Hitzeaktionstag: Krisenresilienz bei Extremhitze stärken
Hitze ist das größte durch die Klimakrise bedingte Gesundheitsrisiko in Deutschland und sie betrifft uns alle. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Kranke, Kinder und Menschen, die im Freien arbeiten. Extreme Hitzeereignisse mit lang anhaltenden Temperaturen über 40 Grad können künftig auch in Deutschland häufiger auftreten.

Für Menschen mit Querschnittlähmung besteht aufgrund der Temperaturdysregulation besondere Gefahr. Siehe hierzu:
Temperaturdysregulation bei Querschnittlähmung – Der-Querschnitt.de
Meine Querschnittlähmung und ich: 36 Grad und es wird noch heißer… – Der-Querschnitt.de
Fünf Dinge, die Menschen mit Querschnittlähmung im Sommer beachten sollten – Der-Querschnitt.de
Viel trinken an heißen Sommertagen – Der-Querschnitt.de
Siesta – Wozu der Mittagsschlaf bei Querschnittlähmung gut sein kann – Der-Querschnitt.de
Apps gegen Sonnenbrand – Der-Querschnitt.de
Bei Querschnittlähmung: Der Hitze trotzen – Der-Querschnitt.de
Bei Hitze: unter Umständen Anpassung der Medikamenten-Dosierung ratsam – Der-Querschnitt.de
Medikamente vor Hitze schützen – Der-Querschnitt.de
Notfälle bei Querschnittlähmung – z.B. Hitzschlag – und wie man damit umgeht – Der-Querschnitt.de
Der Hitzeaktionstag 2026 steht unter dem Schwerpunktthema „Gemeinsam vorsorgen gegen Extremhitze“. Unser diesjähriges Positionspapier (externer Link) zur Krisenresilienz bei Extremhitze zeigt, welche Maßnahmen jetzt notwendig sind, um Menschen wirksam zu schützen und die Hitzeresilienz in Deutschland zu stärken.
Politischen Forderungen der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG)
Die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Hitzeperioden gefährden die Gesundheit der Bevölkerung. Insbesondere Personengruppen mit erhöhtem Risiko, wie ältere Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen, Menschen mit Behinderungen, Säuglinge, Schwangere und Kinder, sind durch hohe Temperaturen gesundheitlich stark gefährdet. Auch Arbeitsbedingungen und Wohnverhältnisse haben erhebliche Auswirkungen auf die Belastung und Anpassungsfähigkeit. Daher ist Hitzeschutz auch eine Frage der gesundheitlichen Chancengleichheit und sozialen Gerechtigkeit. Zudem hat Hitze tiefgreifende Auswirkungen auf Wohlbefinden und Gesundheit am Arbeitsplatz, auch für Beschäftigte im Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen. Sie kann zu psychischen und physischen Belastungen, einer erhöhten Krankheitslast und Produktivitätsverlusten führen. Insofern stellt Hitze auch ein Risiko für die wirtschaftliche Stabilität dar, verbunden mit hohen, bislang verdeckten Folgekosten. Maßnahmen zum Hitzeschutz und zur Prävention hitzebedingter Erkrankungen und Arbeitsunfälle sind daher auch Investitionen in Produktivität und wirtschaftliche Stabilität.
Hitzeschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ein gemeinsames Vorgehen erfordert konsequentes Handeln auf allen Ebenen und verlangt klare Verantwortlichkeiten, ausreichende Ressourcen und eine wirksame Einbindung aller relevanten Akteur*innen. Nur so können hitzebedingte Gesundheitsrisiken minimiert, die Versorgungssicherheit gewährleistet und die Widerstandsfähigkeit des Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesens gestärkt werden.
Für ein hitzeresilientes Deutschland fordern wir:
1. Hitzeschutz vor Ort muss als Aufgabe verbindlich gemacht und ausreichend durch Bund und Länder finanziell und personell unterstützt werden.
Die Entwicklung, Umsetzung und Anpassung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit muss als verbindlicher Teil der Klimaanpassungskonzepte als kommunale Aufgabe gesetzlich verankert werden. Damit kommunale Hitzeaktionspläne wirkungsvoll umgesetzt werden können, benötigen die Kommunen finanzielle und personelle Unterstützung von Bund und Ländern sowie umsetzungsorientierte Vernetzungs- und Beratungsangebote. Der öffentliche Gesundheitsdienst kann hierbei als Knotenpunkt und steuernde Einheit wirken.
2. Die Anpassung an die Klimakrise muss bei Investitionen grundsätzlich berücksichtigt werden, um die Resilienz des Landes zu stärken.
