Husten und Querschnittlähmung

Husten ist bei Querschnittlähmung u. U. nicht ohne weiteres möglich. So kann schon bei Paraplegie durch Beeinträchtigungen der Bauchmuskulatur die Atmung mit betroffen und etwa ein Hustenstoß nur noch eingeschränkt möglich sein. Dies kann zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen

Die wichtigsten Muskeln für einen Hustenstoß sind das Zwerchfell und die Zwischenrippenmuskulatur, aber auch Rücken-, Bauch- und Beckenbodenmuskeln sind beteiligt. Wie eine Querschnittlähmung – und vor allem die Lähmungshöhe – die Lungenfunktion, das Atmen und das Husten beeinflussen kann, wird in den Beiträgen Die Atemproblematik unter dem Aspekt der Querschnittlähmung und Querschnittlähmung und Atmung: Warum das Atmen Mühe macht ausführlich beschrieben.

Die Hustenproblematik bei Querschnittlähmung

Husten hat eine wichtige Schutzfunktion: Er befördert Schmutzpartikel, andere Fremdkörper und Schleim aus den Atemwegen. Kann diese Aufgabe nicht erfüllt werden, kann dies zu Infektionen und Lungenschäden führen. 

Ausgelöst wird Husten durch Rezeptoren auf der Schleimhaut von Rachen, Kehlkopf, Bronchien und deren Verzweigungen. Werden sie durch Fremdkörper, Schleim, Rauch oder Gas (auch durch kalte und/oder trockene Luft) gereizt, senden sie über den Vagusnerv Signale zum Gehirn, die den Hustenreflex auslösen.

Der Mechanismus des Hustens läuft folgendermaßen ab: Das Zwerchfell und die äußeren Zwischenrippenmuskeln ziehen sich zusammen und erzeugen einen Unterdruck um die Lunge. Luft strömt in die Lunge, um den Druck auszugleichen. Die Stimmritze schließt sich und die Stimmbänder kontrahieren, um den Kehlkopf zu verschließen. Die Bauchmuskeln ziehen sich zusammen, um die Wirkung des sich entspannenden Zwerchfells zu verstärken; gleichzeitig ziehen sich die anderen Ausatmungsmuskeln (an Rücken, Bauch- und Beckenboden) zusammen. Dadurch wird der Luftdruck in der Lunge erhöht. Die Stimmbänder entspannen sich, die Stimmritze öffnet sich und die Luft strömt explosionsartig (mit über 100 km/h) aus – und zwar inklusive Fremdkörper oder Schleim.

Da dieser Mechanismus bei Querschnittlähmung gestört sein kann, kann es dazu kommen, dass Fremdkörper und Schleim in der Lunge bleiben. Das Risiko Infektionen zu entwickeln, steigt dadurch erheblich.  

Husteninsuffizienz erkennen: Messung des Hustenstoßes


Die Messung des Hustenstoßes spielt bei einer Husteninsuffizienz eine wichtige Rolle und erfolgt mithilfe eines Peak-Flow-Meters. Der Normalwert liegt hierbei bei über 360 Liter pro Minute, ein kritischer Zustand tritt ab unter 160 Liter pro Minute ein.

Bei einem Wert zwischen 250 Liter und 270 Liter pro Minute besteht die Gefahr des Sekretverhaltes, was das Infektionsrisiko erhöht.

Husten mit Assistent

Um Infektionen und Lungenschäden zu vermeiden, kann bei Querschnittlähmung prophylaktisch ein Hustenassistent eingesetzt werden. Dabei wird die Lunge maschinell durch künstlich herbeigeführtes Einatmen (Überdruckinhalation) entfaltet und dann durch Sog wieder zusammengezogen. „Bekanntestes Gerät ist der Cough-Assist. Es löst eine tiefe, vom Anwender einzustellende Inspiration aus, welche die Lunge maximal aufdehnt. (…) Dann hustet der Patient, das Gerät wird gleichzeitig auf Sog, d. h. Exsufflation eingestellt und das Sekret wird herausgeschleudert (Tiedemann, 2012).“ Dadurch wird der komplette Hustenzyklus durch das Gerät unterstützt bzw. übernommen.

Mechanische Hustenhilfen stellen effektive Methode bei der Therapie einer Husteninsuffizienz dar. Sie können sowohl invasiv (von Fachpersonen über die Trachealkanüle), als auch nicht-invasiv über Maske oder Mundstück (von Betroffenen im Alltag) angewendet werden.

Simulierter Hustenstoß

Silvia Ferriera, Atmungstherapeutin am neurologischen Fachkrankenhaus in Schömberg, erklärt: „Wenn Patienten die Kraft zum tiefen Einatmen und kräftigen Ausatmen fehlt, kann kein Schleim nach oben transportiert werden. Der Cough-Assist simuliert diesen Hustenstoß. Luft gelangt beim unterstützten Einatmen bis hinter den Schleim und schiebt ihn beim Ausatmen vor sich her nach oben. Meist braucht es 4-5 manchmal auch 6-7 Anwendungen bis der Schleim so weit oben ist, dass der Anwender ihn entweder schlucken oder ausspucken kann.

Wenn kein Schleim da ist, sollte der Cough-Assist prophylaktisch angewendet werden. Zwei- oder auch dreimal am Tag. Dies hat verschiedene Vorteile: Die Lunge wird gedehnt und belüftet, die Lungenbläschen werden gedehnt und die Geschmeidigkeit der Lungengewebe bleibt erhalten. Wir hören von vielen Patienten, dass sie bei regelmäßiger Anwendung weniger häufig Atemwegserkrankungen haben. Auch die Sauerstoffsättigung im Blut kann verbessert werden, da der Sauerstoff auf mehr Fläche trifft und besser aufgenommen werden kann. Und die Flimmerhärchen, die für den Abtransport von Fremdkörpern zuständig sind, werden angeregt und dadurch beweglicher gemacht.

Wenn man von einer Fachperson in die Anwendung eingewiesen worden ist, kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Die Maske muss eng anliegen. Wer nicht ausreichend Kraft in Händen und Armen hat, braucht da vielleicht Unterstützung. Häufiges Anwenden kann den Atemwegen nicht schaden, doch muss man beachten, dass – wie für alle Menschen ein natürliches Husten – dieses künstliche Husten anstrengend sein kann. Wer merkt, dass ihm die Kraft ausgeht, macht die Anwendungen nicht fünf- sondern nur dreimal bei einer Sitzung. Mit der Zeit sollte man sich an die Anstrengung gewöhnen.“

Wer übernimmt die Kosten?

Ausschlaggebend für die Verordnung durch den Facharzt, ist die Messung des Hustenstoßes (siehe Infobox oben).

Bei Verordnung sollten die Kosten für Gerät und Zubehör von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Dies gilt auch für die Maskenfilter, die alle drei bis sieben Tage, und den Schlauch, der einmal im Monat gewechselt werden sollte.


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