Angststörungen und Querschnittlähmung
Die generalisierte Angststörung ist eine psychische Erkrankung, bei der anhaltende und übermäßige Sorgen und Ängste den Alltag beeinflussen. Bei Menschen mit Querschnittlähmung liegt der Anteil der Betroffenen bei 30 bis 45 Prozent.

Ängste und Sorgen sind ganz normal, wenn sie vorübergehende Reaktionen auf konkrete Stresssituationen sind, seien es Prüfungen, Vorstellungsgespräche, finanzielle oder gesundheitliche Sorgen. Oft können sie sogar als Motivator dienen, Herausforderungen anzugehen. Wenn sie allerdings übermäßig, anhaltend (länger als sechs Monate) und unbegründet, d.h. ohne konkreten Anlass, sind, den Alltag beeinträchtigen und intensive körperliche Symptome hervorrufen, liegt wahrscheinlich eine generalisierte Angststörung vor, die behandelt werden kann und sollte.
Symptome bei generalisierter Angststörung
Bezeichnend für die generalisierte Angststörung, ist das Auftreten diffuser Sorgen über Arbeit, Gesundheit, Familie, Finanzen, etc., die aber unspezifisch (kein konkreter Anlass) und meist unbegründet sind. Die andauernde Anspannung und Sorge wiederum, kann zu einer Reihe psychischer und körperlicher Symptome führen, u.a.:
- Herzklopfen
- Schweißausbrüche
- Magenbeschwerden
- Schwindel
- Benommenheit
- Zittern oder Schwitzen
- Muskelverspannungen
- Konzentrationsstörungen
- Nervosität, Reizbarkeit
- Schlafstörungen
- Zweifel an der eigenen Zurechnungsfähigkeit
Betroffene suchen durch häufige Anrufe bei Angehörigen nach Sicherheit und zeigen ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten. Sie verzichten auf vermeintlich riskante Aktivitäten wie Urlaubsreisen oder drängen nahestehende Personen dazu, dies ebenfalls zu tun, was die Lebenssituation einschränken kann.
Welchen Zusammenhang kann es zwischen generalisierter Angststörung und Querschnittlähmung geben?
Eine Querschnittlähmung kann zumindest vorübergehend Angstzustände auslösen oder verschlimmern – unabhängig davon, ob sie aufgrund eines traumatischen Ereignisses oder einer Erkrankung eintritt. Das Ereignis, das zur Rückenmarksverletzung geführt hat, die Angst vor dem Auftreten von mit der Rückenmarksverletzung verbundenen Folge- und Begleiterkrankungen (z. B. Druckgeschwüre) oder ständige Sorgen um die Zukunft können Angstzustände verursachen.
Untersuchungen haben ergeben, dass 30 % bis 45 % der Menschen mit einer Querschnittlähmung unter erheblichen Angstzuständen leiden. Dies muss kein Dauerzustand sein. Ängste können vor allem in den Übergangsphasen auftreten, wenn eine Situation noch neu ist und bevor sie zum Normalzustand wird. Jede Phase der Rehabilitation kann neue, individuell unterschiedliche Herausforderungen und die Notwendigkeit zur Anpassung mit sich bringen.
Generalisierte Angststörung (GAD)
Ängste und Befürchtungen sind ein normaler Teil des Lebens. Grund zur Annahme, dass eine generalisierte Angststörung vorliegt, besteht dann, wenn Angstzustände länger als sechs Monate andauern, mehrmals wöchentlich Symptome auftreten und der Betroffene sich durch sie gehindert fühlt, Dinge zu tun, die er gerne tun würde.
Was tun bei generalisierter Angststörung?
Die Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR), die Somatische Traumatologie und die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) sind zwei Therapien, die bei Angstzuständen helfen können. Letztere ist als Einzelbehandlung oder als Gruppentherapie möglich. Beide haben sich bei der Behandlung von Menschen mit Querschnittlähmung als wirksam erwiesen und zielen darauf ab, mit Angstzuständen besser umgehen zu können und die Belastung durch traumatische Erfahrungen zu verringern. Siehe auch: Traumaverarbeitung nach Eintritt einer Querschnittlähmung
Auch eine medikamentöse Therapie ist möglich, muss aber immer mit einem Therapeuten besprochen und auf den Einzelfall abgestimmt werden.
Betroffene, die selbst aktiv werden wollen, können es – in Absprache mit dem behandelnden Arzt – auch mit folgenden Möglichkeiten versuchen:
- Atem- und Entspannungsübungen, für eine Auswahl siehe: Entspannungsmethoden
- Ausreichend Schlaf, siehe auch: Schlafstörungen bei Querschnittlähmung
- Austausch mit anderen Betroffenen, siehe auch: Wie Peer Beratung Menschen mit Querschnittlähmung helfen kann
- Eingeschränkter Koffeinkonsum
- Sport, für eine Auswahl siehe: Sport
- Es gibt Apps, die helfen, Angstzustände zu reduzieren. Einige davon werden von den meisten Krankenkassen empfohlen und auf Anfrage oft auch bezahlt.
- Auf Spektrum der Wissenschaft erklärt Diplompsychologin Christiane Gelitz vier aus ihrer Sicht sinnvolle Strategien gegen Ängste, nämlich: sportliche Aktivität, Konfrontation, kritisches Hinterfragen und das Üben in Gelassenheit, siehe: Angststörungen: Ängste überwinden (externer Link)
- Einige Ernährungsstrategien und/oder Nahrungsergänzungsmittel können bei der Behandlung von GAD unterstützende wirken.
Cannabis und Angstzustände
Cannabis kann Angstzustände lindern oder verstärken. Die Forschung zu den Risiken und Vorteilen, der Dosierung und den möglichen Folgen des Cannabiskonsums bei Angstzuständen ist noch nicht abgeschlossen. Wer Cannabis konsumiert, z. B. zur Einschränkung von Schmerzen und Spastik, sollte bei gleichzeitigen Angstzuständen dies unbedingt beachten und mit dem behandelnden Arzt besprechen.
Siehe auch: Der Einsatz von Cannabis bei Querschnittlähmung und Cannabis als Arzneimittel
Für mehr relevante Informationen siehe:
Posttraumatische Belastungsstörung und Querschnittlähmung
Depressionen und Querschnittlähmung
Traumaverarbeitung nach Eintritt einer Querschnittlähmung
Diagnose Querschnittlähmung: Was, wenn ein Akzeptieren unmöglich scheint?
Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte, Therapien oder Mittel stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und ersetzen in keinem Fall eine Beratung oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch medizinische Fachpersonen.
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