Mobilität im Alter: Diese Hilfsmittel helfen Menschen mit Querschnittlähmung
Natürlicher körperlicher Verschleiß im Laufe des Lebens führt im Alter oft zu eingeschränkter Mobilität. Rollstuhlfahren beansprucht die Schultern stark, die Armkraft schwindet, was das Heben von Lasten oder Transfers erschwert. Um dennoch aktiv unterwegs sein zu können, kann man sich Hilfsmitteln bedienen.

Vier Peers der Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in Deutschland e.V. (FGQ) erzählen von Alltagshelfern, die dazu beitragen, dass sie auch mit viel Lebenserfahrung noch unabhängig ihre Umgebung unsicher machen können.
Pius Preisinger, 67 Jahre, motorisch kompletter Tetraplegiker C6/7, querschnittgelähmt seit 1994

„Mein Handbike ist mir sehr ans Herz gewachsen. Ich habe es seit 2006 und nutze es auch gerne für kurze Strecken, weil die Schultern nicht so sehr beansprucht werden wie beim Rollstuhlfahren. Jetzt im fortgeschrittenen Alter bin ich dankbar, dass es über einen Motor verfügt, der mich entlastet, wenn
das Fahren zu anstrengend wird. Ein großer Vorteil ist, dass das Handbike keinen Mitteladapter hat, sondern durch zwei Gelenkarme an den vorderen Holmen des Rollstuhls befestigt wird. Darum kann ich im Winter meine Beine in einen Schlupfsack einpacken, damit ich nicht friere, was bei einem Mitteladapter
nur unzureichend ginge. Ich nutze das Handbike, um für kleinere Einkäufe auf dem Radweg in den Nachbarort zu fahren oder zur Bank zu fahren.
Im Unterschied zu einem Fußgänger mit einem Fahrrad beschwert sich niemand, wenn ich mit dem Handbike in die Geschäfte fahre. Das erspart mir die Mühe, es draußen auf der Straße abzukoppeln. Glücklicherweise sind die Geschäfte auch geräumig genug, damit ich mit dem Handbike durch die Regalreihen düsen kann. Mein Handbike besitzt über dem Rad einen Gepäckträger, um beispielsweise einen Einkaufskorb zu transportieren.
Manchmal ernte ich auch anerkennende Worte von Menschen, die kurze Strecken mit dem Auto zurücklegen. Ich nutze mein Handbike aber auch zu Spazierfahrten in die Natur, zum Beispiel in den Wald oder über die Feldwege. Am liebsten aber mache ich damit sonntags eine Radtour mit meiner Frau.“
Werner Pohl, 69 Jahre, kompletter Paraplegiker, Th10/11, querschnittgelähmt seit 2005

„Die Idee, ein elektrisches Zuggerät zu nutzen, habe ich lange Zeit von mir gewiesen. Ich bin auch ohne gut zurechtgekommen. Aber inzwischen bin ich aus dem Alter raus, in dem ich mich an jeder Steigung aus Fitnessgründen beweisen muss, und denke auch an den Schonungsaspekt in Sachen Schultern.
Vor allem bei ausgedehnten Städtetrips spricht einiges dafür, sich mehr auf die touristischen Aspekte konzentrieren zu können, als am Abend völlig am Ende der Kräfte zu sein. Es bleibt aber ein Balanceakt. Wer sich nur noch – und bei jeder Gelegenheit – durch die Gegend ziehen lässt, verbraucht natürlich
deutlich weniger Kalorien. Aber so oder so – ab einem bestimmten Alter ist eine elektrische Mobilitätsunterstützung eine sinnvolle Sache.“
Siegbert Möhle, 73 Jahre, kompletter Paraplegiker Th11/12, querschnittgelähmt seit 1984

„Ich kann noch selbstständig in mein Auto einsteigen, aber um den Rollstuhl eigenhändig zu verladen, reicht in meinem Alter die Kraft nicht mehr im rechten Arm.
Beim Verladen hilft mir jetzt ein Zugseil mit Motor. Um die Verladehilfe in Gang zu setzen, platziere ich den Rollstuhl hinter der Fahrertür und befestige das Zugseil an den hinteren Griffen des Rollstuhls. Der Motor, der sich unter der Fußmatte hinter dem Fahrersitz befindet, wird mit einer Fernbedienung aktiviert.“
Hennes Lübbering, 75 Jahre, Tetraplegiker, C5, querschnittgelähmt seit 1968

„Ich musste 2024 mein umgebautes Auto mit Handgas aufgeben. Das war für mich schlimm, weil das Auto einen hohen Stellenwert für mich hat. Zum einen war ich schon immer ein Autonarr. Zum anderen ist da die Unabhängigkeit, die ein Auto bietet. Ich wohne auf dem Dorf. Um mobil zu sein, braucht man einfach ein Fahrzeug. 2025 habe ich mir dann ein neues Auto zugelegt. Ich fahre über eine Rampe ins Auto und mit dem Rollstuhl hinter das Lenkrad. Gelenkt wird das Auto mit einem Joystick und Gas und Bremse werden mit wenig Kraft elektrisch betätigt. Jetzt habe ich wieder die Freiheit, dahin zu
fahren, wo ich möchte und wo ich gebraucht werde.“
Der Text wurde in Ausgabe 2/2026 der Zeitschrift „Der Paraplegiker“, dem Mitgliedermagazin der Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in Deutschland e.V., erstveröffentlicht. Die Redaktion von Der-Querschnitt.de bedankt sich herzlich für die Zustimmung zur Zweitveröffentlichung.
Die Beiträge, die in der Kategorie „Erfahrungen“ veröffentlicht werden, schildern ganz persönliche Strategien, Tipps und Erlebnisse von Menschen mit Querschnittlähmung. Sie stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und spiegeln nicht die Meinung der Redaktion wider. Wer auch gerne auf Der-Querschnitt.de Erfahrungen teilen möchte, wendet sich bitte an die Redaktion. Siehe: Ihre Erfahrungen helfen anderen.