Hitzeschutz muss bei Investitionen in Infrastruktur, bei Neubau, Instandhaltung und Sanierung von Gebäuden sowie dem Umbau von Städten grundsätzlich berücksichtigt werden. Baulicher Hitzeschutz und hitzeresiliente Umgebungsgestaltung sind als präventive Maßnahmen der Hitzevorsorge zu verstehen. Klimaanpassung und Hitzeschutz müssen verbindlicher Bestandteil öffentlicher Investitionsentscheidungen, Förderprogramme und relevanter gesetzlicher Rahmenbedingungen sein. Gesundheits-, Pflege-, Sozial- und Bildungseinrichtungen, sowie Einrichtungen der kommunalen Daseinsvorsorge und kritische Infrastrukturen sind dabei besonders zu berücksichtigen. Dies ist in den Rahmen des Sondervermögens Infrastruktur oder als zu ergänzende Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz zu integrieren.
3. Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen müssen bei der Entwicklung und Umsetzung der Hitzeschutzstrategien eingebunden werden.
Die Akteur*innen des Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesens erreichen Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Risiko und haben eine hohe Expertise zu gesundheitlichen Fragestellungen. Daher sollten sie auf allen Ebenen in die Entwicklung und Umsetzung von Hitzeschutz- und anderen Klimaanpassungsstrategien einbezogen werden. Für ein verstärktes Engagement dieser Akteur*innen bedarf es geeigneter finanzieller Rahmenbedingungen. Nur so können bedarfsorientierte und praxisnahe Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. Dies gilt insbesondere für Krisenlagen, in denen diese Akteur*innen eine Schlüsselrolle beim Schutz besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen übernehmen.
4. Der Hitzeschutzplan für Gesundheit des Bundesministeriums für Gesundheit muss sektorenübergreifend weiterentwickelt und umgesetzt werden.
Gesundheitlicher Hitzeschutz braucht bundesweit einen klaren Rahmen, Leitlinien und eine verlässliche Unterstützung für die Umsetzung vor Ort. Der Bund sollte dafür Förderstrukturen, Monitoring, Warnsysteme und eine abgestimmte Risikokommunikation weiterentwickeln und die Zusammenarbeit der zuständigen Ressorts dauerhaft absichern. Der Hitzeschutzplan des Bundesministeriums für Gesundheit ist hierzu sektorenübergreifend fortzuentwickeln. Hierfür gilt es, klare Zuständigkeiten zu definieren und ein transparentes Monitoring sicherzustellen. Auch der gesetzliche Regelungsrahmen für gesundheitlichen Hitzeschutz muss sektorenübergreifend bewertet und entsprechend angepasst werden. Neben dem Gesundheitsrecht gilt dies beispielsweise auch für die weiteren Sozialgesetzbücher sowie das Bau- und Arbeitsrecht.
5. Hitze muss als zentrale Herausforderung im Katastrophenschutz integriert werden.
Hitzewellen können zu Überlastungen führen und Kapazitätseinschränkungen in der Versorgung verursachen. Insbesondere der Schutz und die Reaktionsfähigkeit des Gesundheitssystems bei diversen Gefahrenlagen muss durch die Bundesländer in den Katastrophenschutz integriert werden. Dazu gehören klare Warnketten, vorbereitete Krisenstrukturen auch für Gefahrenlagen unterhalb des Katastrophenfalls, die schnelle und flexible Anpassung der Versorgung in Krisen- und Katastrophensituationen, die Verbesserung der Reichweite von Warnmeldungen, die Verbesserung des Kenntnisstandes der Bevölkerung über extremwetterbedingte Gesundheitsgefahren, Präventions- und Schutzmöglichkeiten sowie die Sicherstellung der Reaktionsfähigkeit des Gesundheitssystems.
6. Rechtskonforme Klimaschutzmaßnahmen vorlegen und umsetzen.
Vorausschauender gesundheitlicher Hitzeschutz beginnt mit der konsequenten Eindämmung der Klimakrise. Deutschland ist verfassungsrechtlich und durch internationale Abkommen verpflichtet, das Klima und damit die Menschen zu schützen. Dazu gehört es, das Gesundheitssystem klimaresilient, klimaneutral und nachhaltig weiterzuentwickeln. Für einen gesundheitsförderlichen und sozial gerechten Klimaschutz sind entschlossene Maßnahmen notwendig. Deutschland befindet sich jedoch noch nicht auf Kurs: das vorgestellte Klimaschutzprogramm ist unzureichend. Wir fordern von der Bundesregierung den Beschluss und die Umsetzung weiterer Maßnahmen, im Hinblick auf die Klimaziele bis 2030 und 2040 vor allem in den Bereichen Verkehr und Gebäude, dazu gehört der deutliche Ausbau der erneuerbaren Energien.