Leben mit Querschnittlähmung: Impfung als Chance bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten
Mike Hoelke lebt seit über 30 Jahren mit Querschnittlähmung. Seine wiederkehrenden Harnwegsinfekte waren lange Zeit ein erhebliches Problem für den 50-Jährigen. Bis er sich für eine Impfung entschied.

Seit bei Mike Hoelke ein Tumor im Lendenwirbelbereich entfernt wurde, lebt er mit einer motorisch kompletten Querschnittlähmung. Obwohl die Sensibilität in den Beinen teilweise gegeben ist, sind die Folgen, die mit einer Querschnittlähmung – auch mit einer relativ tiefen Lähmungshöhe von L 2/5 – einhergehen, Hoelke nicht fremd. „Wie bei den meisten Menschen mit Querschnittlähmung, sind auch bei mir Blasen- und Darmfunktion eingeschränkt. Anfangs habe ich die Blase noch über die vorhandene Muskulatur, also durch Pressen, geleert, bis man mir sagte, dass dadurch immer kleine Mengen Urins in der Blase verbleiben können, weil man halt nie sicher gehen kann, ob die Entleerung vollständig ist. Die Nieren würden dadurch gefährdet… Deshalb bin ich nach fast 20 Jahren auf den intermittierenden Katheterismus umgestiegen.“
Wiederkehrende Harnwegsinfektionen: Sechs- bis achtmal im Jahr
Zu Harnwegsinfektion kam es viele Jahre gar nicht, doch dann, nach einem Krankenhausaufenthalt, immer häufiger. Um sie in den Griff zu bekommen, hat Hoelke hat einiges versucht: „D-Mannose, Methionin, Cranberrys, Apfelessig, Natron… Bei leichten Infektionen half das auch ganz gut, aber bei heftigeren musste ich halt doch immer Antibiotika nehmen.“
Die Nebenwirkungen, die mit jeder Antibiotikaeinnahme einhergingen, waren für Hoelke quälend: „Ich bekam Ausschläge, trockene Haut, eine Pilzerkrankung – was ich vorher noch nie gehabt hatte – und dann war da noch das Chaos, dass die Antibiotika in meinem Darm anrichteten. Es dauerte jedes Mal Wochen, bis das Darmmanagement wieder im Griff war, und die Prä- und Probiotika, die ich zur Darmsanierung verwendete, werden von der Kasse natürlich nicht übernommen.“
Die wiederkehrenden Harnwegsinfektionen von sechs- bis achtmal im Jahr, waren ein unerträglicher Zustand, dem Hoelkes Urologe mit einer Dauerantibiose, d. h. mit einer dauerhaften Einnahme von Antibiotika, begegnen wollte. Angesichts der zu erwartenden Nebenwirkungen, kein verlockender Gedanke, fand Hoelke. Ein Bekannter berichtete ihm von mehreren Menschen mit Querschnittlähmung, bei denen eine Impfung gegen die Harnwegsinfektionen große Erfolge gezeigt hätte. Doch als Hoelke mit dieser Idee zu seinem Urologen kam, stieß er auf taube Ohren. Diese Impfung sei z. B. für schwangere Frauen und nicht für Menschen mit Blasenfunktionsstörung entwickelt worden, sagte man ihm, und er solle bei der geplanten Dauerantibiose bleiben.
Zum Glück war Hoelkes Hausärztin deutlich aufgeschlossener und ermöglichte ihm die Impfung, die sein Leben nachhaltig verbesserte.
Die Impfung gegen Harnwegsinfektionen
Im Impfstoff sind die für Harnwegsinfektionen verantwortlichen Erreger, Escherichia coli, Morganella morganii, Proteus mirabilis, Klebsiella pneumoniae sowie Enterococcus faecalis, in inaktiver Form enthalten, wodurch das Immunsystem angeregt werden soll, aktiv gegen die entsprechenden Keime vorzugehen, sobald es sie im Körper entdeckt.
Um eine Immunisierung zu erreichen, sind drei Injektionen notwendig. „Meine erste Impfung hatte ich im August 2022. Die Nebenwirkungen waren die üblichen. Schwellung an der Einstichstelle, Gliederschmerzen, Fieber, Schüttelfrost – aber nach zwei Tagen war alles gut. Danach gibt es zwei weitere Spritzen. Und dann sollte es im Abstand von sechs bis zwölf Monaten eine Auffrischung geben. Mir hat man empfohlen, dies nach einem halben Jahr zu tun. Inwieweit das notwendig ist, wird sich zeigen, denn im Augenblick geht es mir so gut, dass auch ein größerer Abstand denkbar wäre.“
„Die Kosten musste ich selbst übernehmen. Aber es geht mir so viel besser, dass ich das gerne mache. Außerdem besteht schon die Möglichkeit, dass die Auffrischimpfungen übernommen werden. Für die Krankenkasse zählt der Erfolg. Die sehen ja, dass ich nicht mehr alle zwei Monate mit Antibiotika behandelt werden muss. Und meine Hausärztin ist da auf meiner Seite und empfiehlt die Kostenübernahme durch die Kasse, wegen dem Erfolg, den sie ja bestätigen kann.“
Für Menschen mit Querschnittlähmung, die die Impfung ausprobieren möchten, hat Hoelke einen Tipp: „Lasst euch nicht entmutigen. Wenn der erste Arzt, zu dem ihr mit der Idee geht, euch nicht helfen will, dann sucht euch einen anderen. Da muss man vielleicht ein bisschen Glück haben, aber man muss auch hartnäckig sein.“
| Leser Stefan Kretzschmar sendete folgenden Kommentar: „Interessanter Beitrag. Ich bin Tetra C5/6 und hatte auch eine solche Phase mit ständigen HWIs. Bei mir wurden aber Nierensteine als Ursache festgestellt. Nach Entfernung der Steine war ich plötzlich viel leistungsfähiger und spürbar fitter. Die Infekte waren komplett verschwunden. Also bitte checkt auch die Nieren bevor geimpft wird…“ VG Stefan Vielen Dank für diesen Hinweis! Ein weiterer Leser sendete folgenden Kommentar: „Bin seit 2015 mit Strovac-Immunisierung und zufrieden damit. Ich habe festgestellt, dass 10-12 Monate nach dem letzten Booster die Infekte wieder zunehmen. Seitdem lasse ich alle 10 Monate impfen, nicht 12 wie empfohlen. Schoen waere, wenn es mehr solche Produkte gaebe.“ Frdl. Gr. Vielen Dank für das Teilen dieser Erfahrung! |
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