Zelt für Rollstuhlfahrer: Auf- und Abbau allein möglich, transferfreundliche Bodenhöhe
Wie sollte ein Zelt konstruiert sein, das Rollstuhlfahrer bequem und allein nutzen können? Die Vorgabe lautet: Aufbau und Abbau funktionieren vom Rollstuhl aus, und der Ein- und Ausstieg ist ohne wacklige Kletter-/Hängepartie oder Auf-dem-Boden-Robben möglich. Das österreichische Start-up CampingScout hat dafür eine Lösung gefunden. Es bietet ein Klapp-Zelt an, das speziell für Rollstuhlnutzer konzipiert wurde.

Das Zelt lässt sich zu einem großen rechteckigen Paket zusammenfalten, das man auf einen patentierten Schwenk-Träger am Heck oder auf eine Anhänger-Kupplung setzt. Bei diesem Stepp braucht ein Rollstuhlnutzer vermutlich noch helfende Hände. Am Campingplatz selbst – oder in der freien Natur – kann man dann allein loslegen.
Denn dort lässt sich das Zelt mithilfe eines einfachen Mechanismus auch vom Rollstuhl aus entfalten. Zunächst klappt man das Zelt-Paket in die Horizontale und stellt die integrierten Boden-Stützen auf. Dann klappt man die obere Hälfte des Zeltes auf – fertig! Denn mit dieser Bewegung öffnet sich das Zelt von ganz allein.
Transfer auf Sitzhöhe
Weiterer Vorteil: Der Boden des Zeltes befindet sich in etwa auf Höhe einer Rollstuhl-Sitzfläche. Der Transfer vom Rollstuhl in das Zelt ist also recht schulterschonend möglich.
Das rollstuhlgerechte Zwischending zwischen Dach- und Bodenzelt hat das Team um Dietmar Pachlhofer entwickelt. Ursprünglich hatte er es für einen leidenschaftlichen Camper entworfen, dem es zunehmend schwerer fiel, in sein Dachzelt zu klettern.
Mit dem Prototyp des späteren „SwingTent“ ging Pachlhofer auf Messen. Dort traf er seinen späteren Mitarbeiter Stefan, der als Rollstuhlfahrer genau so etwas schon lange gesucht hatte, „es gibt nichts Vergleichbares auf dem Markt“. Das Team modifizierte das SwingTent solange, bis ein Rollstuhlfahrer es alleine aufstellen und auch wieder abbauen konnte. Inzwischen vertreibt Pachlhofers Unternehmen CampingScout das Zelt, für das für den österreichischen Markt ein Patent besteht.
Wie schnell und einfach das geht, zeigt auch ein Video des Herstellers (externer Link):
Modulares System
Das System selbst ist modular aufgebaut. Man kann das Zelt unter anderem auf den patentierten Schwenkträger setzen, der statt der Stoßstange am Heck montiert wird. Dort findet neben dem Zelt auch noch ein Handbike oder zwei E-Bikes Platz. Einer der Vorteile dieser Lösung: Man kommt jederzeit an den Kofferraum seines Campingbusses, die Türen sind auch unter Last ausschwenkbar. Alternativ bietet das Unternehmen auch eine Zelt-Version an, die auf eine Anhängerkupplung gesetzt werden kann.
Kosten und weitere Informationen
Die Idee hat jedoch ihren Preis: Für Zelt samt Schwenk-Träger muss man fast 4.500 Euro investieren. Die Lösung für die Anhängerkupplung kostet rund 3.300 Euro. Nähere Informationen zu Preisen, Zubehör und Lieferzeiten gibt es auf der Seite des Herstellers: SwingTent – barrierefreies Campen – Campingscout.
Camping im Rollstuhl: Weitere Information
Auf Der-Querschnitt.de gibt es einige Beiträge, die Campingzubehör vorstellen. Dazu kommen Erfahrungsberichte von querschnittgelähmten Campingfans. Einige Lesetipps:
- Zelten mit Querschnittlähmung: „Du sitzt vor deinem Zelt, guckst in die Landschaft und hast einfach Zeit“ – Der-Querschnitt.de
- Die rollstuhlgerechte Campingausrüstung – Der-Querschnitt.de
- Selbstgebautes Campingklo für leichten Transfer – Der-Querschnitt.de
- „Rollstuhlgerechte Toilette“ für Mutige: Klapp-Klo für draußen – Der-Querschnitt.de
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