Hot on Wheels – Vier Hilfsmittel, die dafür sorgen, dass man im Rollstuhl warm und trocken bleibt
Warm und trocken zu sein, ist ein Zustand, der allzu oft unterschätzt wird, zum Wohlfühlen aber ziemlich wichtig ist. Menschen mit Querschnittlähmung können verschiedene Hilfsmittel verwenden, wenn die körpereigene Temperaturregulation nicht mehr funktioniert.

Im Winter draußen unterwegs zu sein kann für manche Menschen mit Querschnittlähmung ein wahrer Horrortrip sein, denn wenn die Temperaturdysregulation die körpereigenen Mechanismen zum Erhalt der Betriebstemperatur aushebelt, dann ist frieren angesagt. Die Kälte kann quasi ungehindert in jeden einzelnen Knochen kriechen und die weißen Blutkörperchen gefühlt in kleine Eiskristalle verwandeln. Und wenn man erst einmal ausgekühlt ist, kann es unter Umständen sehr schwer werden, wieder die Wohlfühltemperatur zu erreichen, die den Winter zu einer schönen Jahreszeit machen kann. Es gibt aber einige Hilfsmittel, mit denen es gar nicht erst soweit kommen muss:
1. Kleidung – Beheizbar oder Lagen Look
Über die Kleidung kann man schon einiges bewirken. In der kalten Jahreszeit wählt man wärmende Stoffe (z. B. Alpaka-Wolle oder Thermokleidung) und trägt diese in mehreren Lagen übereinander. Und auch wenn lange Unterhosen oder Kniewärmer nicht jedermanns Sache sind, so halten unbestreitbar wärmer als minimalistische G-String Unterwäsche (siehe: Meine Querschnittlähmung und ich: Ich bin ein Mann, verdammt nochmal!).
Zudem gibt es auch beheizbare Kleidungsstücke (siehe: Heizbare Kleidung für kalte Wintertage), die von dünnen ummantelten elektrischen Drähten durchzogen sind. Gespeist werden die Drähte von einem sehr kleinen aber leistungsstarken Lithium-Akku, der vor jedem Tragen aufgeladen und direkt am Kleidungsstück getragen wird.
Beheizbare Kleidungsstücke gibt es für fast jeden Körperteil (außer der Nase). Behindert-Barrierefrei TV stellt beheizbare Schuhsohlen in folgendem Video vor:
2. Sitzheizungen
Die in diesem Beitrag ursprünglich vorgestellte temperaturregulierende Rückenlehne JAY J3 TC von Sunrise Medical und die Extra-Sitzheizung von Saljol werden nicht mehr hergestellt und ist nicht mehr regulär bestellbar.
Die Redaktion hat sich bemüht Alternativen zu finden: Z.B. gibt es spezielle Sitz- und Rückenauflagen, die über einen Akku oder eine Powerbank mit Strom versorgt werden. Sie können sowohl die Sitzfläche als auch den Rücken wärmen und lassen sich teilweise unabhängig von einer Steckdose nutzen.
