Operative Maßnahmen bei Dekubitus
Dekubitus (auch: Druckstellen, Druckgeschwüre) sind eine häufige Komplikation bei Querschnittlähmung. Sie entstehen meist, wenn Gewebe zu lange – entweder im Sitzen oder im Liegen – dem Druck durch das eigene Körpergewicht ausgesetzt ist. Ab einem Dekubitusgrad von III oder darüber können operative Maßnahmen notwendig werden.

Bei Querschnittlähmung fehlt unterhalb der Lähmungshöhe meist das körpereigene Alarmsystem, nämlich die Oberflächen- und Tiefensensibilität, das bei Menschen ohne Rückenmarksverletzung eine (unbewusste) Entlastungsbewegung auslöst. Wenn aber zu lange ununterbrochen Druck auf Gewebe ausgeübt wird, kann ein Druckgeschwür entstehen, das in vier Schweregrade unterteilt wird. Während die Stufen I und II mit konservativen Methoden behandelt werden können (siehe: Dekubitus-Behandlung bei Querschnittlähmung), müssen bei Dekubitus ab Stufe III operative Maßnahmen in Erwägung gezogen werden.
Die Lappentechniken
Nach der vollständigen Entfernung der Nekrosen im Gewebe und ab Stufe IV ggf. am Knochen, erfolgt bei sehr kleinen Wunden ein direkter Wundverschluss und bei größeren eine Lappenplastik (Gstaltner/Schrei, 2012).
Die Operationstechniken reichen von Hauttransplantaten bei oberflächlichen Wunde, über lokale, fasziokutane und myokutane Lappenplastiken bis zu Perforatorlappen und freien Lappen. Welche dieser Techniken gewählt wird, hängt im Wesentlichen von der Körperstelle ab, an der sich der Dekubitus befindet (Zäch/Koch, 2006).
Lappenplastik
Eine Lappenplastik ist eine plastisch-chirurgische Technik, bei der Gewebe von einer anderen, geeigneten Körperstelle entnommen und über den gereinigten Dekubitus transplantiert wird. Verpflanzt wird nicht nur die Haut, sondern je nach Bedarf auch darunterliegende Schichten wie Fettgewebe und Muskeln (Antwerpes/Hircin, 2013).
Schwenklappen
Bei diesem sog. Nahlappen grenzt das zu entnehmende Gewebe direkt an die verletzte Stelle an. Nach dem Herausschneiden des beschädigten Gewebes wird der Lappen über die verbleibenden gesunden Teile in den Defekt geschoben.
Gestielte Lappen
Beim gestielten Lappen (ebenfalls ein Nahlappen) bleibt die bestehende Versorgung des Gewebes mit Blutgefäßen und Nerven erhalten, da das verwendete Gewebe nicht vollständig vom Körper getrennt wird. Es bleibt eine Gewebebrücke mit Gefäßen (und Nerven) erhalten, die auch die transferierte Haut versorgt.
Freie Lappen
Bei einer freien Lappenplastik (freie Lappen) wird das Gewebe inkl. Blutgefäße vollständig vom Spender-Areal getrennt und das transplantierte Gewebe an die Blutversorgung der neuen Umgebung neu angeschlossen (Antwerpes/Hircin, 2013).
Mögliche Komplikationen
Lappenplastiken sind stark belastende Eingriffe bei häufig mehrfach vorerkrankten Menschen. Pflegekraft Michelle Eisenberg nennt auf Dekubitus-Therapie mit Lappenplastik: Was Pflegekräfte wissen sollten (externer Link) folgende mögliche Komplikationen:
- Hämatome (häufigste Komplikation)
- Serome mit nachfolgenden Infektionen und Lappennekrosen
- Wundheilungsstörungen
- (Wund-) Dehiszenzen, Infektionen, Teilnekrosen
- Wiederholtes Aufbrechen instabiler Narben
- Narbenkarzinome aufgrund von mehrfachen Rezidiven
- Spender-Areal-Defekte mit teilweisem Funktionsverlust
- Sepsis
- Pneumonie
- Osteomyelitis
- Bakteriämie

Nach der Operation
Neben den im Beitrag Dekubitus-Behandlung bei Querschnittlähmung beschriebenen Maßnahmen und Möglichkeiten der Wundkonditionierung und der konsequenten Entlastung des Operationsgebietes, ist ein geduldiges Vorgehen während der postoperativen Phase das A und O.
Eine zu frühe Mobilisierung nach der Operation kann ihren Erfolg schnell zunichtemachen. Bei einem problemlosen Verlauf werden die Nähte zwei Wochen nach der Operation entfernt; die langsame, schrittweise erfolgende Mobilisierung erfolgt frühestens nach drei Wochen, falls das postoperative Ödem des beteiligten Weichteilgewebes zu diesem Zeitpunkt bereits vollständig abgeklungen ist (Gstaltner/Schrei, 2012). Eine Studie mit 85 querschnittgelähmten Patienten aus dem Jahr 2021 legt eine Erholungsphase von durchschnittlich 48 Tage nah.
Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte, Therapien oder Mittel stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und ersetzen in keinem Fall eine Beratung oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch medizinische Fachpersonen.
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