Immun-Shots: Hilfreich oder Humbug?
Wenn die Tage dunkler, kälter und regnerischer werden, haben viele Menschen das Bedürfnis ihrem Immunsystem etwas Gutes zu tun. Nicht wenige greifen zur Flasche.

Flaschen mit Immun-Shots findet man seit einigen Jahren in fast jedem Supermarkt, Drogeriemarkt und Discounter. Sie versprechen ein Plus für Gesundheit und Wohlbefinden. Aber unterstützen sie die Immunabwehr wirklich?
Immun-Shots, insbesondere Ingwer-Shots, haben Inhaltsstoffe wie Gingerol, Vitamin C und Antioxidantien, die das Immunsystem tatsächlich stärken können, denn sie wirken entzündungshemmend, antibakteriell und wärmend. Oft ist auch Vitamin D zugesetzt, ein Mikronährstoff, mit dem hierzulande viele Menschen – auch und vor allem mit Querschnittlähmung – unterversorgt sind (siehe: Vitamin D Mangel bei Menschen mit Querschnittlähmung).
Allerdings sind viele Fertigprodukte teuer und enthalten wenig Ingwer – dafür aber oft vergleichsweise große Mengen Apfelsaft und damit unnötig viel Zucker. Wer es mit Immun-Shots einmal versuchen möchte, stellt sie daher am besten selbst her.
Kein Ersatz für gesunde Ernährung
Dass die Immunabwehr von einer bewussten Ernährung mit bestimmten Nährstoffen profitieren kann, wird im Beitrag Das Immunsystem stärken: Mit diesen Ernährungsstrategien erläutert. Selbstgemachte Immun-Shots können diese Ernährungsweise ergänzen. Ihr Konsum alleine ist allerdings zu kurz gegriffen, da er eine schlechte Ernährung nicht ausgleichen kann.
Die wichtigsten Zutaten
- Ingwer
Ingwer wirkt entzündungshemmend, enthält antioxidative Stoffe und regt die Durchblutung an. Die erhöhte Durchblutung führt auch bei Erkältung zu einem angenehmen Wärmegefühl. Siehe: Ingwer – Wohltuende Schärfe - Zitrone
Zitrone ist reich an Vitamin C. Allerdings ist sie mit ca. 50 Gramm Vitamin C pro 100 Gramm Zitrone nicht mal in den Top Ten (siehe: Verblüffend vitaminreich: Salami, Shrimps und Kartoffelchips), sondern bleibt weit hinter Sanddorn, Guave, Paprika und sogar Erdbeeren zurück. Als Antioxidant soll Vitamin C Radikale abfangen, die Produktion und Funktion weißer Blutkörperchen (Leukozyten) fördern und die Barrierefunktion von Haut und Schleimhäuten durch Kollagenbildung unterstützen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt derzeit eine Tagesdosis von 100 Milligramm. Vitamin C wird über die Mundschleimhaut, vor allem aber über den Dünndarm aufgenommen. Wenn Erkrankungen oder Störungen der Dünndarmfunktion – etwa bei neurogener Darmfunktionsstörung oder permanent und/oder wiederholt geschädigten Darmflora – vorliegen, kann eine vermehrte Einnahme über die Nahrung sinnvoll sein. - Kurkuma
Der Inhaltsstoff Curcumin wirkt entzündungshemmend. Traditionell nutzt man Kurkuma schon lange zur Stärkung der Abwehrkräfte und als Hausmittel bei Erkältungen, oft in der Kombination mit schwarzem Pfeffer, da dieser die Aufnahme verbessert. Siehe: Kurkuma – Gelbwurz für die Darmgesundheit - Honig
Honig kann antibakteriell und entzündungshemmend wirken. Wegen seines hohen Zuckergehalts sollte er allerdings nur in Maßen genossen werden. Siehe auch: Fünf Hausmittel bei Erkältungen und ihre Wirkung und Süße Medizin: Honig zur Behandlung von Druckstellen
Immun-Shots
- 100 Gramm Ingwer
- 20 Gramm Kurkuma
- 1 EL Honig
- 1 Priese frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
- Saft von einer Zitrone
- Saft von einer Orange
Ingwer und Kurkuma schälen. Alle Zutaten in einen Mixer geben und ca. eine Minute pürieren. Optional durch ein Sieb streichen.
Im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb von zwei bis drei Tagen verbrauchen.
Für den Anfang reichen ein bis zwei Schnapsgläser (20 ml) des Immun-Shots am Tag, doch man kann die Menge auf bis zu 60 ml pro Tag steigern.
Kräuter und Gewürze für die Immunabwehr
Auch andere Kräuter und Gewürze können sich positiv auswirken.
1. Knoblauch
Knoblauch enthält Allicin, das antibakterielle und antivirale Eigenschaften haben kann. Regelmäßiger Verzehr wird oft mit verbesserten Abwehrkräften in Verbindung gebracht.
2. Zimt
Zimt hat antioxidative Eigenschaften und kann entzündungshemmend wirken. Neben dem Immunsystem könnte sich auch die Verdauung über den Zimtgenuss freuen (siehe: Zimt bei Verdauungsbeschwerden und Harnwegsinfekten).
3. Thymian
Traditionell bei Atemwegsbeschwerden eingesetzt, wirkt leicht antiseptisch. Es fördert den Auswurf bei Husten und ist für seine krampflösenden Eigenschaften bekannt.
4. Chili (Capsaicin)
Die Scharfmacher im Chili können die Durchblutung fördern, wirken leicht entzündungshemmend und haben eine antibakterielle Wirkung. Chili lässt sich frisch, getrocknet oder in Form von Cayenne-Pfeffer verwenden. Auch das Schmerzempfinden kann von Chili beeinflusst werden (siehe: Neuropathische Schmerzen: Behandlung mit Capsaicin).
5. Meerrettich
Die typische Schärfe des Meerrettichs entsteht durch die enthaltenen Senföle. Diese wirken als natürliches Antibiotikum gegen Bakterien und auch gegen Viren und Pilze. Meerrettich kann also nicht nur vorbeugend das Immunsystem in seiner Funktion unterstützen, sondern bei akuten Infekten positiv wirken.
Für mehr potenziell gesundheitsfördernde Leckereien siehe:
Trendgetränk und die Verdauung: Wieso die „Pumpkin Spice Latte“ gut für die Darmgesundheit sein kann
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