Juckende Haut: Mögliche Ursachen bei Querschnittlähmung
Die häufigsten Ursachen für Juckreiz sind für die meisten Menschen Insektenstiche, trockene Hautstellen, Wechselwirkungen oder Allergien bzw. Lebensmittelunverträglichkeiten. Bei Querschnittlähmung besteht zusätzlich die Möglichkeit, dass neuropathischer Pruritus vorliegt: Auslöser ist eine Schädigung im Nervensystem.

Neuropathischer Juckreiz
Ein neuropathischer Pruritus, d.h. neuropathischer Juckreiz, entsteht im Nervensystem, wenn geschädigte oder fehlerhaft funktionierende Nerven Signale an das Gehirn senden, die das Juckgefühl auslösen. Damit reiht es sich ein in die Riege der neuropathischen Missempfindungen/Schmerzen (Dysästhesien) (siehe auch: Schmerzen und Querschnittlähmung), die Menschen mit Querschnittlähmung häufig unterhalb der Lähmungshöhe treffen können. Tatsächlich tritt der neuropathische Pruritus oft in Verbindung mit neuropathischen Schmerzen auf: Ein Drittel der Menschen, die unter neuropathischen Schmerzen leiden, berichten auch von neuropathischem Juckreiz (flintrehab, 2026).
Das passiert:
Der Juckreiz tritt auf, wenn Nerven Fehlsignale an das Gehirn weiterleiten, obwohl kein Grund für Juckreiz vorliegt. Er beginnt meist auf äußerlich unauffälliger Haut (d.h. Hautausschlag oder sichtbare Reizung) und wird oft von anderen sensorischen Auffälligkeiten begleitet, die Betroffene wie folgt beschreiben:
- Brennend, kribbelnd oder stechend
- Tiefsitzend und schwer zu lokalisieren
- Ständig oder zeitweise auftretend, verschwindet aber nie ganz
Was man tun kann:
Diese Art von Juckreiz spricht in der Regel nicht auf herkömmliche Behandlungen wie Hydrocortisoncreme oder Allergiemedikamente an, da er nicht durch Entzündungen, Histamine oder Hautreizungen verursacht wird. Und im Gegensatz zu gewöhnlichem Juckreiz bringt Kratzen selten Linderung und kann die Situation manchmal sogar verschlimmern, indem es empfindliche Nerven reizt (flintrehab, 2026). Als Methode, die Linderung verschaffen kann, wird oft die Kühlung der betreffenden Stelle beschrieben (netdoktor, 2026).
Juckreiz als Nebenwirkung von Medikamenten
Nebenwirkung einiger Medikamente kann Juckreiz sein. Dazu gehören einige, die auch bei Folge- bzw. Begleiterkrankungen bei Querschnittlähmung zum Einsatz kommen können:
- Schmerzmittel (wie Morphin, Tramadol, Oxycodon, Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen)
- Muskelrelaxanzien (wie Baclofen)
- Antikonvulsiva (wie Pregabalin)
- Antibiotika (wie Penicilline, Cephalosporine, Sulfonamide,Fluorchinolone)
- Blutdruckmedikamente (meist ACE-Hemmer)
- Herz- und Blutverdünnungsmedikamente (wie Heparin oder Warfarin)
- Einige Antidepressiva
- Einige Antipsychotika
Menschen mit Querschnittlähmung, die eines oder mehrere dieser Medikamente nehmen, sollte bei anderweitig unerklärlichem Juckreiz mit dem behandelnden Arzt besprechen, ob hier ein Zusammenhang bestehen könnte.
Hitze und Medikamente
Bei hohen Temperaturen kann es vorkommen, dass Medikamente anders wirken (siehe auch: Bei Hitze: unter Umständen Anpassung der Medikamenten-Dosierung ratsam) und/oder die Nebenwirkungen häufiger auftreten. Dies kann auch ein Grund für plötzlich auftretenden Juckreiz sein.
Juckreiz bei trockener Haut
Ein gestörte Schweißproduktion, veränderte Durchblutung und verminderte Talgproduktion können bei Querschnittlähmung zur Entstehung von trockener Haut beitragen.
Trockene Haut juckt vor allem, weil ihre natürliche Schutzbarriere geschwächt ist. Dadurch verliert die Haut mehr Feuchtigkeit, spannt und wird empfindlicher gegenüber Reizen. Kleine Risse in der Haut ermöglichen es Reizstoffen leichter einzudringen und Nervenenden zu reizen. Zudem setzt trockene Haut vermehrt Botenstoffe frei, die Juckreiz auslösen.
Wie man trockene Haut bei Querschnittlähmung optimal pflegt, wird im Beitrag Trockene Haut bei Querschnittlähmung: Die richtige Pflege beschrieben.
Kratzen: Keine gute Idee
Bei Juckreiz kann man dem Bedürfnis, die betreffende Stelle zu Kratzen, kaum widerstehen. Das birgt allerdings Risiken, denn durch das Kratzen entstehen kleine Risse und Wunden in der Haut, über die Bakterien, Pilze und Viren leichter eindringen könne. Die Haut kann sich entzünden, nässen oder eitern. Im schlimmsten Fall kann eine Sepsis drohen (siehe auch: Sepsis bei Querschnittlähmung: Risiko und Prophylaxe ). Zudem verzögert das Kratzen die Wundheilung und es können Narben entstehen.
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