diesen Bedarf mit eiweißreichen Lebensmitteln decken. Wenn eiweißreiche Produkte häufig verzehrt werden, besteht allerdings die Gefahr, dass sie frische Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Nüsse verdrängen. Langfristig kann dies die Aufnahme von sekundären Pflanzenstoffen, Nährstoffen und Ballaststoffen beeinträchtigen. Dies kann bei Querschnittlähmung das Darmmanagement negativ beeinflussen.
Produkte mit hohem Eiweißgehalt enthalten mehr Eiweiß als ernährungsphysiologisch notwendig ist. Für gesunde Menschen ist das kein Problem. Der Körper scheidet überschüssiges Eiweiß in Form von Harnstoff über den Urin aus. Bei einer hohen Eiweißzufuhr ist es daher, wie bei einer ballaststoffreichen Ernährung auch, wichtig, dass ausreichend getrunken wird. Eine hohe Eiweißzufuhr kann für Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion problematisch sein.
Eiweißreiche Lebensmittel: Teuer, unnötig und manchmal sogar schädlich (daab.de)
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