Lungenentzündungen als Komplikation bei Querschnittlähmung
Bei einer Querschnittlähmung besteht ein erhöhtes Risiko an Lungenentzündungen zu erkranken, da es wegen der eingeschränkten Mobilität und der beeinträchtigten Atemtechnik zu vermehrter Sekretbildung und zum erschwerten Abtransport von Schleim (oder anderen Fremdstoffen) aus den Lungen kommen kann. Aber es gibt Möglichkeiten sich zu schützen.

Lungenentzündung, auch: Pneumonie
Bei der Lungenentzündung oder Pneumonie handelt es sich um eine akute oder chronische Entzündung des Lungengewebes. Sie wird meist durch eine Infektion mit Bakterien, Viren oder Pilzen verursacht.
Als Komplikationen können Pleuraergüsse (Flüssigkeit im Spalt zwischen der Brustwand und der Lunge) entstehen, gelegentlich auch eitrig (dann spricht man vom Pleuraempyem).
Typische Zeichen einer Lungenentzündung sind vermehrtes und verfärbtes Bronchialsekret, verstärkter Husten, Atemnot und Kurzatmigkeit, blasse Haut zunehmende Atemfrequenz (verbunden mit Fieber). Zusätzlich treten Fieber, manchmal schweres Krankheitsgefühl oder ein zunehmendes Organ- und Herzkreislaufversagen (Sepsis) auf.
Lungenentzündungen als Komplikation bei Querschnittlähmung
Gehäuft treten Pneumonien im ersten Jahr nach Querschnittlähmung auf, können aber auch im weiteren Verlauf auftreten. Sie gehören zu den häufigsten Todesursachen bei Menschen mit Rückenmarksverletzungen. Eine Studie aus dem Jahr 2024 gibt Einblicke: Studie: Lungenentzündungen nach einer Rückenmarksverletzung vermeiden
Ausgelöst wird eine Lungenentzündung bei Menschen mit Querschnittlähmung üblicherweise durch typische bakterielle Erreger, wie Pneumokokken oder Staphylokokken. Einen Einfluss hat hierbei u. a. die eingeschränkte Immunabwehr bei Querschnittlähmung (siehe: Das Immunsystem bei Querschnittlähmung).
Ein weiterer Risikofaktor für das Entstehen von Pneumonien bei Querschnittlähmung sind Schluckstörungen (siehe: Schluckfunktionsstörungen bei Querschnittlähmung) und der Einsatz von Trachealkanülen, da sie die Aspirationsgefahr beträchtlich erhöhen. Hierbei kommt es zum einen zu auffälligem, von Hustenanfällen begleitetem Verschlucken von Speichel oder Nahrung; zum anderen zur stillen Aspiration, bei der Nahrungsbestandteile oder Speichel unbemerkt in die Atemwege gelangen und Aspirationspneumonien hervorrufen können (Tiedemann, 2012).
Risiken minimieren und Lungenentzündungen vorbeugen
Da Menschen mit Querschnittlähmung anfälliger für nicht nur Lungenentzündungen, sondern auch für andere Atemwegskomplikationen (siehe: Pulmonale Komplikationen bei Querschnittlähmung) sind, ist es wichtig, proaktiv zu handeln und vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Einige davon sind z. B.:
- Impfungen
Die Pneumokokkenimpfung und die jährliche Grippeimpfung sind zu empfehlen, um das Risiko an Lungenentzündungen zu erkranken zu vermindern. Siehe auch: Grippeschutzimpfung bei Querschnittlähmung Eventuell könnte – wie immer nach Rücksprache nach dem Arzt – auch eine RSV-Impfung ins Auge gefasst werden (mehr zu dieser Impfung auf den Seiten des RKI: Beschluss zur Empfehlung der STIKO für eine Standardimpfung gegen Erkrankungen durch Respiratorische Synzytial-Viren (RSV) für Personen )
Zu beachten ist, dass seit 2024 weitere Erreger auf dem Vormarsch sind, z. B. Mykoplasmen, Rickettsien, Legionellen und Chlamydien, die atypische Lungenentzündungen auslösen können. - LISA anwenden
LISA steht für- L = Lungenbelüftung
- I = Infektionen vermeiden
- S = Sekretmanagement
- A = Aspiration vermeiden
Für einen ausführlichen Beitrag siehe: Lungeninfektionen und Pneumonien vorbeugen mit LISA
- Verwendung eines Cough Assistent
Zur Prophylaxe aber auch zur Behandlung bei Atemwegsinfektionen, können Geräte zum Unterstützten Husten verwendet werden. Siehe: Husten und Querschnittlähmung
- Das Immunsystem stärken und schützen
Das Immunsystem sorgt dafür, dass Krankheitserreger, die in den Körper eindringen, bekämpft und unschädlich gemacht werden. Bei dieser teils schwierigen Aufgabe, kann man es mit verschiedenen Maßnahmen unterstützen. Siehe auch: Acht Maßnahmen, die das Immunsystem stärken und schützen - Gezielte Therapien
Personen mit geschwächten Atemfunktionen nach Eintritt einer Querschnittlähmung sollten mit Physiotherapeuten und Logopäden zusammenarbeiten, um das Zwerchfell zu stärken, die Atmung zu unterstützen und zu lernen, mit Sekreten umzugehen. Dort erlernt man auch Atemübungen, die helfen können, das Lungenvolumen allmählich zu vergrößern. Ebenso können Hustenübungen helfen, die Lunge zu befreien und Flüssigkeitsansammlungen zu vermeiden. Auch Hilfsmittel, wie ein Bauchgurt, könnten unterstützend zum Einsatz kommen.
Lifestyle Choices
- Gesunde Ernährung und Gewichtskontrolle
Übergewichtige Menschen haben ein höheres Risiko, an Atemwegskomplikationen zu erkranken. Die Beibehaltung eines gesunden Gewichts kann helfen, das Risiko zu senken. (Siehe: Was tun bei Übergewicht? Abnehmen bei Querschnittlähmung) - Mit dem Rauchen aufhören
Rauchen erhöht das Risiko von Atemwegsinfektionen, die zu Lungenentzündungen führen können. (Siehe auch: Rauchen und Querschnittlähmung) - Viel Wasser trinken
Das Trinken von Wasser trägt dazu bei, die Konsistenz des Sekrets zu verdünnen, wodurch es sich leichter abhusten lässt. (Siehe auch: Richtig trinken bei Querschnittlähmung) - Regelmäßig Sport treiben
Sport kann helfen, die Ausdauer zu verbessern und die Atmung besser zu kontrollieren. Je nach Lähmungshöhe sind unterschiedliche Sportarten möglich. Auch Yoga kann helfen, die Atmung zu trainieren und ist für jede Lähmungshöhe geeignet. (Siehe: Yoga bei Querschnittlähmung)
Es gilt:
Wenn Betroffene Anzeichen für Atemwegserkrankungen bemerken, sollten sie schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen, um ein Fortschreiten der Krankheit und/oder ein auftreten weiterer Komplikationen zu verhindern (Craig Hospital, 2024).
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