Zu den angebotenen Produkten gehören:
- Thermrup: Die mobile beheizbare Sitzauflage (40 × 80 cm) kann sowohl mit einem Akku als auch über ein Netzteil betrieben werden. Sie wärmt die Sitzfläche und den Rücken und wird vom Hersteller ausdrücklich auch für die Nutzung im Rollstuhl angeboten. Weitere Informationen: www.thermrup.de (externer Link)
- HEAT 2: Die kabellose Sitz- und Rückenheizung wird mit einer Powerbank betrieben und soll laut Anbieter bis zu sieben Stunden Wärme liefern. Sie wird ebenfalls für den Einsatz im Rollstuhl beworben. Weitere Informationen: www.hilfsmittel-spezialisten.de (externer Link)
- Candor: Der Hersteller bietet mobile Infrarot-Sitzheizkissen und passende Rückenheizungen an, die miteinander kombiniert werden können. Verschiedene Ausführungen und individuelle Abmessungen ermöglichen eine Anpassung an unterschiedliche Sitzgelegenheiten. Weitere Informationen: www.infrarotheizung-candor.de (externer Link)
Achtung
Menschen mit eingeschränktem oder fehlendem Temperaturempfinden sollten bei der Verwendung beheizbarer Auflagen besonders vorsichtig sein. Da übermäßige Hitze möglicherweise nicht wahrgenommen wird, besteht die Gefahr von Verbrennungen. Zudem können zusätzliche Auflagen die Druckverteilung und Sitzposition verändern und damit das Dekubitusrisiko erhöhen. Vor der Verwendung sollte daher mit medizinischem oder orthopädietechnischem Fachpersonal geklärt werden, ob das jeweilige Produkt für die individuelle Situation geeignet ist. Eine ausdrückliche Eignung der genannten Produkte für Menschen mit fehlendem Temperaturempfinden ist nicht bestätigt.
3. Schlupfsäcke
Auch wenn sie optisch nicht jedermanns Sache sind: Schlupfsäcke haben den entscheidenden Vorteil, dass sie warmhalten ohne auf eine Stromversorgung oder die Verbrennungsgefahr achten zu müssen. Sie sind an die Bedürfnisse von Menschen im Rollstuhl angepasst und im Hilfsmittelverzeichnis sind sie in der Produktgruppe 18 „Kranken-/ Behindertenfahrzeuge“ aufgeführt. Für mehr Informationen siehe: Die stecken die Kälte weg: Sechs Punkte, die Querschnittgelähmte über Schlupfsäcke wissen sollten
4. Schirme und Regencapes
Trocken bleibt man mit Regenkleidung und Regenschirmen. Im Fall von Rollstuhlfahrern ist es eine gute Idee, wenn nicht nur der Fahrer sondern auch das Gefährt vor dem Regen geschützt wird. Entsprechende weite Capes und Ponchos gibt es in verschiedenen Preisklassen im Reha-Fachhandel. Für einen Beitrag über Regenschirme die für Rollstuhlnutzer besonders geeignet sind siehe:Im Rollstuhl im Regen unterwegs: Diese Kleidungsstücke halten dicht und Schutz vor Regen und Sonne: Schirme und Dächer für den Rollstuhl
Moxaanwendungen
Im Winter gehen viele Menschen mit Querschnittlähmung gerne in die Sauna oder nehmen ein Vollbad, um sich wenigstens zeitweise ein bisschen warm zu fühlen. Dabei wird man allerdings nass – und in diesem Beitrag geht es ja darum warm und trocken zu bleiben. Als Alternative zum Saunieren eignet sich eine Moxabehandlung, eine Anwendung aus der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM), bei der die Heilpflanze Beifuß über bestimmten Therapiepunkten am Körper abgebrannt wird. Menschen mit Querschnittlähmung (und allen anderen natürlich auch) kann, laut TCM, eine Moxabehandlung helfen Kälte und Feuchtigkeit aus dem Körper zu vertreiben.
Siehe hierzu: Moxabehandlungen bei Querschnittlähmung
Siehe auch: Heiße Tipps für kalte Tage, Gegen kalte Beine am Schreibtisch – Die Untertischheizung und Wärmende Ernährungsstrategien nach der Traditionell Chinesischen Medizin
*Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellt keine Empfehlung der Redaktion dar. Hinweise zu weiteren Hilfsmittel nimmt die Redaktion gerne entgegen.
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Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und wurden, falls nicht anders vermerkt, nicht von der Redaktion getestet. Der Beitrag ersetzt in keinem Fall eine Beratung oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch Fachpersonen. Ob und in welchem Umfang private Krankenkassen die Kosten für Hilfsmittel, Therapien o.ä. übernehmen, ist individuell in der jeweiligen Police geregelt. Allgemeingültige Aussagen können daher nicht getroffen werden.