Innovatives Vermessungssystem: Simulator für möglichst optimale Rollstuhlanpassung

Wer heute einen Rollstuhl bestellt, kann ihn häufig vorher weder Probe sitzen noch Probe fahren. Das fränkische Unternehmen „Simo Europe“ will das mit einem innovativen Vermessungssystem zur Rollstuhlanpassung ändern. In einem Mobilitäts-Simulator können Nutzer den künftigen Rollstuhl millimetergenau konfigurieren, vorab erleben und ihn in einer virtuellen Umgebung ausprobieren.

Der Rollstuhl-Simulator soll es ermöglichen, einen Rollstuhl millimetergenau auf die Bedürfnisse des individuellen Körpers einzustellen.

In wenigen Minuten können alle Einstellungen, die für einen Rollstuhl notwendig sind, in Millimeter-Schritten angepasst werden. Der Rollstuhlfahrer sitzt auf SIMO. Dort kann er jede Veränderung der Parameter spüren – entweder direkt oder zum Beispiel aufgrund der veränderten Sitzstabilität. Er kann direkt ein Feedback geben, ob eine Einstellung gut oder schlecht ist.

Man könne neue Varianten ausprobieren, „ohne Angst haben zu müssen, ob der neue Rollstuhl nachher passt oder nicht. Schritt für Schritt wird die richtige Sitzposition zusammen erarbeitet“, so Simo-Geschäftsführer Ralf Elter im Telefon-Interview.

Sichtlich stolz auf die Auszeichnung: Simo-Geschäftsführer Ralf Elter

Im Anschluss werden die Messergebnisse in einer Simulation realitätsnah getestet. Sitzinstabilität, Bewegungsmuster, auftretende Schmerzen oder Spastiken fließen in die Beurteilung ein. Wenn noch nicht alles passt, wird nachjustiert.

Ausgezeichnet mit einem „Deutschen Mobilitätspreis 2023“

„Am Ende steht ein passgenaues Produkt, das neue Lebensqualität schenkt und gleichzeitig gesundheitlichen Problemen vorbeugt, die durch Fehlhaltungen entstehen können“. So beschreibt der „Deutsche Mobilitätspreis“ den Vorteil des Simulators für den späteren Nutzer. Und zeichnete Simo 2023 mit dem ersten Preis in der Kategorie „Design“ aus.

Nachkontrolle für erfahrene Rollstuhlnutzer

Geschäftsführer Ralf Elter kann sich verschiedene Anwendungsszenarien für den Simulator vorstellen. „Wir haben bei der Entwicklung ganz klar Menschen im Fokus gehabt, die schon seit längerem, seit Jahren, einen Rollstuhl nutzen. Leider wird bei dieser Gruppe viel zu selten bis gar nicht überprüft, ob der Rollstuhl noch für sie passt oder jemals gepasst hat. Dass sich der Körper aufgrund von Krankheitsbild und Alter verändert, wird oft nicht berücksichtigt. Mit unserem Simulator könnten sie ohne Risiko ihre Rollstuhlmaße und Sitzposition überprüfen, um festzustellen, ob und was an ihrem Rollstuhl geändert werden sollte. Kein Rollstuhlnutzer sitzt nach der Vermessung mit Simo genauso wie vorher … man merkt sofort, was passt und was nicht.“

Schon Nuancen können bei der Rollstuhlanpassung entscheidend für die Mobilität und letztendlich für die Aufrechterhaltung von Muskeln, Gelenken und Bewegungsapparat sein. (Mehr zu diesen Aspekten in den Beiträgen Richtig sitzen: Aspekte der Rollstuhlanpassung und Sechs Dinge, auf die man beim Kauf eines Rollstuhls achten sollte.)

Auch bei der Anschaffung eines Nachfolge-Modells könnte der Simulator gute Dienste leisten. Ralf Elter und sein Team wollten auch eine Möglichkeit schaffen, sich aktiver an der Anpassung beteiligen zu können. „Es gibt so viele Menschen, die über die Jahre nach vielen Versuchen endlich einen Rollstuhl haben, in dem sie wenigstens einigermaßen gut sitzen. Sie haben oft Angst, etwas Neues auszuprobieren, mit dem sie dann in den kommenden Jahren leben müssten.“ Im Simulator könnten sie selbstbestimmt erfahren, was passiert, wenn die Position und die Maße Millimeter um Millimeter geändert werden. „In Demo-Rollstühlen ist so eine Feinjustierung kaum möglich“, sagt Elter.

Vorteile für Neulinge im Rollstuhl

Selbst für Frischverletzte wäre der Simulator seiner Meinung nach geeignet. In der Erst-Reha könnten sie bis zum Tag der Entlassung immer wieder ausprobieren, welcher Rollstuhl in welcher Ausführung für sie der richtige sein könnte, um zurück ins Leben zu starten. (Wie sehr sich die Rollstuhltechnik in dieser Hinsicht verändert hat, schildert der Beitrag Leben mit Querschnittlähmung – Rollstühle vor 40 Jahren: Sperrige Riesengurken und ein Hohelied auf die Steckachse.)

Daneben bietet das Gerät in seiner Eigenschaft als Mobilitäts-Simulator auch die Möglichkeit, in der Klinik jederzeit, unabhängig vom Wetter und Gelände, ein „realistisches Rollstuhltraining“ durchzuführen. Im Simo könne laut Elter zum Beispiel auch ein Cardio-Programm angeboten werden, das Werte wie Blutzucker, Sauerstoffsättigung, Erschöpfung, Muskelschmerzen in Echtzeit misst.

Der Simulator ist bereits in einigen deutschen Sanitätshäusern zu finden.

Mehr Informationen auf der Herstellerseite: simo-europe.de


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